In Münster „heult die Kurve“-

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Straight ahead Jazz in der Pension Schmidt

Die Jazzreihe „Heulende Kurve“ bietet spannende Konzerte, rotierende Besetzungen, Überraschungen und Abwechslung. Diesmal spielte der Gastgeber und Drummer Robert Weitkamp mit einer besonderen Formation: Gleich zwei der renommiertesten deutschen Jazzmusiker trafen auf jüngere Musiker der Szene. Ed Kröger an der Posaune und Ansgar Elsner am Saxofon prägen beide seit Jahrzehnten die deutsche Jazzszene; hinzu kamen Julian Bohn am Klavier und Julian Walleck am Kontrabass.

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Fürwahr, an diesem Montagabend und bei sehr kühlen Temperaturen, die eher an Herbst erinnerten, trafen sich zwei Generationen in der Pension Schmidt: die Väter und die Kinder, wenn auch dem Teenageralter längst entwachsen. Straight ahead Jazz stand auf dem Programm, und das lockte die teilweise eher reservierten Münsteraner Jazzfreunde aus dem Haus. Der Jazz von Coltrane, Monk und Co. schien genau nach dem Geschmack des Publikums, das mit Zwischenapplaus für die Solisten ebenso wenig geizte wie mit dem finalen Beifall, sodass es noch eine Zugabe gab. Doch kurz nach 22 Uhr musste dann Schluss sein. Der Lärmschutz und die Interessen der Hausbewohner nach Nachtruhe forderten einen Tribut. Schade, denn man hätte sich noch mehr Coltrane, Monk und Co. vorstellen können. Das Programm reichte von „Blues Walk“ über Monks „Hackensack“ zu einigen Kompositionen von Ed Kröger wie „Before And After“ und einem Broadway Standard wie „Alone Together“ sowie „Maiden Voyage“ von Herbie Hancock.

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Dass in der Pension Schmidt sich eine kleine Jazzreihe namens „Heulende Kurve“ etabliert hat, ist auch das Verdienst des Drummers Robert Weitkamp, dessen Vater gleichfalls Schlagzeuger ist und mit dem Tenorsaxofonisten Ansgar Elsner zusammenspielt. Für jede Veranstaltung wird eine neue Formation zusammengestellt. So kommen zu einer eingespielten jungen Rhythmusgruppe „Gastmusiker“ hinzu. An diesem Abend waren das Ansgar Elsner und der Bremer Posaunist Ed Kröger.

Wieso aber kam „Heulende Kurve“ als Programmname auf? Der Booker der Pension Schmidt, eine Studentenkneipe, in der es zumeist um Indie Folk und Rock geht, besann sich darauf, dass in der kurvigen Straße Alter Steinweg vor der Pension Schmidt einst eine Straßenbahn fuhr, die aufgrund des Kurvenradius quietschend um die Ecke kam. Daher hieß dieser Teil Münsters über Jahre „Heulende Kurve“. So erfuhr ich es von Robert Weitkamp. Das Konzept der „Heulenden Kurve“ besteht darin, erläuterte Robert Weitkamp, weiter, dass verschiedene Musiker eingeladen werden zu spielen. Bei einem privaten Treffen wurde die jüngste Idee geboren, Ansgar Elsner und Ed Kröger anzusprechen, ob man nicht etwas gemeinsam machen könne. Wunsch der beiden gestandenen Jazzer Elsner und Kröger war eine junge Rhythmusgruppe. So standen dann mit Julian Walleck und Julian Bohn zwei ebenso junge Musiker wie Robert Weitkamp auf der Bühne. Die Auswahl der Titel, die zu hören waren, kam aus dem Bebop, Hardbop und Post-Bop. „Ich stehe da total drauf. Ich fühle mich im Moment auch damit am wohlsten. Es ist ja im Moment auch vieles andere angesagt, aber ich stehe eben darauf. Wenn ich Jazz höre, dann höre ich auch genau diesen Style. Die Stücke des heutigen Abends haben alle Ansgar und Ed vorgeschlagen. Das ist deren Style.“

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„Blues Walk“ eröffnete den Abend, ohne allerdings sehr vordergründig als Blues daherzukommen. Eher ließe sich das Stück in die exquisite Sammlung des Bebops einordnen. Mit dem Kick-off sei es eh ungewöhnlich im Thema, so kommentierte Robert Weitkamp, als ich ihn nach einzelnen Stücken des Programms fragte. Bebop ist ein gutes Stichwort, denn im Geiste war anschließend bei „Hackensack“ Thelonious Monk mit auf der Bühne der Pension Schmidt. Nicht immer muss es ja „Plink, Plank, Plonk. Monk“– mit diesen Worten verneigte sich die aus Leipzig gebürtige, heute vergessene Jazzpianistin Jutta Hipp vor dem Mann mit der Vorliebe für ausgefallene Kopfbedeckungen – sein, wenn es um Monk geht.

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Der Titel swingte, und die Bläser prägten die Hörfarbe, als Ed Kröger und Ansgar Elsner im Duett zu hören waren, dabei in den Phrasierungen blind einander vertrauend. Julian Walleck ließ ab und an die Linke nicht nur am Hals seines Tieftöners, sondern kitzelte den Bass auch am Bauch. Großes Blech und Snare wurden von Robert Weitkamp getätschelt. Dezent war also das Spiel am Schlagwerk, das sich in diesem Stück nie aufdrängte. Nicht gar so tief wie der Bass aber auch tieftönig in mittleren Lagen ließ sich Ed Kröger an der Posaune vernehmen. Dabei tanzten und purzelten die Töne nur so durch den Raum. Ein leichtes Schwirren war auch auszumachen, währen die Rhythmusgruppe im Hintergrund agierte. Hier und da gab es auch beim Fingerspiel auf dem Klavier ein Plonk zu Monk. Herbie Hancocks anschließende „Jungfernfahrt“ - „Maiden Voyage“ - wurde ohne Kollisionen und Maschinenausfälle gemeistert. Bass und Piano eröffneten die Reise. Die Trossen wurden gekappt, und los ging die Fahrt. Auch bei diesem Stück war das gemeinsame Spiel von Ed Kröger und Ansgar Elsner sehr überzeugend. Man merkte beiden ihre Routine an. Mit dem Pianosolo von Julian Bonk wurde gleichsam der Wellenschlag an die Bordwand musikalisch eingefangen. Auch der Bassist Julian Walleck durfte seinen Tieftöner nachfolgend solistisch zum Klingen bringen, teilweise recht „obertönig“.

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„Christopher John“, ein Stück von Ed Kröger, beendete den ersten Set. Die Basis für diese Komposition bilden die Changes von „Lazy Bird“ aus der Feder von John Coltrane. Eher getragen-bedächtig war das Stück angelegt, das zum aktuellen Herbstwetter sehr gut passte. Brillant war das Solo von Ed Kröger, der nicht mit Dämpfer, dafür aber mit einem schwarzen Tuch über dem Trichter der Posaune spielte.

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Nach der Pause eröffnete dann der Charlie-Parker-Titel „Moose The Mooche“ den zweiten Teil des Abends für die zahlreich anwesenden „Freunde der gepflegten Unterhaltungsmusik“. Dabei wurde ein Teil in einem sogenannten Second-Line-Groove gespielt, der ein wenig an den New-Orleans-Stil erinnerte. Zum Repertoire der Band gehörte an diesem Konzertabend auch der Broadway-Klassiker „Alone Together“, ehe mit „Before And After“ eine weitere, diesmal balladenhafte Komposition von Ed Kröger zu hören war. Satt waren die die Sound des beiden Bläser; triumphierend erschien bisweilen die Posaune. Schloss man die Augen, so konnte man an Nachtschwärmer denken, die leicht beschwipst den Heimweg antraten. Wenn man dann Ansgar Elsners Solo lauschte, meinte man gar, der Tag sei gerade angebrochen. Nur noch wenige Nachtschwärmer begegneten uns daher musikalisch. Wie auch während des gesamten Abends konnte man erneut ein sehr wechselvolles Spiel verfolgen, bei dem auch die Rhythmusgruppe nicht zu kurz kam. Zum Abschluss unternahm die Band eine weitere Reise, als „Voyage“ von Kenny Barron erklang. Anhaltend war der Beifall und so gab es dann auch eine Zugabe. Doch danach war dann wirklich Schluss mit der „Heulenden Kurve“.

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Nach dem Konzert sprach ich noch kurz mit Ed Kröger, gleichsam als Fazit des Abends. Auf die Frage nach dem Schwerpunkt des Abends mit Bebop und Hardbop, meinte Ed: „Das ist ganz bewusst so gemacht. Das ist der kleinste gemeinsame Nenner. Standard spielen, Time spielen mit verschiedenen Grooves, Latin, bisschen Achtel, offener, Balladen und so etwas. Das war so geplant. Meine eigenen Stücke hatten zwar vom Thema her einen anderen Groove, aber hinterher waren es dann wieder Balladen. Ich finde, das passte ganz gut da rein.“ Auf die Frage, ob denn Standards und die Musik der 50er, 60er und 70er Jahre noch zeitgemäß sind, meinte Ed: „Hör dir das Keith Jarrett Trio an. Die spielen nur Standards. Es kommt drauf an, wie du die spielst. Wenn Du eine junge Rhythmusgruppe hast, die mit Energie spielt, dann klingen die Stücke frisch. Es kommt immer auf das Wie und nicht auf das Was an.“ Noch einmal nachfragend, wie es denn um den Straight ahead Jazz bestellt sei, fand Ed Kröger folgende Worte: „Impro habe ich auch gemacht, aber mir hat das Harmonische und Rhythmische gefehlt. Für mich besteht Jazz aus Rhythmus, Melodie und Harmonie. Wenn du zwei Faktoren weglässt, dann wird das ärmer. Das ist wie beim Essen. Wenn du die entscheidenden Gewürze weglässt, dann schmeckt das nicht mehr.“ Ist das nicht ein durchaus guter Schlusssatz für einen sehr unterhaltsamen Konzertabend?

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Text und Fotos: © ferdinand dupuis-panther

Informationen

Musiker

Ed Kröger
http://www.laika-records.com/RECORDS/Kroeger.html
https://www.youtube.com/watch?v=mJ9uCF4y_KA&list=RDmJ9uCF4y_KA#t=63
https://sites.google.com/site/edkroegerjazztrombonist/

Julian Walleck
http://www.julianwalleck.de/Home.html

Robert Weitkamp
https://de-de.facebook.com/events/597720110353697/

Julian Bohn
https://www.facebook.com/julbohntrio

Ort

Pension Schmidt in Münster
http://www.pensionschmidt.se/

 


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