Hellmüller Sisera Renold: Roots

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Double Moon, DMCHR 71135
Es geht um die Wurzeln des Jazz, die gewiss, so Wynton Marsalis, eine Mischung aus Blues und Swing beinhalten. Dabei geht es dem Trio um den Gitarristen Felix Hellmüller um die Interpretationen von Jazzklassikern, also um das Wie und nicht um das Was. An seiner Seite spielen der Bassist Luca Sisera, auch Mitglied von Michael Jägers Band Kerouac, und der Drummer Tony Renold. Zu Beginn hören wir „All The Things You Are“ und am Ende des Albums einen Blues: „St. James Infirmary“.
Noch einige Worte zu den Schweizer Jazzern: Franz Hellmüller hat sein Musikstudium an der Hochschule von Luzern 2003 mit Auszeichnung abgeschlossen. Mittlerweile ist er selbst in der Lehre tätig (Jazz Academy, Montreux, Switzerland). Mehrfach wurde er ausgezeichnet, und immer wieder wird in den Begründungen darauf verwiesen, dass Hellmüller ein wahrer Gitarrenvirtuose ist – aber dass bei all seiner beeindruckenden Technik sein ausgeprägtes Melodieverständnis das Spiel bestimmt. Auch der Bassist Luca Sisera hat in Luzern studiert, und er wurde ebenso häufig mit Auszeichnungen bedacht. Seit einem Jahrzehnt gehört er zu den gefragtesten Musikern in der Schweiz und ist auf mehr als zwei Dutzend CDs präsent. Tony Renold, Jahrgang 1958, ist mit Sicherheit einer der wichtigsten Schlagzeuger der Schweiz – auch wenn er bisher eher der Typus „Musician´s Musician“ ist.
„All The Things You Are“ mit einem herrlichen Anfangssolo von Felix Hellmüller – damit macht das Album auf. Mit Kreativität und ausgeprägter Frische interpretieren Hellmüller und Co. nicht nur diesen Standard, sondern alle aufgezeichneten Titel des Albums. Ja, die Grundmelodie sowie das Thema des Klassikers von J. Kern sind stets heraushörbar, aber gerade die Phrasierungen von Hellmüller schaffen neue Hörfarben. Hellmüllers Spiel überzeugt dabei durch technische Finesse und Brillanz. Wenn seine Finger die Saiten greifen, dann umgarnt er gleichsam das Thema. Dass man fürs Spiel auch durchaus auf die eigene Stimme zurückgreifen sollte, unterstreicht Luca Sisera bei seinem schwungvollen Basssolo. Siseras Stimme folgt dabei der Linken, die über den Hals des Tieftöners gleitet, ehe dann Hellmüller wieder das Thema in seine Hände nimmt. Bereits an dieser Stelle muss man nachdrücklich anführen, dass das Wie das Entscheidende zu sein scheint und es gut ist, dass die Wurzeln des Jazz stets aufs Neue ins Bewusstsein gerückt werden.
Mit „I Wish I Knew“ setzt das Trio seine Spurensuche fort, ehe dann Miles Davis in unser Wohnzimmer kommt: „Solar“ in der Version von Hellmüller und Co. versucht erst gar nicht, Miles Davis zu kopieren. Das ist aufgrund der fehlenden Trompete auch gar nicht machbar. Stattdessen ist es Hellmüller, der in die „Fußstapfen“ von Miles tritt und mit Verve sein Saiteninstrument zum Klingen bringt. Mit großer Sensibilität agieren bei diesem Stück Luca Sisera und Tony Renold. Die Bühne gehört allerdings ohne Frage Hellmüller, der flink seine Hände über Saiten und Bünde gleiten lässt. Neben Hellmüller hören wir auch wieder den singenden und zupfenden Sisera, der sich des Themas annimmt und seinen Tieftöner in weiche Schwingungen versetzt. Bill Evans' „Time Remembered“ hat das Trio ebenso eingespielt wie die einzige Eigenkomposition des Albums namens „La Boum“, die Hellmüller zu verdanken ist. Es ist nicht allein Miles oder Evans, die nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung des Jazz genommen haben, sondern auch Horace Silver, dessen Komposition „Peace“ gleichfalls vom Trio aufgenommen wurde.
„La Boum“ lebt wie die anderen eingespielten Titel von der Hörfarbe, die Hellmüller auf seiner Gitarre erzeugt. Dabei bleibt Hellmüller stilistisch im „Korsett“ von Miles Davis, Bill Evans und anderen Musikern aus der Blütezeit des Bebop. Beschwingt ist die Nummer, die wir hören. Man könnte auch von sommerlich-beschwingt reden und sich vorstellen, diese Musik würde die auf dem Luzerner See dahingleitenden Segler begleiten. Danke für diese musikalische Erfrischung, ehe dann eine Hommage an Horace Silver zu hören ist.
„Peace“, Frieden ist gerade in unseren Tagen ein großes Wort. Lyrisch mutet das Stück an, ganz fernab des Mahnenden Zu Beginn ist nur Hellmüllers hochtöniges Gitarrenspiel zu vernehmen. Etwa nach einem Drittel des Stücks mischen sich seine beiden Mitmusiker hintergründig ein. Das Schlagzeug wird gewischt, der Bass sachte gezupft. Man müsste mal das Original neben der „Adaptation“ hören, um zu sehen, ob Hellmüller in irgendeiner Weise den distinkten Stil des Pianisten Horace Silver angemessen eingefangen hat. So bleibt dem Zuhörer nur, dem Fluss der Gitarrenpassagen zu lauschen.
Zum Schluss gibt es dann den Klassiker „St. James Infirmary“ als „Rausschmeißer“. 1928 hat Louis Armstrong den Titel aufgrund einer legendären Ausnahme bekannt gemacht. Auch als Instrumental in der Version von Hellmüller und Co. weiß der Titel bis heute zu überzeugen.

Text © ferdinand dupuis-panther

Informationen

Label

Double Moon
www.doublemoon.de

Musiker

www.hsr-trio.com
Luca Sisera

www.lucasisera.ch

 


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