The Cooking Club: High Energy Jazz From the Sydney Underground

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selfproduction

Kann man sie die „Jungen Wilden des Jazz aus Down Under“ nennen? Untergründig sind sie auf alle Fälle: Michael Gordon (Tenor Saxophone), Ken Allars (Trumpet), Tom Wade (Double Bass) und Finn Ryan (Drums). Auf ihrem nun vorliegenden jüngsten Album beginnen die vier Sydneysider mit einem wichtigen Job („Big Job“), lassen „Chumba Chumba“ ertönen, entführen uns nach „Christchurch“, „besingen“ den Schlafanzug einer Katze und beenden das Album mit „Comedown“. Hm, hätten wir nicht eher Titel wie „ Blue Mountains“, „Manly Beach“, „The Rocks“ oder „Uluru“ erwarten können? Vielleicht, aber das würde ja nur die Klischees bestätigen, die über den Fünften Kontinent existieren.

Unser Blick ist im Hinblick auf Jazz zumeist auf die USA und Europa gerichtet. Dabei verlieren wir andere Kontinente völlig aus dem Fokus. Ja, auch in Australien gibt es eine lebendige Jazz-Szene, nicht nur in Melbourne und rund um die Monash University. Von Brisbane über Perth und Sydney existiert ein lebendiges Klubleben. Jazzfestivals in Devenport, Wangaratta oder Melbourne ziehen ein überaus interessiertes Publikum in ihren Bann. Es gibt also auch „am Ende der Welt“ ein fruchtbares Milieu für Jazz der Gegenwart. In diesem bewegen sich auch die Musiker des „Kochklubs“ aus Sydney. Also dann hören wir mal, was die vier Musiker für uns als Menü servieren. So wissen wir dann auch, ob es Multi-Kulti-Küche, also ein bisschen Radiohead reloaded mit australischen Folk-Tunes und Afro-Beats, gibt oder Post-Bebop oder gar Jazzrock revisited.

Oha, was hören wir denn da? „Big Job“ scheint zunächst so angelegt wie manches Stück von Cannonball Adderley, entwickelt sich dann aber mehr in Richtung von „Grunge Jazz“. Da schmettern und grunzen die Bläser und scheinen sich noch gegenseitig in ihren tonalen Passagen übertreffen zu wollen. Für die Rave- und Techno-Generation dürfte diese Art von Jazz eine begehbare Brücke schlagen. Flott sind die Beats, „vollmundig“ sind die gespielten, teils wiederkehrenden Sequenzen. Nachdem die Bläser zum Schweigen gebracht wurden, hat der Schlagzeuger Finn Ryan kurz Gelegenheit, an seinen Trommeln zu wirbeln, ehe die Bläser uns zum Thema zurückführen.

Mit mehrstimmigem Gesang beginnt „Chumba Chumba“. Dabei hat man den Eindruck, einen Männerchor beim Einsingen zu erleben. Eine Prise Ironie und Humor scheint dabei mit im Spiel zu sein. Dann jedoch beginnt die Band, ihren satten Bläsersound umzusetzen. Humpdahumpda revisited scheint nicht fern. Immer wieder scheinen sich aber auch „klassische Bebop- und Hard Bop-Sequenzen“ einzuschleichen. Es ist schon überaus beeindruckend, welche Klangstärke und Klangfülle eine Trompete und ein Saxofon an den Tag legen. Es kommt halt im Kern auf das Wie und nicht unbedingt auf das Was an. Gebundenes und Ungebundenes sind im Wechsel zu hören. Melodisches trifft auf schrille Klangimprovisation. Das muss man allerdings mögen!

Bei „Grips Up“ eröffnen Schlagzeug und Bass den musikalischen Reigen. Doch lange bleiben sie nicht allein. Trompete und Saxofon sind auch bei dieser Komposition die Protagonisten, nicht nur bei dem sehr gefälligen Saxofonsolo von Michael Gordon.

Nachfolgend unternehmen wie einen kurzen musikalischen Exkurs ins neuseeländische Christchurch, wenn der gleichnamige Titel erklingt. In der Einleitung sind Bass und Schlagzeug kurze Zeit allein auf weiter Flur. Dann setzen Trompete und Saxofon ein, stilistisch ein bisschen Chicago, ein bisschen Blood, Sweat and Tears und all das, was den Jazz in den 60er und 70er Jahren ausmachte bis hin zu Jazz Rock. Beschwingt ist das, was wir von den beiden Bläsern im Duett hören. Anschließend lässt Ken Allars seine Trompete „flirren“, „schwirren“, „schreien“ und „wimmern“, unterstützt dabei von Bass und Drums, die sehr behutsam zu Werke gehen. War die Trompete eher nervös gestimmt, so strahlt das Tenorsaxofon, dem Michael Gordon ganz eigenwillige Klangfolgen entlockt, eher Ruhe und Gelassenheit aus.

Zum Schluss steht dann nicht der Countdown, sondern „Comedown“: Beim Zuhören schwebt man auf einer Klangwolke dahin, die dem Saxofon zu verdanken ist. „Round Midnight“ scheint m. E. dabei auch ein wenig Pate gestanden zu haben.

Insgesamt ist es ein sehr gelungenes Album, dass die Band hier vorgelegt hat. Die Rezepte sind abwechslungsreich und verraten eine „junge musikalische Küche“. Es ist zu hoffen, dass man in Zukunft mehr von dieser Band hört und sie vielleicht auch mal in Europa erleben wird.

Text: © ferdinand dupuis-panther

Informationen

Musiker

http://michaelgordon.bandcamp.com/album/high-energy-jazz-from-the-sydney-underground

Jazz aus Australien
http://abcjazz.net.au

 


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