Radar Suzuki: Mission Rosetta

Radar Suzuki Mission Rosetta UTR4562Cover

Unit Records, UTR 4562

Hinter dem kuriosen Bandnamen verbergen sich der Drummer Dario Sisera nebst dessen Bruder, dem Bassisten Luca Sisera, der auch mit Michael Jaegers Kerouac zu hören ist, Franz Hellmüller an der Gitarre und Carles Peris am Saxofon. Die Referenz zur tatsächlichen Mission Rosetta muss man wohl mit einem Augenzwinkern verstehen. Bereits der Blick aufs Cover zeigt den Humor des Bandleaders Dario Sisera: Im All ist nämlich kein Raumschiff unterwegs, sondern ein Popcorn, das zwischen den Gestirnen seinen Weg sucht. Die eingespielten Kompositionen von „Ruedi“ bis „Crank“ stammen entweder aus der Feder von Dario Sisera oder Franz Hellmüller. Einen Titel, nämlich „Raven“ haben beide Bandmitglieder gemeinsam entwickelt. Lassen wir uns also auf die Mission im All ein, ohne dass wir eigentlich begreifen, was das mit „Ruedi“ zu tun hat, dem ersten Stück des Albums.

Eingeleitet wird „Ruedi“ von einem Schlagwerksolo, das ein wenig galoppierend daherkommt, ehe dann Gitarre und Saxofon im Duett ihren gemeinsamen satten Klangteppich vor uns ausbreiten. Nebenher und unter diesem Klangteppich wirbelt Dario Sisera an seinen Trommeln und Becken. Das klingt schon ein wenig nach Rabatz, während das Saxofon eher das Melodische im Blick hat. Ein, zwei, drei, vier Töne schlägt Luca Sisera dazu auf dem Bass an. Gitarre und Saxofon klingen im weiteren Verlauf des Stücks so, als würden sie eine Chill-out-Party einläuten. Irgendwie drängt sich auch der Eindruck von nächtlichem Großstadtgetöse auf. Sphärisches, das man mit Weltall verbinden könnte, ist jedenfalls nicht zu hören.

Der Ruf des Saxofons steht am Beginn der Stücks „Texan“. Doch wen ruft das Saxofon? Ein wenig klingt das Stück phasenweise so wie Paul Horns Spiel in der Pyramide von Gizeh, allerdings ohne Echoeffekte. Auch in diesem zweiten Stück des aktuellen Albums legt die Band großes Gewicht auf das Zusammenspiel von Gitarre und Saxofon, das sich Stück für Stück echauffiert, so meint man. Wer allerdings verkörpert im Ensemble den „Texaner“, der da durch die Main Street unterwegs ist? Der Bass mit seinen flüssigen Läufen oder doch das Saxofon? Wie bei vielen Bassisten summt Luca Sisera während des Spiels seine Passagen mit. So gibt es Vocals obendrein. Melodisch ansprechend erweist sich die Gitarre. In deren Passagen grätscht das Saxofon mit schriller Stimme hinein. Gab es Aufruhr in der Main Street? Oder gab es einen Auflauf von all den Himmelsguckern, die nach Rosetta Ausschau halten?

Oh, da macht ja mal der Bass den Anfang, wenn die Komposition „Raven“ angestimmt wird. Irgendwie erinnern mich die ersten Takte an die Musik von Weill und Eisler. Doch die Auflösung erfolgt flugs, und dann sieht man hüpfende Raben, die auf dem Asphalt der Autobahn nach Aas suchen, das suggerieren Gitarre und Saxofon mit ihren „Lautmalereien“. Einige Raben hüpfen aufgeregt hin und her. Dann fliegen sie nervös auf und verschwinden in der Ferne. Unablässig fließt der Verkehr, dem das eine oder andere Kaninchen oder ein Igel zum Opfer fällt. Nun kommen schon wieder die Raben, ganz neugierig; hin und her bewegen sie sich auf flinken Beinen. Das sind jedenfalls mögliche Bilder zur Musik des Quartetts Rapid Suzuki.

Danach folgen wir „Rosetta“, und erstmals gibt es auf dem Album einen Anflug von Sphärischen und von etwas Free Jazz zu hören. Da Quietschen die Bleche des Schlagwerks, da überschlägt sich das Saxofon und Luca Siseras Finger eilen flink über die Basssaiten. Da vernimmt man Geklopfe und Knurren, spitze Töne und Gebrummel. Ein Inferno miteinander angestimmt, dringt an unsere Ohren. Doch nach der Hälfte des Stücks kehrt die Band ins Melodische zurück, angeführt vom Gitarristen und Saxofonisten. Dann drängt sich stark der Eindruck auf, dass nun Rockmusik angesagt ist. Led Zeppelin und AC/DC sowie Gary Moore und andere lassen grüßen. Hellmüller zeigt dabei, dass Alvin Lee nicht das Nonplus Ultra ist. Zum Ende jedoch bereitet die Band uns ein opulentes Menü aus einem Klangmischmasch und Furioso.

Eingeschleppt aus Nordamerika nach Europa wurde Ambrosia, das Taubenkraut, ein Debakel für Allergiker. Sprich es geht um einen Fremdkörper, so fremd wie das Popcorn auf dem Cover des Albums. Das hat die Band nicht vor einer entsprechenden Bezeichnung eines Stücks abgehalten. Harmonien und Melodien stehen im totalen Kontrast zu „Rosetta“. Wir sind bei „Ambrosia“ Zeuge eines eher lyrischen Spielallerleis. Mit „Crank“ verabschieden wir uns von der intergalaktischen Mission dieser Schweizer Formation und warten auf die nächsten Missionen von Rapid Suzuki.

Text: © ferdinand dupuis-panther

Informationen

Label

Unit Records
www.unitrecords.com

Musiker

Dario Sisera
www.dariosisera.ch
Luca Sisera

http://lucasisera.com/

Franz Hellmüller
http://www.hellmuller.com/

Carles Peris
http://www.carlesperis.com/

 


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