4mament: Aufbruch

4mament UTR4573Cover

Unit Records, UTR 4573

Im Pressetext des Labels Unit Records lesen wir nachstehende Zeilen: „Ob an einem klaren Sonnentag oder in der scheinbar endlosen Schwärze der Nacht: der Himmel, das Firmament, das sich unseren Augen bietet, ist ein spannendes und zugleich vertrautes Bild.
 Es ist ein Teil unserer erlebten Welt und doch außerhalb davon. Die Musik von 4mament – die Formation besteht aus Cornelius Mack (piano), Jonathan Sell (bass), Anthony Greminger (drums) und Nico Hutter (saxophone) – überträgt dieses Bild durch Elemente des Jazz, des Drum‘n‘Bass und der Minimal Music vom Auge aufs Ohr und lässt die Faszination für das Unbekannte durch eine freie und offene Spielweise entfalten. 
Das Debütalbum mit dem Titel „Aufbruch“ verweist auf den Schritt ins Unbekannte und steckt voller Spielfreude … .“
Na, dann schauen wir mal in den Himmel, auch jenseits des biblischen Kontext, in dem der Begriff Firmament eigentlich steht. Acht Kompositionen haben die vier Musiker auf ihrem Album veröffentlicht. Alle diese Kompositionen sind in der gemeinschaftlichen Arbeit der Band entstanden und werden keinem einzelnen Bandmitglied zugeschlagen. Den Anfang macht „NoNoNo Cats Dream“ und am Ende steht dann „Aufschub“.

Mit einer sehr bewegten Klaviereinführung beginnt der „Traum der Katze“, das erste Stück des Albums. Auch im weiteren Verlauf bleibt das Klavier das dominante Harmonieinstrument, auch wenn das melodramatisch gestimmte Saxofon sich zu Wort meldet. Es scheint so, als ob der Stubenkater auch noch in seinen Träumen Mäusen und kleinen Spatzen nachstellt, auf sanften Pfoten. Nach dem anfänglich dramatisch konzipierten Teil der Komposition erfolgt ein Stimmungs- und Tempowechsel, an dem sowohl der Bass als auch das Saxofon ihre Anteile haben. Träumt die Katze jetzt vom Kater oder ist sie immer noch unstetig und emsig unterwegs? Lauscht man dem akzentuierten Klavier und dem aufgeregt klingenden Saxofon, so muss man annehmen, dass die Katze auch im Traum das Mausen nicht lassen kann. Am Ende des Stücks scheinen sich die Ereignisse zu überschlagen, Tempowechsel folgt auf Tempowechsel. Warum bloß drängt sich beim Hören der Musik der Comic „Tom und Jerry“ auf?

„Ich will weg“ so lautet der Titel der nachfolgenden Komposition. Bereits zuvor hatte man den Eindruck, dass musikalisch ein Hin und Her umgesetzt wurde, dramatisch sich im Verlauf des Stücks steigernd. Ein galoppierender Bass und ein basslastiges Klavier machen den Anfang beim Stück „Ich will weg“, und unwillkürlich denkt man an einen Ritt über Stock und Stein oder eine Kutschfahrt in unwegsamen Gelände. Man kann sich auch ein Off-road-Abenteuer zu der angestimmten Musik vorstellen. Überhaupt: ein Road Movie wäre bestens mit der Musik von 4mament zu unterlegen. Dabei handelt es sich um eine Musik, die ganz wesentlich die Handschrift von Cornelius Mack am Piano trägt. Er treibt mit seinem harten Duktus die anderen Musiker an. Er schafft den Eindruck davon, dass jemand ausbrechen will, nach neuen Ufern aufbricht. Bei diesem Stück sind die Saxofoninterventionen teilweise der Minimal Music und dem Free Jazz zuzurechnen. Sie signalisieren Gefahr, Unwägbarkeit und Unsicherheit, auch der gestrichene vibrierende Bass und das Windgeheul und Geschnattere des Saxofons tragen dazu bei. Greift da Cornelius Mack in die Saiten seines Pianos oder Jonathan Sell die des Bass, wenn es um die „Uhr des Sandmanns“ geht? Es sind wohl die gedämpften Klaviersaiten, die gezupft werden, um den Eindruck der schlagenden Uhr hervorzurufen. Ein bisschen hat man das Gefühl von „Guten Abend, gute Nacht“. Klavier und Bass werden bei diesem Stück weitgehend das musikalische Feld überlassen. Sie ergänzen sich wunderbar bei der musikalischen Geschichte über den Sandmann. Wunderbar lyrische Basspassagen sind zu hören, fern ab all der üblichen Tieftönigkeit; dezent agiert dazu der Pianist ganz hochtönig. Zurückhaltend setzt der Drummer Anthony Greminger schließlich seine entscheidenden Akzente, und das Saxofon schweigt für weite Strecken. Nach den zwei sehr dynamischen und aufwühlenden Kompositionen zu Beginn des Albums strahlt dieses Stück nun Innehalten und Ruhe aus. Zum „Aufbruch“ ruft das Quartett nachfolgend auf. Die pulsierenden Klavierpassagen deuten dies auch an, unterstützt von den aufmunternden Rufen des Saxofons. Auch bei diesem Stück drängt sich eine Geschichte auf, die vielleicht den Aufbruch zu einer Weltumseglung im Segelboot beinhaltet. Raue See und stürmische Winde wechseln sich mit Flauten und dem Schippern über einen beschaulichen Ozean ab, was durch die lyrischen Klavierpassagen auch zum Ausdruck gebracht wird. Doch dann wird dieses Bild durch ein furioses Saxofonspiel verändert. Das Leben mit seinen Hochs und Tiefs fordert seinen Preis, so kann man interpretieren, was man von 4mament hört. Stets gibt es Wechsel in Harmonien und Tempo. Es scheint das Auf und Ab zu sein, dem wir alltäglich ausgesetzt sind, das die vier Musiker in Töne umgewandelt haben.

Getragen beginnt das Stück „Fernweh“ und wieder ist es der Pianist, der das Stück mit seinem Spiel einleitet. Der Weg scheint das Ziel zu sein und Zeit keine Rolle zu spielen, denn gemächlich entwickelt sich die Komposition. Es scheint, als würden wir unserem Fernweh in den eigenen vier Wänden nachgehen und uns in Tragträume flüchten. Dicke samtene Klangwolken des Saxofons schweben über uns. Wähnen wir uns beim Zuhören vielleicht im Orient-Express, mit dem wir einen lang gehegten Wunsch nach Ferne, nach dem Ausbruch aus dem Alltag realisieren? Die Zeit fliegt nicht vorbei, so signalisieren es die dumpfen Basspassagen und die perlenden Klavierpassagen, sondern die Zeit nimmt sich Zeit. Langsamkeit ist angesagt. Schließlich endet das Album mit dem Stück „Aufschub“. Ein wenig sind wir, wenn auch nur in unserer Fantasie, mit 4mament zu neuen Ufern aufgebrochen, aber das ist zumindest ein Anfang.

Text: © ferdinand dupuis-panther

Informationen

Label

Unit Records
www.unitrecords.com

Musiker

www.4mament.de
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