Harry Sokal: Groove - Where sparks start to fly

groove-1000

crackedanegg rec.

„Harry Sokal hinterließ in der Vergangenheit bereits etliche „Footprints" in der internationalen Musiklandschaft - mit eigenen innovativen Projekten wie Depart, Full Circle, Roots Ahead, Voices of Time, Stories oder Free Tenors; als kompetenter Sideman bei Art Farmer, Carla Bley oder Joe Zawinul - und vor allem durch sein virtuoses Spiel im Vienna Art Orchestra, dem er an der Seite von Mathias Rüegg bis zum Schluss die Treue hielt.“ Dies liest man auf der Homepage des Labels cracked anegg. Für Leser von Jazz'halo ist Harry Sokal auch kein Unbekannter, wurden doch seine mit Johannes Ochsenbauer (bass) eingespielten Alben – herausgegeben bei alessa records und bei jawo records – in der Vergangenheit besprochen. Eingespielt wurde das Album u. a. in Wien im „Porgy & Bess“.

Ja, das Dreiergespann mit Harry Sokal am Tenorsaxofon, Raphael Wressnig an der Hammond B3 und Lukas Knoefler am Schlagzeug lässt in jeder Sekunde die Funken sprühen, so wie es in der Unterzeile zum Album heißt. Booker T und Les McCann sind dabei irgendwie auch stets dabei, vor allem aber Harry Sokal mit seinem unnachahmlichen Saxofonspiel, das groovt, groovt, groovt. Dabei fällt es schwer, bei der ganz eigenen Interpretation von Funk nicht herumzuzappeln, sprich das Tanzbein zu schwingen.

Zünden die drei Musiker die „Rakete“, das erste Stück von neun Einspielungen auf dem Album, dann brennt die Luft. Vorgestellt werden auf dem Album einige Kompositionen, an denen Sokal beteiligt war oder sie alleine geschrieben hat; Wressnig steuerte auch einen Titel bei. Zudem erfreuen den Zuhörer Kompositionen von G. Wolfgang („Rocket“), M. Waldron („Soul Eyes“) und A. Schosser („Erzherzog Johann Jodler“).

Wer sich an die Zeiten des United Jazz und Rock Ensembles, an Barbara Thompson und an Blood, Sweat and Tears erinnert, der hat eine Art Déjà Vu, wenn die ersten Saxofonpassagen des Albums erklingen. Das rockt, das fetzt, das groovt. Über weite Strecken dominiert dabei Sokal das Klangbild von „Rocket“, ehe dann Raphael Wressnig ins Geschehen eingreift und das von Sokal Vorgegebene sehr kreativ umspielt. Wir erleben nachfolgend einen akustischen „Hexensabbath“, bei dem wie in der Walpurgisnacht ums Feuer getanzt wird. An der Spritzigkeit der Nummer hat Harry Sokal einen ganz wesentlichen Anteil. Unterstützt wird er dabei von Wressnig am Hammond B3 – ein bisschen im Stil des unvergessenen Jimmy Smith, so meine ich.

Ist es Zufall oder Absicht, dass der Titel „less we can“ an Les McCann angelehnt zu sein scheint? Im Vordergrund agiert Harry Sokal und lässt uns an einem bluesig angehauchten Titel teilhaben, während im Hintergrund die Hammondorgel für einen samtenen Klangteppich sorgt, der vor uns ausgebreitet wird. Lauscht man intensiver, dann kann man sich diese Nummer sehr gut als Musik für eine Dokumentation über das Quartier Latin und Montmartre in Paris vorstellen, in den 1950er Jahren das Domizil von Künstlern und zahlreichen Musikern, die den USA den Rücken gekehrt hatten. In diesem Kontext sei an den Film „Round Midnight“ erinnert. In der Hauptrolle ist der legendäre Saxofonist Dexter Gordon zu sehen und zu hören, der in die Rolle des fiktionalen drogenabhängigen Tenorsaxofonisten Dale Turner schlüpft. Paris ist für Turner die letzte Chance, um bezahlte Gigs zu bekommen.

Mit „Growlin the Blues“ sind wir dann nachhaltig auf einer Zeitreise zu Jimmy Smith. Insbesondere Raphael Wressnig versteht es dabei, seine Finger über die Tasten der Hammondorgel schweben zu lassen. Das Spiel changiert dabei zwischen perlenden Klängen und dem volltönigen Vibrieren der Orgel. So sind wir dann beim Zuhören ganz und gar dem Blues verfallen. Harry Sokal ist auf diesem Album ohne Frage der „Saxman“, so der Titel einer seiner Kompositionen. Dabei holt Sokal zu einem ausladenden Solo aus, bei dem er auch vor Effekten wie Hall nicht zurückschreckt. So hat man den Eindruck, Sokal habe in einer unterirdischen Riesengrotte gespielt. Auffallend ist bei diesem Stück, dass der Drummer Lukas Knoefler im Gegensatz zu den anderen Nummern mal etwas auffälliger seine Sticks auf die Felle und Bleche niedersausen lässt. Derweil grunzt, trötet, trillert und trällert Sokal aus voller Kehle. I'ts funky, funky, funky.

Zum Schluss verneigt sich das Trio vor Erzherzog Johann und stimmt einen Jodler an. Gemächlich kommt dabei Raphael Wressnig an der Hammond B3 daher. Wenn man zuhört, denkt man dann wohl eher an einen Engtanz denn an einen Jodler. Sobald jedoch Sokal mit seinem Tenorsaxofon dazustößt, ja dann sind die „verjazzte Volksmusik“ und der Jodler nicht mehr zu überhören. Irgendwie drängt sich außerdem der Eindruck von Schrammelmusik und Oktoberfeststimmung auf. Ist das ein „Back to the roots“ im europäischen Jazz? Beispiele für die Verschmelzung und Adaptation von Volksmusik im Gegenwartsjazz gibt es. Es sei nur an Kerberbrothers Alpenfusion erinnert, deren Album bei Jazz'halo auch besprochen wurde – siehe unter jawo records!

Text: ferdinand dupuis-panther

Informationen

Label

http://www.crackedanegg.com/

Musiker

Harry Sokal
www.groove.harrysokal.com

CD Reviews

http://www.jazzhalo.be/index.php?option=com_content&view=article&id=254&Itemid=180

http://www.jazzhalo.be/index.php?option=com_content&view=article&id=318&Itemid=268

Raphael Wressnig
http://raphaelwressnig.com/

Lukas Knoefler
http://www.zoominfo.com/p/Lukas-Kn%C3%B6fler/559039059

 

 


Logo

 

Upcoming

No current events.

 

clemenscom logofp

 

WerfrecordsLogo-300
werf-algemeen
vkh logo zwart


Special thanks to our photographers:

Henning Bolte
Cedric Craps
Christian Deblanc

Koen Deleu

Ferdinand Dupuis-Panther
Anne Fishburn

Stefe Jiroflée
Jos L. Knaepen
Jacky Lepage

Nina Contini Melis
Arnold Reyngoudt
Willy Schuyten
Frank Tafuri
Jean-Pierre Tillaert
Guy van de Poel
Cees van de Ven
Marie-Anne Ver Eecke

Jan Vernieuwe

and to our writers:

 

Henning Bolte
Ferdinand Dupuis-Panther
Paul Godderis
Jean-Pierre Goffin
Claude Loxhay
Herman te Loo
Iwein Van Malderen