Tony Lakatos: Standard Time

 Lakatos

SKIP Records / Soulfood, SKP 9118-2

Schon der Titel verrät, was der Hörer erwarten darf. „Standards“ des us-amerikanischen Jazz, als dessen „Gralshüter“ Tony Lakatos anzusehen ist. Lakatos scheint dabei mit seinen Mitspielern Adam Nussbaum (drums), Jay Anderson (bass) und Jim McNeely (piano) auch einem gewissen aktuellen Trend zu folgen. Man denke nur an die Monk-Bearbeitungen von David Helbocks Random/Control oder an Matthias Akeo Nowaks Monk-Adaptionen auf der Einspielung „Light Blue“. Lakatos jedoch fokussiert sich nicht allein auf Monk, sondern auch auf Thad Jones, Sonny Rollins und Bill Evans. Der aus Ungarn stammende und nun in Frankfurt residierende Saxofonist Tony Lakatos hat bereits zuvor bei SKIP anderen „Titanen des Jazz“ seine Hochachtung erwiesen, als er beispielsweise „Porgy & Bess“ und „The Coltrane Hartman Fantasy“ einspielte.

Was wir auf dem aktuellen Album hören, sind nicht die gängigen Standards, sondern eher die Perlen des Jazz, die heute wenig gehört und gespielt werden. Lassen wir uns also auf den „unbekannten“ Sony Rollins, den „unbekannten“ Thad Jones oder den „unbekannten“ Bill Evans ein.

Von „All Or Nothing At All“ bis „And What If I Don't“ reicht der musikalische Bilderbogen, den uns Tony Lakatos mit allerlei Hörfarben überreicht. Dabei erleben wir eine beschwingte, teilweise auch swingende Erlebnisreise, bei der wir auch den Liverpooler Pilzköpfen begegnen. Lakatos schreckte nicht davor zurück, sich die Komposition „Michelle“, sehr getragen und wenig rockig im Original, vorzunehmen und Lennon/McCartney auf eine Stufe mit Evans, Rollins und Monk zu heben. Dies ist jedenfalls der oberflächliche Eindruck. Dass die Beatles unter Jazzern sehr im Kommen sind, zeigen jüngste Jazzbearbeitungen von Al Di Meola und Bill Frisell. So liegt denn auch Tony Lakatos voll im Trend.

Dass das von Jim Neely gespielte Piano und das Saxofon von Tony Lakatos die Klangbilder bestimmen, wird man bereits beim ersten Titel des Albums feststellen können. Dabei ist insbesondere bei „All Or Nothing At All“ auf das lebendige Wechselspiel zwischen Piano und Saxofon zu achten. Wenn allerdings Lakatos sein Saxofon „schmettert“, dann werden die übrigen Musiker in eine Nebenrolle gedrängt. Nur gelegentlich darf sich der Bass auch in den Vordergrund drängen. Dieser wird dezent vom Piano begleitet. Während der erste Titel des Albums eine gewisse Trägheit an den Tag legt, unterliegt „Why Don't I“ einem flotten Tempo. Dabei folgt das Saxofon hartnäckig seinen Tonmustern. Das Piano setzt hier und da kurze, aber nachhaltige Akzente. Das Schema des Spiels erscheint sehr einsichtig: Auf den Saxofonpart folgt ein Klaviersolo, unter dem sich der Bass mit dumpfem Dumdumdum bemerkbar macht. Stets aus dem Hintergrund agiert Adam Nussbaum an den Drums. Am Saxofon führt allerdings kein Weg vorbei. Kein Wunder, denn Lakatos ist schließlich der Taktgeber für die „Standardzeit“.

Hört man anfänglich beim Monk-Stück „Ask Me Now“ den Bass und hofft auf mehr von diesem Tieftöner, so wird man schnell eines Besseren belehrt. Wieder ist das Saxofon zur Stelle. Eigentlich wartet man ja auch auf die Pianosequenzen, denn Monk war ja ein Solitär auf diesem Tasteninstrument. Ob man wohl das typische Plink und Plonk von Monk zu hören bekommen wird? Doch zunächst ist einmal mehr das Saxofon tonangebend. Die Stunde des Manns am Klavier kommt aber im Verlauf der Komposition. Doch irgendwie scheint bei der Lakatos-Bearbeitung von „Ask Me Now“ der Geist von Monk ein wenig verloren gegangen zu sein.

Als Erinnerung an den unlängst verstorbenen kanadischen Jazzer Kenny Wheeler ist die Aufnahme „Everybody's Song But My Own“ anzusehen. Ähnlich wie in den vorherigen Kompositionen fallen die Nuancen der Klangfarben aus, die beim Zuhörer Bilder evozieren und Gefühle freisetzen. Ausschweifend ist die Musik keinesfalls, eher strukturiert, beinahe sogar linear wie im Cool Jazz.

Für alle, die für Bebop, Hard Bop oder Cool sowie Postbop zu begeistern sind, ist die vorliegende Einspielung ein Muss.

© ferdinand dupuis-panther

Informationen

Label

SKIP Records GmbH
Henriettenweg 1
20259 Hamburg
Tel: 040/401 97- 390 Fax: - 398
www.skiprecords.com

Musiker

Tony Lakatos
www.tonylakatos.com

 

 


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