David Helbocks Random/Control: Think of Two

thinkoftwo

Traumton Records, Traumton 4599

Wenn von diesem Trio rund um den Vorarlberger Pianisten David Helbock die Rede ist, wird zumeist der Begriff Multiinstrumentalisten in die Waagschale geworfen. Keine Frage, Johannes Bär, Andreas Broger und auch David Helbock verstehen es, mit diversen Musikinstrumenten virtuose und spannende Musik zu machen, ob mit der Piccolo-Trompete, der Tuba, dem Sousafon, dem Alphorn, der Bassklarinette, der Slide-Trompete, dem Bassdrum, der Melodica, dem Kinderpiano oder Spielzeugtröten und -flöten. Besonders wichtig ist jedoch nicht diese Vielzahl an Instrumenten, sondern dass Zufall und Kontrolle das Spiel des Trios bestimmen. Eigentlich sind ja Kontrolle und Zufall zwei Begriffe, die sich ausschließen, aber bei dem Trio Helbock-Bär-Broger passt das alles bestens zusammen.

Was nun als Album vorliegt, eröffnet auch einen neuen Zugang zu den Werken von Thelonious Monk und Hermeto Pascoal, zwei Musikern, die David Helbock besonders schätzt. Random/Control ist aber beileibe keine Tribute Band, sondern hat es sich zum Ziel gemacht, in eigenen Interpretationen die Werke von Monk und Pascoal zu präsentieren. Stets flackern dabei Monk und Pascoal noch auf, aber über weite Strecken ist dann Monk auch Helbock-Bär-Broger. Gleiches gilt für Hermeto Pascoal.

Mehr als nur um Mitternacht
Gleich die erste Einspielung auf dem Album, „Voa Ilza“, ist eine flotte Nummer mit viel Groove. Da tanzt das Saxofon, swingt das Klavier, jagen sich Piano, Trompete und Saxofon. Zugleich schwingt sich die Trompete zu den höchsten Tönen auf, die dem Instrument zu entlocken sind. Auch eine Nasenflöte meint man zu hören. Stets taucht auch das Thema, wenn auch hier und da fragmentarisch, auf. Ohne Funk zu sein, ist dieses Stück sehr funky und endet mit einem Tastenton mit einem Plonk. Plink und Plonk und Monk gibt es dann bei „Round Midnight“ als Klanggenuss zu hören. Zart sind die den weißen und schwarzen Tasten entlockten Töne. Ein Glöckchen schwingt; Flötentöne dringen ans Ohr. Zu Beginn denkt man, das Dreigestirn aus Vorarlberg inszeniere eine Dschungelnacht, ehe dann das Monk-Thema deutlich auszumachen ist. Ein Bass fehlt, aber auch eine Bassklarinette kennt die tiefen Töne. Akzente setzt David Helbock stets aufs Neue, wenn er in einen dynamischen Duktus verfällt. Im Laufe des Stücks meint man schließlich auch, die Nacht laste schwer und die Müdigkeit habe um Mitternacht schon um sich gegriffen. Die Nachtschwärmer umschwärmen längst nicht mehr wie Motten das Licht.

Wechselspiele: Tuba und Trompete, Flöte und ...
Bereits in den genannten beiden ersten Songs des Albums blitzt auf, was das außergewöhnliche Trio ausmacht: andere Hörfarben. Dies setzt sich auch in weiteren Einspielungen fort, so auch bei „Nos Quebradas“ von Pascoal. Hier ist es die von David Helbock gespielte Melodica, die aufhorchen lässt, während Jochen Bär seine Trompete zum Schmettern bringt. Ach ja, der Instrumentenwechsel, beinahe unberechenbar und schnell, ist in diesem Stück auch zu vernehmen, denn Johannes Bär wechselt von der Trompete zur Tuba und dann zum Sousafon und wieder zurück. Dieses Wechselspiel beherrscht auch Andreas Broger in ähnlicher Weise. Bei einem Live-Auftritt der Drei ist dies auch ein besonderer Hingucker.

Die Kaskaden des Saxofons ergießen sich über uns. Scat Vocal und Human Beatbox lassen aufhorchen. In tiefem Galopp bewegt sich die Tuba und folgt den schnellen Klaviersequenzen. So sind wir denn schon mitten in „Raise Four“, auch eine der Monk-Kompositionen, denen sich Helbock und Co. angenommen haben. Ein wenig wie beim Ragtime spielt Andreas Broger seine Klarinette. Danach erleben wir einen heftigen Bruch, wenn alle Instrumente sich ins Wort fallen und sich die Stimmen überschlagen. Nur das Sousafon behält die Fassung und tönt einsilbig dumpf. Darüber phrasiert Andreas Broger beinahe im Stil einer Rock 'n Roll- bzw. Boogie-Nummer.

Eine Ode an Hermeto Pascoal
Welche Töne einem Flügel und Klavier zu entlocken sind, unterstreicht David Helbock mit seinem variantenreichen Spiel. Warum denn nur stets die Tasten anschlagen, wenn man auch die Saiten zupfen kann, während man gleichzeitig die eine oder andere Taste niederhält – das war für Helbock die Frage, die er einer Lösung zugeführt hat. In „Musica das Nuvens en do Chaõ“ können wir dieses Hörerlebnis genießen. Dabei handelt es sich um eine sehr getragene Komposition des brasilianischen Musikers Hermeto Pascoal. Eine Querflöte begleitet uns bei diesem Stück zeitweilig, und im Hintergrund brummelt das Sousafon vor sich hin – oder ist es die Tuba? Dank Johannes Bär ist auch ein wenig Lautmalerisches aus dem Hintergrund zu vernehmen. Nach den beiden Monk-Stücken „Trinkle Tinkle“ und „Pannonica“ präsentiert uns David Helbock seine Ode an Hermeto Pascoal, ganz im Duktus des brasilianischen Jazzmagiers. Beendet wird das Album mit einer Monk-Nummer: „Think Of Two“. Gespannt darf man sein, was unter dem Stichwort „Zufall und Kontrolle“ den drei Vollblutmusikern aus Vorarlberg in naher Zukunft noch so einfallen wird.

© ferdinand dupuis-panther

Informationen
Label
www.traumton.de

Musiker

http://www.davidhelbock.com
https://www.facebook.com/davehelbock?fref=ts

Interview mit David Helbock
http://jazzhalo.be/index.php?option=com_content&view=article&id=219&Itemid=145

Konzertberichterstattung vom Internationalen Jazzfestival Münster
http://jazzhalo.be/index.php?option=com_content&view=article&id=227&Itemid=203

 


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