Jos de Brouwer New Orleans Quintett im Farmhouse Jazzclub

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Jos de Brouwers „New Orleans Quintet“ brennt ein musikalisches Feuerwerk aus New Orleans Jazz über Swing bis hin zu Latin ab. Die niederländisch-englische Band formierte sich auf einem Jazzfestival in Davos und reißt seitdem jedes Publikum durch ihr begeistertes und leidenschaftliches Zusammenspiel mit. Besonders die beiden Bläser Jos de Brouwer und Rob Adriaansen sind seit ihrer gemeinsamen Zeit in der Militärkapelle des königlichen Heeres musikalisch untrennbar miteinander verbunden. Also, hören wir mal ein bisschen zu!

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Das Wetter war mit den Freunden des New Orleans Jazz. Mit und ohne Drahtesel waren sie zum Farmhouse Jazzclub gekommen. Einige hatten gar ihre Campingstühle mitgebracht – die Autofahrer unter den Gästen. Unter den Schatten spendenden Bäumen rund um den alten Fachwerkkotten, in dem der Farmhouse Jazzclub seit 1963 sein Domizil aufgeschlagen hat, konnte man die sommerlichen Temperaturen um die 30 Grad gut aushalten.

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Jos de Brouwer, der das Sopransaxofon ebenso beherrscht wie das Alt- und das Tenorsaxofon hatte neben Rob Adriaansen, an der Posaune, noch die in Groningen beheimatete Schlagzeugerin Lielian Tan mit nach Harsewinkel gebracht. Zum Quintett gehörten außerdem der aus Watford in England stammende Bassist Brian Turnock, der unterdessen in Belgien lebt, und Rino van Hooijdonk an der akustischen Gitarre. Spielfreude und Spielwitz waren dem Quintett während der drei Stunden ihres Auftritts stets anzumerken. Da wurde auf die Basssaiten gehauen, die Gitarre im Stil eines Django Reinhardt gezupft und mit rauchigem Männertenor gesungen, wenn unter anderem „Should I Reveal“ und „My Little Girl“ zum Programm gehörten. Bei „Bye, Bye Blackbird“ konnte man sogar ein zaghaftes Mitsingen der Zuhörer beim Chorus vernehmen. Zwischenapplaus für die Solisten war keine Seltenheit.

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Der Kuchen zum Kaffee war bald gegessen, auch die Würstchen und das Grillfleisch fanden reißenden Absatz. An diesem Sonntag hieß das Motto „Barbecue mit Jazz unter freiem Himmel“. Die Stimmung war launig, kein Wunder, denn es gab ja „Happy Music“ von A bis Z zu hören. Eröffnet wurde das Matineekonzert mit „Bugle Boy March“ und den Abschluss vor den obligatorischen, von Jochen Belz, dem Clubpräsidenten, geforderten Zugaben bildete „After You're Gone“.

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Genauso gut aufgelegt wie das Publikum – das gute Wetter tat dazu seinen Teil -, war auch die Band, allen voran Jos de Brouwer, der beim Vorstellen der Band über sich sagte, dass er auch ein bisschen Saxofon spiele. Ich konnte mit ihm kurz in einer der Pausen zwischen den Sets reden. „Wir interessieren uns für die Musik aus New Orleans. Sie ist immer fröhlich und happy, hat einen guten Rhythmus, und es wird auch schön getanzt bei den Paraden in New Orleans.“ Das waren die ersten Worte auf die Frage, warum es denn New Orleans Jazz sein solle. „Ja, ich spiele auch in einer Street Parade Band, einer New Orleans Brass Band, aber mit einem Quintett auf der Bühne ist es auch schön.“ So führte Jos de Brouwer weiter aus. Ungewöhnlich ist schon, dass das Banjo in der Besetzung fehlte und stattdessen ein Gitarrist, nämlich Rino van Hooijdonk, das Banjo ersetzte. „Wir hatten vorher einen Banjospieler, aber der hat aufgehört. Er ist 72 Jahre, und er sagte, dass er immer so weit reisen müsse. Diesen Gitarristen kennen wir schon sehr lange, und er kann sehr schön spielen. Im Stil von Django Reinhardt spielt er. Wir spielen ohne Trompete. Man kann mit Trompete spielen, aber nun bin ich der Leadspieler an den Saxofonen. In dieser Zeit ist es schwierig, viele Jobs zu bekommen. Mit sechs oder sieben Leuten ist das den Veranstaltern manchmal zu teuer. Ja, die Melodiestimme kann man auch auf dem Sopran- oder Altsaxofon spielen. Man braucht dazu nicht unbedingt die Trompete.“

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Wie gesagt, mit einem Marsch begann das Programm, ehe dann der „Wabash Blues“ erklang. Hörte man genau zu, dann hatte man den Eindruck, dass Jos im Stil von Bechet sein Sopransaxofon spielt, während Rob auf der Posaune einstieg, ohne dass Jos die Grundlinie aufgab. Rino unterstützte an der Gitarre die Rhythmusgruppe, ehe es dann zu einem Duett zwischen Posaune und Saxofon kam. Rinos Solo war ganz der Tradition von Django Reinhardt verbunden, während er seine Finger gekonnt über Saiten und Stege hinweg bewegt. Auch der Bass meldete sich zu Wort, dabei blieb Brian Turnock stets mit der Linken am oberen Hals des Tieftöners. Bei „Should I Reveal“ war Rob erstmals während des Konzerts als Sänger zu hören. Nein, mit Satchmo konkurrierte er nicht, aber seine rauchig-gebrochene Stimmer passte ausgesprochen gut zu den vorgetragenen Stücken und der Frage „Should I reveal exactly how I feel – Should I confess I love you...“. Mit gemäßigter „Brise“ ging es weiter, denn „Breeze“ stand auf dem Programm, ehe wir dann bei „My Little Girl“ Rob wieder als Sänger erleben konnten. Ein Pärchen wagte unterdessen sogar einen Engtanz. Die übrigen Zuschauer schnippten mit den Fingern oder wippten zumindest mit den Füßen. Es war halt die Generation 65Plus, die an diesem Sonntag im Farmhouse Jazzclub zugegen war.

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„Jazz aus unserer Jugend“ meinte einer der Besucher, während ein wenig der Geist vom Hot Club du France über der Bühne des Clubs schwebte. Nur ein Geiger wie Stéphane Grappelli fehlte. Dafür tat Rino sein Bestes, um Django Reinhardt beinahe zu vergessen. „Nein, nicht auf die Schnelligkeit kommt es an, sondern Reinhardt hat viel weggelassen“, meinte Rino im Gespräch. Und weiter: „Reinhardt wird immer mit Gipsy Music in Verbindung gebracht. Er machte einfach Jazz, Jazz, den man bis dahin nicht kannte. Er hatte auch enorme Probleme, eine Plattenfirma zu finden, denn man wollte nur Jazz mit Standardbläsersatz zu der Zeit hören, als Reinhardts Karriere begann.“

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Während der ersten Stücke, Jos spielte ausschließlich die Melodie auf dem Sopransaxofon, hatte man den Eindruck, Sydney Bechet sei unter uns. Dazu Jos de Brouwer: „Ja, ich bin ein bisschen spezialisiert auf Bechet. Ich habe auch mal mit einer Bechet-Band Konzerte gespielt. Ich spiele vielleicht 20 oder 30 seiner Stücke.“ Dass Charly Chaplin nicht nur ein Mann des Humors war, sondern auch komponierte, war für die meisten wohl neu, als Jos de Brouwer den Titel „Smile“ ankündigte. „Sweet Georgia Brown“ und „Bye, Bye Blackbird“ fehlten an diesem Sonntag ebenso wenig im Programm wie der durch Duke Ellington bekannt gemachte Titel „Caravan“, der musikalisch ein wenig Orient ins Westmünsterland brachte. Edith Piaf stand zwar nicht auf der Bühne des Farmhouse Jazzclubs, aber ihr „La Vie En Rose“ war zu hören, allerdings ohne das typische Timbre der berühmten Chansonette aus Paris.

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Dem berühmten Posaunisten Kid Ory war das Stück „Do What Ory Say“ gewidmet. Dabei bewies Rob einmal mehr seine gesangliche Professionalität. Mit einem Einschlag von Bossa kam dann „You Belong To My Heart“ daher, und auch „Panama“ entführte uns rhythmisch nach Südamerika. Immer wieder hatte dabei Lielian Tan Gelegenheit zu einem Schlagzeugsolo. Dabei war ein Strahlen auf ihrem Gesicht deutliches Zeichen dafür, wie sehr sie das gemeinsame Spiel und auch ihre Soloparts liebte.

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Eine musikalische Reise ins Jahr 1950 unternahm die Band, als sie „Tennessee Waltz“ spielte, ein Hit von Patti Page, der sich wochenlang in den einschlägigen Charts hielt, also eher ein Popsong, als ein klassischer Jazztitel. Auch Bonnie Raitt & Norah Jones hatten später diesen Song in einer Mischung aus Country und Gospel im Programm und Ireen Sheer beglückte uns irgendwann mit einer deutschen Schlagerversion. Jos de Brouwer und seine Mitspieler eiferten zum Glück diesen „Vorbildern“ nicht nach. Für diejenigen, die beim Auftritt dieses niederländischen New Orleans Jazz Quintett den Weg ins Farmhouse gefunden hatten, war es ein überaus gelungener Sonntag – und der Himmel lächelte nicht nur, sondern lachte.

Freunde von Dixieland und New Orleans Jazz haben im Übrigen in den Sommermonaten noch vielfach die Gelegenheiten an jedem zweiten Wochenende Oldtime Jazz zu hören – siehe das unten stehende Programm.

Text und Photos: © ferdinand dupuis-panther

Informationen

Jos de Brouwer New Orleans Quintet
http://josdebrouwer.eu/

Lielian Tan
https://www.facebook.com/lielian.tan
http://www.lielian.com/index.php

Rino van Hooijdonk
https://www.indiegogo.com/projects/rino-van-hooijdonk-s-debut-album#/story
http://www.patrus53.com/rino-van-hooijdonk

Videos
https://www.youtube.com/watch?v=995mrud2iW0
https://www.youtube.com/watch?v=0V6yDqbSams
https://www.youtube.com/watch?v=Rz5QUkn714s
https://www.youtube.com/watch?v=9UW7P_njKKM

Farmhouse Jazzclub
http://www.farmhouse-jazzclub.de/joomla/

Programm

The New Orleans Brassconnection
Samstag 20.06.2015 ab 20 Uhr
Sonntag 21.06.2015 ab 12 Uhr
Eintritt: 10€/ermäßigt 8€
Die deutsch-niederländische Grenzregion bringt mit der „New Orleans Brassconnection“ eine einzigartige Band hervor. Ihre erfrischende Mischung aus Soul, Funk, Gospel und klassischen Stücken wird unterlegt mit dem New-Orleans-Streetbeat, der früher und auch heute noch so sehr den Sound und das Feeling von New Orleans verkörpert. Die Mischung aus international erfahrenen Musikern und denen der kommenden Generation sorgt dafür, dass die Musikrichtung lebendig bleibt und groovt. LiNE-UP. Posaune: Bart Brouwer - Altsaxophon: Naomi Adriaansz - Tenorsaxophon: Danh Thai - Bassdrum: Petra Dallwitz - Snaredrum: Jérôme Cardynaals - Sousaphon: Erik Muermans

Maryland Jazz Band of Cologne

Samstag 04.07.2015 ab 20 Uhr
Sonntag 05.07.2015 ab 12 Uhr
Eintritt: 10€/ermäßigt 8€
Die „Maryland Jazz Band of Cologne“ ist seit über 50 Jahren eine Institution. Einst als Schüler-band gestartet, hat sie sich nicht zuletzt durch die seit 1979 jähr-lichen Reisen nach New Orleans sowohl musikalisch als auch die Besetzung betreffend stetig weiterentwickelt. Bei unzähligen Festivals und Auftritten in Funk und Fernsehen waren und sind die sieben Musiker Botschafter des New Orleans Jazz im klassischen Stil. Line-up: Banjo/Gitarre: Büli Schöning - Klarinette: John Defferary - Klavier: Schroeder Derks - Schlagzeug: Reinhard Küpper
Bass: Benny Daniels - Trompete/Gesang: Joris de Cock - Posaune: Doggy Hund

Original Salzsieders

Sonntag, 19. Juli 2015, 12:00 – 15:00 Uhr
Gediegener Oldtime-Jazz vom authentischen New-Orleans-Stil bis zu den Swing-Ohrwürmern der dreißiger und vierziger Jahre bieten die Salzsieders im „Natursound“ die Songs der Großen des Jazz, aber auch viele deutsche und internationale Hits. Langeweile kommt auch bei der Instrumentie-rung mit den Salzsieders nie auf, mal mit Klavier, Gitarre, Kontrabass, mal mit Banjo und Tuba, dazu Trompete, verschiedene Saxophone und viel Gesang. Line-up: Trompete/Piano/Gesang: Harald Fiedler - Klarinette/Saxofone: Peter Gösling - Banjo/Gitarre: Wolfgang Seack - Tuba/Bass: Rüdiger Fussy

Willie Ashman Original Jazzband

Samstag 01.08.2015 ab 20 Uhr
Sonntag 02.08.2015 ab 12 Uhr
Eintritt: 10€/ermäßigt 8€
Die „Willie Ashman Original Jazzband“ ist Entertainment in Dixie. Die sechs erfahrenen Musiker spielen immer mit viel Spaß und mit ganzem Herzen und halten ihre Musik so lebendig. Alle Musiker haben in exzellenten Jazzbands gespielt und sich schließlich in der „Willie Ashman Original Jazzband“ zusammengefunden. Line-up: Trompete/Gesang: Bob Wulffers - Klarinette/Saxophon: Wim Vreeburg - Posaune: Henk van Muijen/Harry Hack - Banjo/Gitarre/Gesang: Rob ten Seldam - Schlagzeug: Louis van der Heiden - Kontrabass: Geert van Hoften

The Metropol Jazzmen

Samstag 15.08.2015 ab 20 Uhr
Sonntag16.08.2015 ab 12 Uhr
Eintritt: 8€/ermäßigt 6€
Die Essener Metropol Jazzmen bieten einen Mix aus modernem Dixieland, Mainstream, Swing und Blues. Verstärkt widmet man sich den vielen, wunderbaren Jazz-Standards, insbesondere den bekannten Titeln von Duke Ellington, Count Basie oder auch Fats Waller. Die interessante Zusammensetzung aus gestandenen Autodidakten und Profis verspricht eine abwechslungsreiche Veranstaltung auf hohem Niveau. Line-up: Bass: Wolfgang Ohndorf - Posaune/Tuba/Gesang: Bernt Laukamp - Trompete/Gesang: Werner Lake - Piano/Keyboards: Mike Issig - Saxophon/Klarinette: Waldemar Kowalski - Gitarre/Banjo: Wolfgang Koppitsch- Schlagzeug: Dieter Bierkämper

Swinging Feetwarmers Jazzband

Samstag 29.08.2015 ab 20 Uhr
Sonntag 30.08.2015 ab 12 Uhr
Eintritt: 8€/ermäßigt 6€
Vom Dixieland bis zum Swing lautet das musikalische Motto der siebenköpfigen Besetzung aus Schleswig-Holstein. Dem Swing wird dabei ein etwas breiterer Raum vorbehalten, denn wie die Zuhörer sehr schnell feststellen, hat sich die Band Eddie Condon zum Vorbild genommen. Aus seinem swingenden Chicago-Stil schöpfen die sieben Musiker ihre enorme Spielfreude. Line-up: Trompete: Peter Lange -Posaune: Volkmar Zech - Klarinette: Gernot Johl - Gitarre: Hemmo Fahrenkrog - Klavier: Thomas Franke - Bass: Norbert Suhr - Schlagzeug: Ulrich Meletschus

 


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