The Dorf meets … at Münster / Das Dorf in Münster

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Das große Finale der Reihe „Stadt meets Dorf“ sieht The Dorf als Gast in der Stadthausgalerie unter der Leitung des Saxofonisten Jan Klare. Dieser hatte sich mit einem sehr hörenswerten Soloprogramm an der Jazzreihe beteiligt und sie auch dankenswerter Weise initiiert. Ohne die auch personelle Unterstützung der Mitarbeiter des Kulturamtes, vor allem der dort tätigen Volontärin, hätte eine solche Reihe niemals organisiert werden können, auch unter den schwierigen Bedingungen, die der Bau der Stadthausgalerie bezüglich der Akustik aufweist. Dennoch vier Konzertabende lockten überaus zahlreiche Zuhörer in die Mitte der Stadt. Teilweise stehen die Jazzfreunde, weil man bezüglich der Bestuhlung mit derartigem Andrang nicht gerechnet hat.

Divers war das Programm der Jazzreihe „Stadt meets Dorf ...“, angefangen von Soul und Pop meets Jazz bei Rose Hip über Wayne Shorter reloaded des Trios Camatta-Fritsche-Nebel zu Lyrik und Jazz bei Wellness und ihrem Georg-Kreisler-Programm und schließlich zu The Dorf, diesem Laboratorium, Experiment und Kollektiv in Sachen Gegenwarts-Musik. Den Kern der Musiker bilden dabei solche aus dem Umfeld der Folkwang Universität der Künste in Essen. So trifft sich eigentlich auch die Stadt in der Stadt, wenn The Dorf auf der Bühne steht.

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Bei The Dorf gibt es einen Ortsvorsteher und wechselnde Dorfbewohner, sodass die Bewohnerzahl schwankt und bisweilen auch mal 30 Personen umfasst. Wenn der „Ortsvorsteher“ Jan Klare, gebürtiger Hagener und nun in Münster beheimatet, zur Dorfversammlung ruft, dann versammeln sich die Dorfbewohner, meistens alle. Das Dorf ist aber in Veränderung begriffen. Mal kommen Dorfbewohner hinzu, mal verlässt der eine oder andere das Dorf.

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Eine Geige trifft mit einem Cello auf drei Bässe. Zwei Klarinetten begegnen zwei Schlagzeugern, zwei Gitarristen und drei Posaunisten. Zwei Vokalistinnen teilen sich den Dorfplatz mit einem Baritonsaxofonisten, einem Mann am Synthesizer und einem Basssaxofonisten sowie Trompeter. Sind damit alle versammelt? Nein, der Mann an den Electronics fehlt noch, aber da ist er schon. Zudem geht es ohne Tontechniker überhaupt nicht, denn im Dorf geht es um gute Stimmung, besser gute Töne, und die schafft man auch mittels ausbalancierter Technik. Das war aufgrund der besonderen Akustik in der Stadthausgalerie eine immense Herausforderung. 20 Musiker sind versammelt und geben alles. Titel wie „Oval“, „Now“, „JCO“ und „Nomen“ stehen auf dem Programm. Hm, also nomen est omen? The Dorf aus dem Ruhrrevier gibt sich die Ehre in der „Schweiz von NRW“.

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Der „Dorfladen“ läuft und beginnt mit einem Tusch
Wer einen Blick für die Notenständer hat, die vor den Musikern stehen, der weiß, es geht hier auch um Notiertes, um Thematisches und nicht um wildes Drauflosspielen. Keine Frage, Jan Klare, dirigiert den „Dorfladen“ mit seinen verschiedenen „Sortimenten“, sprich Instrumenten.

Ein Tusch fürs Kulturamt! Tusch, Vorhang auf, obwohl keiner vorhanden war, Tusch. „Oval“ steht auf dem Programm, dicht gefolgt von „Now“. Wie? Jetzt oder nie? Wahrscheinlich, denn was The Dorf musikalisch kredenzt, gibt es immer nur einmal in der Art, wie man es hört, gerade hört, also in dem Moment. Morgen kann es schon ein wenig anders klingen.

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Posaunen gleichen Fanfarenbläsern, die auf quieckende Altsaxofone treffen. Ist da nicht auch Humpdahumpda aus der Tiefe des Raumes zu vernehmen – das Sousafon oder das Basssaxofon lässt sich hören. Pause! Ja, was dann?

Für kurze Momente so etwas wie eine Begegnung mit „Chicago“ und „Blood, Sweat and Tears“ statt Krautrockjazz, so hat es den Anschein, Taktaktaktaktak, Takt, ohne Taktstock aber dennoch präsent: Jan Klare. Fiepfiep, Knatschknatsch, Kratschkratsch, Fiepflötfiepflöt, Hrrahrra, Brumbrumm, Thriller, Tieftöner eilen herbei und verdrängen die Altsaxofone. Huwadhuwad, dumpfes Bummbumm auf der Basstrommel. Klopfklopfklopf und elektronischer Sphärenklang, der nun aber auch gar nichts mit „Tubular Bells“ zu tun hat – welche Wohltat!

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Stimmen schwirren durch den Raum. Lalolololalolohi – eine der beiden Stimmen des Ensembles. Sirenen rufen oder auch nicht. Klippen werden umschifft, und Jan Klare steuert das Dorfboot sicher durch die Untiefe. Eine Geige klingt nicht wirklich wie eine Geige. Ein Saxofon kiekst, und Electronics messen sich nicht mit „Kraftwerk“ und Edgar Froese, aber bringen außergewöhnliche und unerwartete Sounds. Zeichen werden gegeben. Schlagwerke werden im Gleichtakt gesetzt. Schnell ist die Taktung der Basstrommel im Anschluss. Taktaktaktak - kurz und prägnant. Die Musik schwillt an, ist Schwall, schwillt ab, schwillt auf, schwillt über. Gezeter, Gezeter, streichende Atemluft, Atemzug und Atemluft, Klopfzeichen, Wind, Takt, Wind, Tiefgetöse und dann ist Schluss, vorläufig Schluss.

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Taktaktak und Bläsersatz
In einem weiteren dargebotenen Stücken schultert Alex Morsey sein Sousafon, pausiert Simon Camatta an seinem Schlagzeug und bedient nur das Klangholz. Sind es die Gitarre oder das Cello, mit dem allerlei Soundeffekte erzeugt werden? Alles scheint im Fluss, auch die Pausen zwischen den Stücken. Energiefluss ist gegenwärtig. Alles fließt. Brummbrumm und Brimborium; Klarinetten im Doppelpack ohne banales Unisono. Aus der Tiefe des Raums gibt sich das Basssaxofon zu erkennen. Taktaktak und Bläsersatz, bedächtig zunächst. Dann ein Furioso fast aus dem Nichts für „Korer“, so der Titel des dritten Stücks von The Dorf. Doch Titelbezeichnungen scheinen nebensächlich. Klangfülle, temperiert und temperamentvoll, ist das Gebot der abendlichen Stunde.

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Eher ein wenig popig und wie Brass Banda ohne Lederhosen, so klingt das nächste Stück. In diesem ist auch die Geige mal etwas offensiver am Werk und daher auch eher auszumachen. Ansonsten sind es die Bläser, die die Stimmung machen. Die Bässe dröhnen und die Körper der Zuhörer schwingen unwillkürlich. Jan Klare steht nicht still, gestikuliert, gibt Zeichen, bringt sich ein. Fett tönen die Bläser. Marie Daniel trällert, trillert, schmeichelt. Tonaler Simultanrausch an jeder Ecke des Raums. Klangbild folgt auf Klangbild.

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Dann gibt es noch etwas zum Mitsingen? Hören wir da nicht „Bruder Jakob“? Nein das kann nicht sein! Deutlich vernehmbar ist jedoch „1,2,3,4“, unterschiedlich betont und aus vielen Kehlen kommend. Auch aus dem elektronischen Off hört man das Zählen. Mit „Nomen“ ist der Abend eigentlich zu Ende. Doch es gibt noch eine Zugabe, bei dem den Zuhörern sprichwörtlich der Wind um die Ohren bläst. „Blast“ ist der Rausschmeißer und der letzte Ton des Finales.

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Ausblick?
Das mit Abstand am besten besuchte Konzert der Reihe „Stadt meets Dorf“ war gewiss das Finale. Das sollte doch das Kulturamt zu Überlegungen veranlassen, eine ähnliche Reihe im Laufe des Jahres nochmals zu veranstalten. In welchem Kontext muss man gewiss überlegen. Vielleicht erwärmen sich ja auch die politischen Gremien der Stadt Münster dafür, Geld in die Stadthausgalerie und deren Umgestaltung zu investieren. Notwendig wären akustische Maßnahmen dergestalt, dass man die Wände der Galerie bei Bedarf mit Stoff abhängen kann. Es würde der Musik, die dort präsentiert wird, sicherlich sehr gut tun.

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© ferdinand dupuis-panther

Informationen

Schlagzeuger Simon Camatta
Interview: http://www.jazzhalo.be/index.php?option=com_content&view=article&id=220&Itemid=159

Saxofonist Jan Klare
http://www.janklare.de/klare/wordpress/

The Dorf
http://thedorf.net/

Konzertberichte

http://www.jazzhalo.be/index.php?option=com_content&view=article&id=228:there-is-still-more-jazz-at-muenster

http://www.jazzhalo.be/index.php?option=com_content&view=article&id=237:stadt-meets-dorf-metropolis-meets-the-countryside-or-jan-klare-meets-heulende-kurve-howlin-bend

http://www.jazzhalo.be/index.php?option=com_content&view=article&id=251:stadt-meets-dorf-the-city-meets-the-countrysite-or-wellness-meets-manfred-wex-4tet

 


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