STEYR JAZZFESTIVAL 2015 - TAG 1 & 2

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Ein Rückblick auf das Steyr Jazzfestival 2015 – West meets East #1

© Text und Fotos: ferdinand dupuis-panther

Ohne den umtriebigen Jazzliebhaber und Produzenten von alessa records Peter Guschelbauer wäre ein Jazzfestival in Steyr nie möglich. Die Stadt ist gewissermaßen in Sachen Jazz eine Kulturwüste. Das wundert nicht, denn Steyr war und ist eine Industriestadt mitsamt einer heute vor allem in der Autoindustrie beschäftigten Bevölkerung. In der Vergangenheit waren es die Steyr-Daimler-Puch-Werke, die mit der Rüstungsproduktion für Lohn und Brot sorgten. Spuren dieser historischen Industrie- und Arbeiterkultur findet man auf der sogenannten Fabrikinsel und nunmehr museal im Museum Arbeitswelten. Kultur war mithin Arbeiterkultur und nicht bürgerliche Hochkultur. Ja, bürgerliche Hochkultur gibt es, wenn auch in einem bescheidenen Rahmen.
Die Stadt besitzt ein historisches Theater, das einst Teil eines Nonnenklosters war, ehe dank der Förderung durch den ortsansässigen Fürsten Lamberg im späten 18. Jahrhundert der Umbau zur Nutzung als Theater begann. Heute ist dieses Theater mit seiner intimen Atmosphäre Ort des Steyr Jazzfestivals.

 

Tag 1

AMC-Trio-Randy-BreckerDSC02570Am ersten Tag war der Zuspruch sehr hoch, kein Wunder, denn Randy Brecker war mit dem AMC Trio angekündigt. Randy Brecker ist beinahe schon eine Legende, gewiss durch sein Auftreten mit seinem Bruder, dem Saxofonisten Michael Brecker, gemeinhin als die Brecker Brothers bekannt und in Sachen Jazz einst weltweit unterwegs. Beim Montreux Jazzfestival hörte sie Peter Guschelbauer in den 1970er Jahren erstmals. Das Brüderpaar ließ den Bassisten Peter Guschelbauer seither nicht mehr los. Bei der Eröffnung des ersten Konzertabends zeigte er eine Reihe von Schallplatten, die er bei einem Besuch in England erstanden hatte. In Österreich gab es, so Peter Guschelbauer, damals derartige Platten des Gespanns Brecker-Brecker einfach nicht zu kaufen. So hielt er denn wahre Schätze der Musikgeschichte in den Händen. Nach dem Dank auch an das sehr zahlreich erschienene Publikum und mit dem Hinweis Peter Guschelbauers, dass nach dem letzten Festival, das mit einer schwachen Null abschnitt, der Plan reifte, Randy Brecker zu verpflichten, gehörte die Bühne dem AMC Trio feat. Randy Brecker.

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Das AMC Trio besteht aus dem Pianisten Peter Adamkovič, dem Bassisten Martin Marinčák und dem Schlagzeuger Stanislav Cvanciger, deren gemeinsame Karriere 1993 ihren Anfang nahm. Erst nur als lockerer Jazzverbund gedacht, entwickelte sich rasch eine feste Combo mit eigenem Repertoire.

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Nein, Kompositionen der Brecker Brothers oder von Blood, Sweat and Tears – Randy Brecker war einer der Gründungsväter dieser Jazz Rockformation – standen nicht auf dem Programm, sondern ausschließlich Eigenkompositionen des AMC Trios.
Während sonst bei den klassischen Jazz-Trios der Pianist das Sagen hat, war dies beim AMC TRIO gänzlich anders. Alle drei Musiker waren gleichberechtigt an dem musikalischen Konzept beteiligt und beeinflussten jeweils den herrlichen Farbklang der Combo.
Bereits bei den ersten Takten und den dargebotenen Klangformen stellte sich beim Zuhörer ein Gefühl von unendlicher Weite ein. Assoziationen an den sogenannten Fjordsound eines Jan Garbarek drängten sich auf. Schloss man als Zuhörer die Augen, so dachte man an Strand und Meer, an ausgedehnte Dünenfelder, an eine frische Brise, schlicht an den weiten unverstellten Blick bis zum Horizont. Randy Brecker, gewiss ein Gigant des Jazz, drängte sich spielerisch vom ersten bis zum letzten Takt nie in den Vordergrund. Wenn Mitglieder des Trios spielten, trat er zur Seite, gab also im wahrsten Sinne des Wortes seinen Mitspielern (Spiel)Raum. So geschah es auch, als der Pianist beim ersten Stück sein Solo mit ausgeprägter Basslinie spielte. Narrativ könnte man das Spiel bezeichnen. Sehr zurückhaltend agierte derweil der Schlagzeuger, vor allem beim Spiel mit den Becken. Im Hintergrund agierte der Bassist Martin Marinčák.

AMC-Trio-Randy-BreckerDSC02697AMC-Trio-Randy-BreckerDSC02690Eingängig waren nicht nur die Melodielinien des ersten Stücks, sondern auch bei den übrigen präsentierten Eigenwerken. Man hatte stets den Eindruck, ein Singer/Songwriter könnte den Melodien auch zu passenden Versen verhelfen, zu Versen über Schmerz, Wehmut, Sehnsucht, Liebelei und Eifersucht.

AMC-Trio-Randy-BreckerDSC02658Mit „One Way Road To My Heart” nahm das Konzert seinen Anfang, ehe dann ein weiterer Titel zu hören war, der durchaus der Welt der Popmusik hätte entsprungen sein können. Dieser Eindruck drängte sich wohl auch deshalb auf, da der Pianist Peter Adamkovič nicht nur die schwarzen und weißen Tasten seines Flügel anschlug, sondern zugleich auch seinem E-Piano „sphärische Klangwolken“ entlockte.
Haben wir nicht alle Träume und Sehnsüchte, vor allem auch Musiker, die viel unterwegs sind? Ja, so meinte Martin Marinčák jedenfalls, als er „Travel With Me Babe“ vorstellte. So fuhren wir denn gemeinsam mit dem AMC Trio und der Liebsten im „Pink Bus“ durch die Lande, über schlechte Straßen – so könnte man das „holprige Schlagzeugspiel“ deuten – und bei offenem Fenster oder Verdeck. Die Landschaft flog bildlich an uns vorbei, und die Zeit verging, unterwegs zwischen Steyr und … . Auch das nachfolgende Stück war vom Charakter her ein Song und erzählte mit „Pain Is Real“ wiederum eine Geschichte, die Geschichte einer schmerzhaften Begegnung. Diese Art des erzählenden Jazz scheint mehr und mehr Verbreitung zu finden. Man denke nur an das deutsche Trio triosence mit Bernhard Schüler am Piano, der sehr stark „biografisch“ arbeitet.

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Mobbing, Gerüchte, falsche Anschuldigungen – sie verbreiten sich immer mehr und obendrein rasch. Man muss nur eine Geschichte aufbringen und ausschmücken, schon macht sie die Runde. Diesem Thema widmeten sich das AMC Trio und Randy Brecker mit „Waiting For a Wolf“. Randy Brecker zeigte bei dieser Komposition sein ganzes Können am Flügelhorn, das einen samtenen angenehmen Klang verbreitete. Bestens geeignet für die Musik zu einem Mantel-und-Degen-Film moderner Machart erwies sich „Three Knights Chant“; ebenfalls vom AMC Trio komponiert, das, so Martin Marinčák, aus zwei Musikern und einem Schlagzeuger besteht. Auch mit slowakischer Folklore konfrontierte Martin Marinčák die Zuhörer. Verschmähte Liebe und das Warten auf den Geliebten standen u. a. im Mittelpunkt einer „verjazzten“ Volksweise, die damit endet, dass sich die vergeblich auf ihren Schatz Wartende in eine blaue Blume verwandelt, die ewig warten kann – so die Kurzfassung eines vom AMC Trio adaptierten slowakischen Märchens.

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Anhaltend war der Beifall des Publikums, dem „ohrenschmeichlerischer Jazz“ geboten wurde, dessen Strukturen klar erkennbar waren und der sich nie in komplizierte und komplexe Schemen verfing. Keine Frage, ohne Zugabe konnte der Abend nicht beendet werden.

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Informationen
http://www.amctrio.sk/amcde/
Audios
http://www.amctrio.sk/amcde/video
http://www.amctrio.sk/amcde/downloads/
https://www.youtube.com/watch?v=vKMhzkYP2uE
https://www.youtube.com/watch?v=Kbk5n54jJzA

 

Tag 2

Viola-Hammer-TrioDSC02919Den Auftakt des zweiten Festivaltages machte das Viola Hammer Trio, das allerdings im Gegensatz zum Trio, das auf dem bei Unit Records veröffentlichten Debütalbum „Close Up“ zu hören ist, in anderer Besetzung auf der Bühne stand: Am Schlagzeug saß Reini Schmölzer und ließ die Sticks auf den Fellen und dem Messing tanzen. Der Kontrabass lag in den Händen von Andreas Waelti.

Viola-Hammer-TrioDSC02874Viola-Hammer-bass1Viola-Hammer-TrioDSC02900„Ich hatte bis zu meinem 20. Lebensjahr rein klassischen Klavierunterricht und kam relativ spät mit Jazz in Berührung. Trotzdem hatte ich schon sehr früh das Bedürfnis, etwas freier am Klavier zu werden, d. h. improvisatorische Fähigkeiten zu erlernen, um meine eigene Musik in die Praxis umsetzen zu können.“ So äußerte sich Viola Hammer zu ihrer bisherigen Karriere.
Dass Viola Hammer, die am Jazzinstitut der Kunstuniversität Graz studierte, überhaupt in das Jazz-Fach wechselte und sich darin auch augenscheinlich wohlfühlt, überrascht insoweit, als sie nachweislich auch ein Faible für Indie-Rock und für Singer/Songwriting an den Tag legt. Davon konnten sich die Festivalbesucher vor allem bei der Zugabe überzeugen. Während das übrige Konzert mit Eigenkompositionen bestritten wurde, wählte Viola Hammer als Zugabe einen Titel von Postal Service namens „Such Great Heights“. Deutlich wurde am Arrangement von „Such Great Heights“, dass Viola Hammer nicht nur von klassischer Musik, sondern auch vom Geist der Improvisation geprägt wurde. Mit ihrer Zugabe unterstrich sie zudem, dass eben nicht ausschließlich eine „narrative Musik“ mit Bildern und Farben bei ihr im Vordergrund steht.

Viola-Hammer-TrioDSC02958Viola-Hammer-TrioDSC02946Doch noch einige Bemerkungen zum sonstigen Programm, zu dem auch Stücke wie „Prague“, Ausfluss eines Kurztrips in die Stadt an der Moldau, gehörten. Hörte man aufmerksam den Klaviersequenzen zu, die uns Prag näher brachten, so bekam man den Eindruck einer vielgesichtigen Stadt mit aufgeschlossenen Menschen und kreativen Geistern. Zu Beginn des Konzerts tanzten wir ausgelassen, ohne allerdings wirklich Raum zum Tanzen zu haben. So blieb es beim „tanzenden Hörgenuss“, als das Trio „Dance“ spielte: Die Bewegung, nach hier und nach da, setzte Viola Hammer mit starkem Duktus um. Man hätte sich bei der Musik durchaus auch vorstellen können, man wäre bei einer Bahnreise auf der verzweifelten Suche nach dem Anschlussgleis, nachdem man am Umsteigebahnhof eh schon zu spät eingetroffen war. Zu einem solchen Bild des Herumirrens trug auch der mehrfache Tempowechsel bei. Mit „Serenity“ fand das Programm seinen Fortgang. Gelassen ging es, so musste man ja den Titel des Songs interpretieren, ganz und gar nicht zu. Eher hatte man den Eindruck von aufgebrachten Zwiegesprächen, zwischen Bassisten und Pianistin. Das Schlagzeug hielt sich dabei sehr bedeckt.

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Im Kontext von „Erinnerungen“ erwähnte Viola Hammer, dass sie ihre „Wurzeln“ auch im Grunge habe, ohne dass wir nun „Schmuddelmusik im Rockgewand“ erwarten durften. Rockige Elemente waren jedoch nicht zu überhören, unter anderem eine gewisse Rifflinie des Tastenspiels von Viola Hammer. Dass ihr die Idee zu „Fragil“ beim Kochen kam, ist kaum zu glauben, aber wohl wahr. Glasbruch – umgesetzt mit schrägen, schiefen und schrillen Tönen – gab es allerdings nicht zu hören. Durch sehr behutsames Spiel aller drei Musiker wurde die Musik jedoch dem „Zerbrechlichen“ überaus gerecht.

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Informationen

Viola Hammer Trio
www.facebook.at/violahammermusic
www.andreaswaelti.com
http://www.reinischmoelzer.at/Start/Start.html

CD-Besprechung „Close Up“
http://www.jazzhalo.be/index.php?option=com_content&view=article&id=232&Itemid=157

Audio
Postal Service „Such Great Hights“
https://www.youtube.com/watch?v=0wrsZog8qXg

 

Machen wir mal ein Xperiment

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Der überaus umtriebige Schlagzeuger, Komponist und Bandleader Klemens Marktl präsentiert erstmals beim Jazzfestival Steyr seine ganz neu formierte Band "Markt(l)Xperiment". Die Wurzeln dieser slowenisch-slowakisch-österreichischen Formation liegen deutlich im akustischen Jazz. Die Band ist vor allem durch den gegenwärtigen "New York"-Sound geprägt. In New York verbringt Klemens Marktl jährlich einige Zeit, um Inspirationen für seine neuen Kompositionen zu gewinnen. Nach Steyr brachte er unmittelbar vor einem erneuten New-York-Aufenthalt den slowenischen Saxofonisten Jaka Kopac, den slowakischen Pianisten Lubos Sramek, der sich stellenweise als komödiantischer Entertainer zeigte, und den slowakischen Bassisten Stefan „Pista“ Bartus mit.

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Es war nicht nur Ohrenschmaus, sondern auch eine Augenweide Klemens Marktl beim Spiel auf den gespannten Fellen und Messingbecken zuzuschauen. Mit organischen, dezenten Bewegungen entlockte er seiner „Schießbude“ immer die richtigen Sounds und Beats, nutzte auch mal die Unterseite der Snare als Spielfläche oder die Außenfläche der kleinen Trommel. Ständig war Marktl in tänzelnden und schwingenden Bewegungen, feuerte sich durch leise „Yeah, Yeah“ hin und wieder an und hatte stets dabei den Blick für seine exquisiten Mitmusiker.

MarktXperimentDSC02988-7Zu hören war ein Querschnitt der Kompositionen Marktls. Dabei begann das Konzert mit „Challenge“, wobei der Altsaxofonist schon sehr tonangebend war. Derweil flogen die Klavierpassagen mit leichter Brise dahin. Stefan „Pista“ Bartus zupfte seinen Dickbäucher nach allen Regeln der Kunst nicht am Bart, aber an den Saiten. Hier wurde, so hatte man den visuellen Eindruck, Jazz wirklich erarbeitet, auch körperlich erarbeitet. Wer genau zuhörte, konnte im Anschluss an die „Herausforderung“ feststellen, warum das Stück „Three Times“ hieß.

MarktXperimentDSC02988-6MarktXperimentDSC02988-8Auch an Monks „Evidence“ ging an diesem Abend kein Weg vorbei. Die Akzente und Intervalle, die in Monks Werk so herausstechend sind, ergänzte Marktl mit seinen Mitmusikern durch noch prägnantere Intervallsprünge. So hörte man stets das Monk’sche Plonk, aber auch Marktls finale Setzungen über Monk. Auch der Musik von John Coltrane widmete sich das Quartett beim Auftritt im Alten Theater. Zum Schluss gab es dann ein kurzes musikalisches „Wie“ und leider keine Zugaben, denn Johannes Ochsenbauer und Harry Sokal warteten bei vorgerückter Stunde mit ihrem Quartett schon sehr ungeduldig auf ihren Auftritt.

Informationen
Klemens Marktl
http://www.klemensmarktl.com/km/
Audio
Thelonious Monk „Evidence“
https://www.youtube.com/watch?v=qweSlfP6BtI

 

Treffen sich zwei Musiker aus Bayern und zwei aus Österreich, steht „Ochsenbauer meets Sokal“ an

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Zum letzten Konzert eines langen Abends trafen sich der Bassist Johannes Ochsenbauer und der Saxofonist Harry Sokal, der als einer der besten Saxofonisten der Nach-Coltrane-Ära angesehen wird und Mitglied des legendären Vienna Art Orchestra war. Johannes Ochsenbauer, der Bandleader der Formation, schloss seine Ausbildung an der Musikhochschule und am Richard-Strauß-Konservatorium in München mit Auszeichnung ab. Obendrein nahm er Unterricht bei Jazzgrößen wie Ron Carter und Charlie Haden. Wenn er dem Saxofonisten Harry Sokal begegnet, dann stehen ganz selbstbewusst nur Kompositionen der verschiedenen Tieftonmeister wie Mingus und Pettiford auf dem Programm. Doch ein Duo erlebte man am Freitagabend nicht, denn folgende Musiker gehörten noch zu diesem Projekt der „Bassgeheimnisse“: Tizian Jost (piano) und Mario Gonzi (drums).

Ochsenbauer-meets-SokalDSC02763Ochsenbauer-meets-SokalDSC02709Ochsenbauer-meets-SokalDSC03023Wenn es um die „Freude eines Bassisten“ und die „Verborgenen Geheimnisse des Basses“ geht – aus den entsprechend benannten Alben schöpfte das Quartett bei ihrem Auftritt –, sollte man doch denken, der Bassist agiere mal vordergründig und nicht so sehr im Hintergrund. Dass sich Johannes Ochsenbauer mit seinem Tieftöner im hinteren Teil der Bühne in Augenhöhe mit dem Schlagzeuger Mario Gonzi platzierte, hatte man, wenn man klassische Jazztrios kennt, allerdings nicht anders erwarten dürfen. Als „Rampensau“ im besten Sinne agierte nicht Ochsenbauer, sondern am Tenor- und Sopransaxofon Harry Sokal. Bisweilen selbstvergessen und mit sich im Reinen schien der Schlagzeuger Mario Gonzi bei seinen Solos, in die das gesamte Schlagwerk einbezogen war. Das Klangbild des 4tetts malte vor allem Harry Sokal mit seinen ausgefuchsten Phrasierungen, derweil die Rhythmusgruppe auch ihren Teil dazu beitrug. Nicht immer hatte man jedoch den Eindruck eines harmonischen Ganzen. Doch der präsentierte Straight ahead Jazz vom Feinsten begeisterte diejenigen, die bis zum Ende des Abends im Alten Theater geblieben waren.

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Aufmacher des Konzerts war ein Titel von Oscar Pettiford, ehe dann eine Bearbeitung von Ron McClures „Nimbus“ zu hören war. Weder zog eine dunkle Wolke auf – ganz im eigentlichen Wortsinn von Nimbus –, noch sah man „Heiligenscheine“ über den Häuptern des Quartetts. Stattdessen konnten sich die Zuhörer einen Klangrausch gönnen, nicht zuletzt auch dank Harry Sokal, der seinen Holzbläser so richtig in Schwingungen brachte.

Ochsenbauer-meets-SokalDSC03001Ochsenbauer-meets-SokalDSC03026Ochsenbauer-meets-SokalDSC03005Mit „Farewell. Farwell“ von Charles Mingus wurde die Stimmung gedämpft, und die Musik bewegte sich in weit ruhigerem Fahrwasser. Diese Komposition widmete Mingus einst einem verstorbenen Freund und so nahm es nicht Wunder, dass das Tempo getragen und die Stimmung auch ein wenig melancholisch war, als das Quartett Charles Mingus die Ehre erwies. Im Laufe des Stücks entwickelte sich dann allerdings letztlich doch noch ein eher freudiger Abschied. Eigentlicher Höhepunkt des Abends war die flotte Nummer „Dacapolypso“. Das klang nach Calypso, also Bühne frei für tanzwütige Jazzfreunde, oder? Traumstrände, Sonnenschein satt, Ungezwungenheit, Ausgelassenheit und Karibik pur – und das alles im Steyrischen März. Auch Johannes Ochsenbauer kam bei dieser Nummer sprichwörtlich in Schwingungen, während er seinen Tieftöner zupfte. Zu Hochform lief dann Mario Gonzi am Schlagwerk auf. Dabei hatte man den Eindruck, er wolle gar nicht mehr aufhören, die Sticks tanzen zu lassen. Eigentlich war dieses Stück der wie gemachte Rausschmeißer. Der Beifall des Publikums forderte die obligatorische Zugabe. Ochsenbauer & Co. ließen sich nicht lumpen und spielten nochmals auf. Doch dann hieß es: „Gute Nacht“.

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Informationen
Ochsenbauer meets Sokal
http://ochsenbauer-bass.de/home.html
http://www.ochsenbauermeetssokal.de/Ochsenbauer_meets_Sokal/Ochsenbauer_meets_Sokal.html
CD-Besprechungen
Secret Bass Hits
http://www.jazzhalo.be/index.php?option=com_content&view=article&id=254&Itemid=180
Bass Player’s Delight
http://www.jazzhalo.be/index.php?option=com_content&view=article&id=254&Itemid=180
Audio
Charles Mingus Farewell, Farwell
https://www.youtube.com/watch?v=IiMR8fZT2H8

 

 


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