Tore Brunborg: Snow Slow

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„Das Spiel mit Nähe und Distanz, mit Entspannung und Verdichtung, mit Surrealität und Wahrhaftigkeit, mit Sounds und Stimmungen charakterisiert „Slow Snow“. Das Album erzählt von der Ruhe und Besinnlichkeit vor dem Sturm, der aber im nächsten Moment rauschhaft kulminieren kann. Ein warmer Lyrismus entwickelt sich tief aus der Seele der Stücke. Mit „Slow Snow“ ist Brunborg ein beeindruckendes Debüt gelungen, das ihn auch als großartigen Pianisten zeigt.“ So liest man es auf dem „Waschzettel“ des Labels.

Mit dem vorliegenden Album gibt erneut ein norwegischer Saxofonist – auch der aus Trondheim stammende Marius Neset wurde auf dem ACT Label veröffentlicht – seine musikalische Visitenkarte ab. Neben Tore Brunborg, der am Tenorsaxofon und am Piano zu hören ist, gehören zum Quartett, das „Slow Snow“ präsentiert, Eivind Aarset (guitars & electronics), Steinar Raknes (double bass) und Per Oddvar Johansen (drums & electronics). Gemeinsam stellen sie zehn Kompositionen vor, die alle aus der Feder von Tore Brunborg stammen, ob „Shelter“ oder „Light A Fire Fight A Liar“.

Verhalten sind die Klavierakzente, und das Schlagzeug verbleibt im Hintergrund, wenn die ersten Takte von „Shelter“ zu hören sind. Stark ausgeformt ist der Bassverlauf, den Brunborg dem Klavier abringt. Ganz entfernt ist ein schwirrender, gestrichener Bass sacht zu vernehmen. Aus dem Off kommt nachfolgend das Saxofon, von Tore Brunborg gespielt. Stets ist es an Brunborg die Klangfarben zu bestimmen, ob am Klavier oder am Saxofon.

Hochtönig kommt der Bass daher, den Steinar Raknes zu Beginn von „History“ spielt. Tomtomtom macht dazu das Schlagwerk und ganz losgelöst zeigt sich das Saxofon in Brunborgs Händen. Sehr gelungen erscheinen die Basspassagen. Es ist ja eher selten, dass der Bass sich auch mal vordergründig zeigt. Eingängig ist das melodiöse Spiel von Brunborg, bei dem man sich fallen lassen kann. Bilder von lang gestreckten Fjorden, ausgedehnten Hochebenen und einer Segelpartie auf dem Oslofjord kommen vielleicht dem einen oder anderen beim Zuhören in den Sinn. Auch eine Wanderung über den Hardangervidda könnte man gut mit der Komposition „History“ untermalen, wenn man sie denn in einem Film dokumentieren würde. Ist da nicht auch Sphärenklang mit im Spiel oder doch eher eine Bambusflöte, die allerdings auf dem Coverlisting nicht vermerkt wurde?

In „Tree Strong, Tall Swaying, Swinging, Sighting“ ist es die „ostinate“ Gitarre von Aarset, die der Komposition ebenso das Gesicht gibt wie die ausschweifenden Saxofonsequenzen von Brunborg. Untergründig wimmert und schwirrt das Saiteninstrument, das Aarset gehört, und darüber breitet Brunborg mit seinem Holzbläser einen flauschigen Klangflor aus. Weite, Weite und nochmals Weite scheint Brunborg zum Ausdruck bringen zu wollen. Bisweilen denkt man auch beim Zuhören an Nordlichter, die es ja nur im Norden Norwegens zu sehen gibt. Auffallend sind bei diesem Stück auch die partiell rockig wirkenden Passagen – dank an Aarset. Aus dem Irgendwo ist nicht nur das Schlagwerk zu hören, sondern auch Elektronisches, wenn die Band „Lost And Found“ spielt. Beinahe lyrisch mutet Brunborgs Spiel in diesem Stück an. Die Stimmung ist entspannt; das kontemplative Moment überwiegt.
Als vorletzten Titel präsentiert die Band von Tore Brunborg „Slow Snow“, vielleicht am ehesten mit langsam fallendem Schnee zu übersetzen. Irgendwie liegt Schwere in der Luft, wenn man dem Stück zuhört. Beinahe bleiern ist die Atmosphäre. Ja, bei Schneefall gibt es eine typische Wolkendecke, die die Landschaft und Städte einhüllt, wenn es dicke Schneeflocken regnet, die im Wind tanzen. Irgendwie klingt das Stück aber auch nach dichtem Schneetreiben an einem Nachmittag, kurz bevor es dann gänzlich dunkel wird. Jedenfalls all das haben Brunborg und seine Mitstreiter gekonnt und nachhaltig musikalisch eingefangen.

Text © ferdinand dupuis-panther

Informationen
Label
www.actmusic.com

Musiker

Tore Brunborg
www.torebrunborg.com

 


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