Peter Protschka: Kindred Spirits

re12 p1

Personality Records, PR 12

Hören wir zunächst, was Peter Protschka selbst zu seiner Musik verlauten lässt: „Die Musik aus der Ära des Hard- und auch des Post-Bop hat mich schon immer sehr fasziniert und angezogen; ich mag die Energie, den Soul, den Humor und auch den Lifestyle, die diese Stilistik prägen.“ Und weiter meinte der Trompeter, Flügelhornist und Komponist: „Deshalb spiegelt sich auch in all meinen Jazzprojekten der Sound dieser Ära wider; sei es in meinem aktuellen Quartett oder in meinem Art Blakey Tributesextett „The Art Of The Message“. Im Booklet – welche Seltenheit (!!) - äußert sich Protschka wie folgt: „Straight from the heart" lautet der Titel einer CD des legendären Trompeters Chet Baker. Dies gilt auch für die Stücke, die ich für meine neue CD-Produktion geschrieben habe, sie alle sind in außergewöhnlichen emotionalen oder auch skurrilen Lebenssituationen während meiner regen Konzerttätigkeit der letzten Jahre entstanden.“ Für das Booklet und das Cover des Albums hat Protschka Fotografien aus dem legendären Kölner „Metronom“ ausgewählt, einem Jazzclub, der bereits 1968 seine Pforten öffnete. Hier dreht sich bis heute ausgewähltes Vinyl und es wird regelmäßig live Jazz gespielt. „Hier ist die Zeit einerseits stehen geblieben, andererseits treffen sich hier Fans jeden Alters und beweisen, dass diese Musik nichts von ihrer ansteckenden Vitalität und Aktualität eingebüßt hat“, erzählt der Trompeter. So eingestimmt lauschen wir dem Album „Kindred Spirits“.

Zur Besetzung der Band, die uns „Seelenverwandschaften“ nahebringt, gehören Peter Protschka (Trompete, Flügelhorn, Kompositionen), Rainer Böhm (Piano), Christian Ramond (Bass) und Sebastian Merk (Drums). Hört man die ersten Takte von „B's Run“, dann meint man auf eine musikalische Zeitreise mitgenommen zu werden, die zu Nat und Cannonball Adderley führt. Neben dem „Bläserset“ ist es das stark akzentuierte Klavierspiel von Rainer Böhm, das sich aufdrängt. Mit dem Bass scheint auch nicht näher bezeichneter B zu rennen, denn hört man auf Christian Ramond, dann scheint er den Part des Läufers innezuhaben. Gekonnt sind die Phrasierungen, die Peter Protschka auf seinem Blechbläser anstimmt. Protschka ist Protschka, aber auch dieser Jazztrompeter steht auf den Schultern von Chet Baker, Miles Davis, Freddie Hubbard, Joe Henderson und anderen Titanen des Jazz. Ohne sie wäre der Jazz von heute nicht möglich. Dennoch, mit seinen Trompetensolos lässt uns Peter Protschka Miles schnell vergessen, denn Miles ist Miles und Protschka hat sein eigenes „Jazz-Blau“ gefunden, so wie eben auch Miles, als er auf dem Höhepunkt seines Schaffens war.

Was verbirgt sich wohl hinter „Jo's Secret“? Hat es irgendetwas mit Joe Henderson zu tun? Protschka könnte es uns verraten. Doch kümmern wir uns nicht darum, sondern geben wir uns dem Hörgenuss perlender Klaviersequenzen hin. Doch auch die anderen Musiker des Quartetts sind an „Jo's Geheimnis“ beteiligt. Selbst der Bassist Christian Ramond versteckt sich nicht, sondern lässt hörbar seine linke Hand über die Saiten gleiten. Getragen wird das Stück jedoch durch das Trompetensolo von Protschka. Schwebende Klangwolken erreichen unser Ohr und nehmen uns ganz und gar gefangen. Bei dem Stück „Dear Conrad“ meint man bisweilen, Chet Baker wäre tatsächlich anwesend und hätte seine Trompete dabei. Mit dieser Bemerkung möchte der Rezensent dem Bandleader des Quartetts nicht zu nahe treten, aber eine solche Anmerkung ist ja auch Lob, Lob für den Ansatz und Lob für die Spielfreude am Jazz der 1950er und 1960er Jahre. Protschka hält diese Periode des Jazz wach und transferiert sie mit seiner Musik in die Gegenwart. Doch eine Frage bleibt: „Wer ist Conrad?“

Vielfältig scheint die Korrespondenz schon zu sein, die sich musikalisch an Conrad richtet und mit „Dear Conrad“ beginnt. Der Melodiefluss sprudelt nur so, wenn man konzentriert auf das Piano lauscht, dessen Tasten für schnelle Läufe angeschlagen werden. Auch der Schlagzeuger der Band Sebastian Merk hat einige Zeilen an Conrad zu senden. Schließlich führt dann Peter Protschka das Wort und beschließt den „musikalischen Brief“.

Sanft ist das Klavierspiel, mit dem wir zu „All New Inspirations“ eingestimmt werden. Es scheint, als kämen die Einfälle nicht schwungvoll und mit Macht auf, sondern nach und nach, sprich tröpfchenweise. Das signalisiert auch Peter Protschka mit seinem „lamentierenden Blechbläser“. Einkehr und Meditation sind Stichworte, die beim Zuhören in den Sinn kommen.

Anschließend stellt uns das Quartett „Kindred Spirits“, also „Seelenverwandschaften“, vor. Sollte man eigentlich bei „Blues for my new shoes“ an „“Don't step on my blue suede shoes“ und damit an Elvis denken? Irgendwie scheint angesichts der Hörfarbe dieses Blues und wegen der „temporeichen Verpackung für die neuen Schuhe“ der Geist von Bebop ganz allgegenwärtig zu sein. Zum Abschluss ermöglicht dann das Quartett noch einen „Ausblick“. Dabei darf der Drummer dann auch mal zeigen, was so in ihm steckt.

© ferdinand dupuis-panther

Informationen

Label

Personality Records
http://www.siffling-productions.com/per/

Musiker

www.peterprotschka.de

 

 


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