David Helbock Trio: Aural Colors

281 cover front 2400

Traumton CD: 4615, EAN/UPC: 705304461525, VÖ: 30.01.2015

„Es ist ein Luxus, Stücke erst mal länger live spielen und entwickeln zu können, ehe man sie aufnimmt“, stellte David Helbock auf Nachfrage nach der aktuellen CD glücklich fest. Die Partner für sein jüngstes Album, die beiden Wiener Raphael Preuschl und Herbert Pirker, lernte er bereits 2010 kennen, als er aus seiner alten Heimat Vorarlberg in die österreichische Hauptstadt gezogen war. „Die beiden sind sehr umtriebig in verschiedenen Formationen und seit 15 Jahren eine eingespielte Rhythmusgruppe“, erzählte Helbock, „ihr Spiel passt perfekt zu meinen Kompositionen.“ Nicht etwa ein konventioneller Kontrabass oder ein E-Bass ist in der Begleitband Helbocks zu finden, sondern Raphael Preuschl zupft eine Bass-Ukulele!! „Sie klingt sehr laut und perkussiv, in gewisser Weise recht afrikanisch, was gut zu meiner Musik passt“, freute sich David Helbock nach der gelungenen Einspielung der CD „Aural Colors“. Das kann man vielleicht am ehesten mit „Hörfarben“ übersetzen.

Wer den Weg des nunmehr 30-jährigen Pianisten David Helbock in den vergangenen Jahren aufmerksam verfolgte, dürfte bemerkt haben, dass Helbock auch in verschiedenen Besetzungen zu hören ist, mal solo und mal in unterschiedlichen Trios wie dem von Random/Control. Mit dieser Formation zog er auch das Publikum des letzten Internationalen Jazzfestivals Münster in seinen Bann. Dass er bei seinem Spiel nicht vor der Manipulation seines Pianos zurückschreckt, gibt Helbock offen zu. Doch diese Eingriffe sind, jederzeit schnell rückgängig zu machen. Dazu gehört es auch, Markierungen, die er für das Zupfen oder Streichen der Saiten angebracht hat, wieder zu entfernen. Das konnte man beim Münster-Auftritt auch verfolgen. Nicht spontanes Improvisieren steht also dann im Vordergrund, sondern ein ausgehecktes Klangbild, das umzusetzen ist.

Mit einem Segment der Farbenlehre befasst sich das Trio zu Beginn der Einspielung, wenn „Gelb Rot trifft“. Hm, gibt es dann nicht Orange? Musikalisch setzt David Helbock das Thema mit schnellen Beats und Synkopen um. Er zupft und schlägt die Seiten des Flügels im offenen Korpus an. Ein Tieftöner mit begrenztem Klangkörper mischt sich ein. Es ist eine Ukulele, die auch etwas zu Gelb und zu Rot zu vermelden hat. Die Klangpassagen lassen einen denken, es ginge hier um ein kurzes Aufeinandertreffen, das zu einer guten (Farb)Mischung führt. Wie ein Schattenmensch folgt die Ukulele den Klaviersequenzen. Akzentuiert sind diese und quirlig, so muss doch die Farbkombination auch glücken. Hm, da darf sich die Ukulele auch mal im Solo versuchen. Über dieses Solo phrasiert dann Helbock auf seine Weise und dann, ja dann sind wir wieder beim Thema: Gelb trifft Rot. Auf der aktuellen CD finden sich auch drei bearbeitete Klavierstücke von Schönberg. Das Motto lautet: Musik trifft Kunst bzw. Farbenlehre, denn der Komponist und „Erfinder der Zwölftonmusik“ Arnold Schönberg trifft auf Kandinsky, also trifft klassische Musik der Moderne auf abstrakte Kunst des 20. Jahrhunderts. Solo beginnt Helbock in dem op. 19 Nr. IV. Gewiss die Harmonie mutet ein wenig schrag an. In diese Schräglage stimmt dann auch die Ukulele ein und verfolgt mit ihrer Stimme die Passagen, die Helbock spielt, ganz und gar auch im Sinne von Thelonious Monk, für den David Helbock eine besondere Passion hegt. Kurz gehaltene Tastenschläge verändern sich nach und nach in ausufernde Sequenzen. Der Schlagzeuger streichelt die Felle und die Becken seines Schlagwerks. Dann beginnt David Helbock einen Tanz auf den Tasten. Noch zwei weitere Schönberg-Klavierstücke schließen sich dem ersten Stück an, ehe dann eine Vorarlberger Volksweise zu hören ist: „Öpfli, bist so kugelrund.“ Auffallend ist, dass die Volksweise ganz und gar nicht nach Volkslied klingt, sondern Helbock und Co. bei diesem Titel die afrikanischen Melodielinien und Rhythmen aufzugreifen scheinen, die wir von Abdullah Ibrahim kennen. Stichwort: African Market Place. Gäbe es im Trio Congas, Bongos, Kora und andere afrikanische Saiteninstrumente dann wäre der afrikanische Sound ganz und gar gegeben. Ohne die Verneigung David Helbocks vor zwei Größen des Jazz, vor dem bereits erwähnten Pianisten Thelonious Monk und dem brasilianischen Multiinstrumentalisten Hermeto Pascoal kommt auch die aktuelle Einspielung nicht aus. Mit „Para Hermeto“ beschließt das österreichische Trio seine „Hörfarben“. Zuvor jedoch treffen wir auf „AM – Anonymous Monkoholics“. Na, wegen der Droge namens Monk müssen wir keine Entziehungskur unternehmen. Ganz im Gegenteil. Das einhellige Fazit: „Hörfarben“ muss man hören, hören, hören …!

© ferdinand dupuis-panther

Informationen

Label

www.traumton.de

Musiker

David Helbock
http://www.davidhelbock.com/

Audio
https://www.youtube.com/watch?v=VsAgRLp2WQM
https://www.youtube.com/watch?v=DEWY9J_vXDA
https://www.youtube.com/watch?v=BTvIrxwe-gU
https://www.youtube.com/watch?v=jd9YPcqEOvE
https://www.youtube.com/watch?v=Wlp-uIWwX0Y
https://www.youtube.com/watch?v=t0Z1MnJZ9Ts

Interview bei Jazz'halo

http://www.jazzhalo.be/index.php?option=com_content&view=article&id=219&Itemid=145

 


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