Ensemble FisFüz + Gianluigi Trovesi. Papillons

papillons

HGBS 20025

Die Musik des Orients trifft auf italienische Volksweisen; das Ensemble FisFüz trifft auf den italienischen Klarinettenvirtuosen Gianluigi Trovesi. Und was passiert dann, dann umfliegen uns bunte Klangschmetterlinge, jedenfalls dann, wenn man die jüngste CD „Papillons“ auflegt. Seit drei Jahren geben FisFüz + Trovesi gemeinsam Konzerte. Nicht genug damit, dass sich in der Musik des 4tetts Orient und Okzident vereinen, nein, auch Swing und Klezmer haben ihren Platz. Dabei ist auch der „Gast des Ensembles“ von Wichtigkeit: Der 68jährige Gianluigi Trovesi aus Bergamo zählt zu den profiliertesten Klarinettisten weltweit. Er kombiniert gekonnt Jazzmusik und E-Musik mit Volksliedern aus seiner Heimat und wurde dafür schon von der US-Zeitschrift „Down Beat“ mit fünf Sternen ausgezeichnet. Das Ensemble FisFüz begeistert seinerseits seit mehr als 15 Jahren das Weltmusikpublikum mit einer eigenständigen (Welt)Musik, die Grenzen überwindet. Zu diesem Ensemble zählen die Klarinettistin Annette Maye, der Ud- und Gitarrenspieler Gürkan Balkan und der Perkussionist Murat Coşkun. Sie begeistern durch eine unter die Haut gehende musikalische Mixtur. Diese beginnt auf dem Balkan und reicht bis nach Andalusien. Zu diesem musikalischen Cocktail reicht das 4tett obendrein noch einen Schuss Jazzmusik.

Perkussiv beginnt „Campanello Cammellato“, komponiert von Gianluigi Trovesi. Doch alsbald erklingt eine swingende Klarinette, die ein wenig selbstverliebt erscheint. Benny Goodman und Sidney Bechet sind nicht´mit dabei, auch nicht im Geiste, denn statt eine Swing-Reise zu unternehmen, werden wir in die Karibik entführt, und es erklingt alsbald ein Calypso. Mit einem Gitarrensolo geht es schnurstracks aus der Karibik nach Spanien. Doch dies ist nur ein kurzes Intermezzo, das wir zu hören bekommen. „Coffee to go“ kennen wir, aber „Tango To Go“ wohl eher nicht. Doch den lernen wir mit dem Ensemble FizFüz schon noch kennen. Ist es wirklich ein argentinischer Tango, den der Perkussionist und Schlagzeuger Murat Goşkun aufs Notenblatt gebracht hat? Nein, es mutet eher so an, als wären wir bei einer ausgelassenen Roma-Hochzeit in einem Dorf auf dem Balkan zugegen. Zugleich knüpft die Musik auch an Klezmermusik an, die ohne den satten Klang von jubilierenden Klarinetten nicht auskommt. Bei Klezmer handelt es sich um eine Musik, die in den Grundzügen seit dem 15. Jahrhundert als Musik aschkenasischer Juden bekannt ist. Gepaart wird diese Musik im vorliegenden Stück mit den Klängen einer Ud, die zum orientalischen Klangmuster maßgeblich beiträgt. Im Fortgang der Musik steigert sich das Tempo, und Trovesi gibt sich dabei einem flotten Klarinettentänzchen hin. Dabei unterstützt ihn an der Bassklarinette Annette Maye.

Eben waren wir noch Gäste einer Hochzeit auf dem Balkan, nun stehen wir oberhalb eines norwegischen Fjords und lauschen „Fjord View“. Erklingen da nicht wenige Takte aus „Summertime“? Ja, aber das scheint nur ein Zitat zu sein, dem die Musiker im weiteren Verlauf keine Bedeutung mehr beimessen. Inbrünstig und getragen klingt das, was die Klarinette von sich gibt. Die Weite der norwegischen Berglandschaft erscheint vor unseren Augen, die wir von den Höhen aus erleben können. Klitzeklein erscheinen die Menschen auf den Kreuzfahrtschiffen, die nicht nur im Geirangerfjord vor Anker gehen, um den Reisenden ein besonderes Naturspektakel zu bieten.

Musikalisch verfolgen wir anschließend den Flug eines unscheinbaren Nachtfalters. Vom Gitarristen und Ud-Spieler Gürkan Balkan stammt die Komposition „Pervane“, zu Deutsch schlicht „Motte“. Unwillkürlich denken wir an die Liedzeilen von Marlene Dietrich im Song „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“: „Männer umschwirr’n mich / wie Motten um das Licht, /und wenn sie verbrennen, ja, dafür kann ich nicht. / Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt, / denn das ist meine Welt und sonst gar nichts.“

Balladenhaft ist die Komposition von Balkan angelegt. Schnell ist die Motte nicht des Nachts unterwegs, folgt man den Klarinettenpassagen. Eher scheint der Flug zögerlich und von Pausen geprägt. Taumelt die Motte da nicht auch ein wenig oder hat sie sich gar in der Richtung geirrt und ist dem verführerischen Laternenlicht erlegen? Oh, nun scheint die Motte auch noch ein wenig in Flamencolaune, dank sei dem Gitarrenspiel von Gürkan Balkan. Nicht allein einem Nachtfalter sind wir auf der Spur, sondern auch einem Schmetterling an einem frühen Morgen. Kein Wunder, dass der Titel der CD „Papillons“ lautet!

Mit dem hellen Klang des Hangs, einer Art Klangschale, beginnt der morgendliche Erkundungsflug des Falters. Quicklebendig ist der Schmetterling unterwegs, so jedenfalls suggerieren es die Klarinettensequenzen. Es locken die Blüten mit ihrem Nektar. Auch der Titel „Kokon“ verweist auf das Thema „Schmetterlinge“.

Worum geht es eigentlich bei „Her Cab“, um ein Taxi in New York oder einen Fiaker in Wien? Im Booklet (!!) gibt Gianluigi Trovesi ein wenig Auskunft. Inspiriert worden sei er zu diesem Stück von einer sehr charmanten, gut aussehenden Artistin einer Kleinkunstbühne. Musikalisch ließ sich Trovesi von den Hörfarben Ravels und Debussys beeinflussen, so schreibt er. Doch beim Schnalzen und Jubilieren der Klarinetten kommt dem Hörer der CD weniger Debussy und Ravel in den Sinn als vielmehr der swingende Benny Goodman und die Musik der 20er Jahre. Mit einem traditionellen Volkslied namens „Der Friedensstifter“ („Ose Shalom“) beendet das Ensemble seine unterhaltsame Reise zwischen Swing und Calypso, Flamenco und Klezmer gemischt mit guten Jazzimprovisationen.

© ferdinand dupuis-panther

Informationen

Label

HGBS
www.hgbs.de

Musiker

www.fisfuez.de

 

 


Logo

 

Upcoming

No current events.

 

clemenscom logofp

 

WerfrecordsLogo-300
werf-algemeen
vkh logo zwart


Special thanks to our photographers:

Henning Bolte
Cedric Craps
Christian Deblanc

Koen Deleu

Ferdinand Dupuis-Panther
Anne Fishburn

Stefe Jiroflée
Jos L. Knaepen
Jacky Lepage

Nina Contini Melis
Arnold Reyngoudt
Willy Schuyten
Frank Tafuri
Jean-Pierre Tillaert
Guy van de Poel
Cees van de Ven
Marie-Anne Ver Eecke

Jan Vernieuwe

and to our writers:

 

Henning Bolte
Ferdinand Dupuis-Panther
Paul Godderis
Jean-Pierre Goffin
Claude Loxhay
Herman te Loo
Iwein Van Malderen