Jan Klare: Solo

poise21 klarepoise records, edition 21, veröff. 2013

Eine Soloeinspielung – das ist gewiss eine Herausforderung! Jan Klare, dieser Tausendsassa des münsterländischen Jazz und „Ortsvorsteher“ der im Ruhrgebiet beheimateten Jazz-Großformation „The Dorf“ ging dieses Wagnis ein und wählte dazu die Stadthausgalerie in Münster als Ort seiner Performance aus. Doch so ganz auf Begleitung wollte er nicht verzichten. So hören wir auch seinen „Begleiter“ hier und da. Es ist Herr Drum-Computer, der für zickige Beats sorgt, dann und wann. Ansonsten können wir uns als Zuhörer ganz dem Spiel Klares auf dem Altsaxofon hingeben. Mit einem traditionellen Stück, dem „12th Street Rag“ beginnt Klare seine Einspielungen und mit einer Schweizer Volksweise, dem „Tellerlied“ schließt er seine aktuelle CD ab.

Während man bei der Münsteraner Jazzreihe „Stadt meets Dorf“ einen spektakulären Soloauftritt Klares mit seinem Basssaxofon erleben konnte, wählte er diesmal eine andere Klangfarbe und ein anderes Tonvolumen für seine Solos. Mit dem Altsaxofon ist Klare aber genauso versiert im Spiel wie mit dem dunklen Tieftöner. Mit dem ersten Stück der CD hat sich Klare eines traditionellen Rags mit entsprechendem Rhythmus vorgenommen, auf den Klare jedoch gänzlich verzichtet, sodass das Original nur mit Mühe überhaupt erkennbar ist. Das ist jedoch kein Beinbruch. Wer das Original hören will, eine Komposition von Euday L. Bowman aus dem Jahr 1914, soll das ruhig tun. Doch Klare ist eben Klare und verspricht andere Hörgenüsse als einen klassischen Rag. Beinahe zum Zungenbrecher wird der zweite Titel auf der CD „As Baars Ab Portrays Ab Baars Is Being Portrayed“. Das erinnert ja an „Fischers Fritze fischt frische Fische“! Ein aufgeregtes Geschwätz mit kurztönigen Passagen stellt sich als Bild ein, wenn man die ersten Sequenzen des Titels vernimmt. Das Saxofon surrt, summt und grunzt anschließend in unterschiedlichen Lagen. Es pausiert kurz und schreit dann in spitzen Tönen. Hier ein Schluchzen, da der Ton eines Flügelschlags einer vorbeikommenden Fliege und dann ruhiges Dahingleiten in entsprechend ausgebildeten Sequenzen – das ist das, was Jan Klare uns anbietet. Schnelle Läufe hingegen sind kennzeichnend für „Shave“, ohne dass sich das typische Brummen eines elektrischen Rasierers einstellt. Aber vielleicht schwört ja Jan Klare auf Nassrasur? Dass auch ein Altsaxofon schön brummen und schnalzen kann, stellt dieser Titel durchaus unter Beweis, auch wenn man über den Titel irritiert sein muss. Aus der Tiefe des Raums heraus und die besondere Akustik der Stadthausgalerie nutzend entwickelt Jan Klare „Cortlandt Homes“ - wieder so ein Titel, über den man als Zuhörer rätseln muss. Vielleicht sind aber die Titel ganz unwesentlich und nur gewählt, damit nicht wie in der modernen Kunst der Gegenwart Kunstwerke mit „ohne Titel“ bezeichnet werden müssen. Nun gut, lauschen wir dem Geräuschteppich, den Jan Klare vor uns ausbreitet. Bisweilen müssen wir dabei auch an Sphärenklänge denken, mit denen Bilder vom Nordlicht unterlegt werden. Eine Zeit lang meldet sich auch ein Drum Computer als Klares Begleiter. Doch dominierend bleibt Klares Saxofonsound, der so anmutet, als sei er in einem unterirdischen Gewölbe erzeugt worden.

Auch bei „Lawnmower“ wartet man wie bei „Shave“ vergeblich auf den Sound, den sich Geräuschdesigner ausgedacht haben. Kurze flotte Beats und ein frohlockendes Saxofon sind stattdessen zu hören. Der Mähroboter aus dem Hause Husqvarna ist nicht anwesend, definitiv nicht. Sind das nicht lang gezogene Fanfarenklänge, die Klare bei „Misia“ einstreut, ehe er für uns eher minimalistisch angelegte Musik in „Monadnock Valley“ zum Besten gibt? Fazit: Wer Soloeinspielungen jenseits von Pianosolos und freie Musik schätzt, der kommt bei der aktuellen CD voll und ganz auf seine Kosten.

© ferdinand dupuis-panher

Informationen

Label

www.poise.de

Künstler

Jan Klare
http://www.janklare.de/klare/wordpress/

Audio

12th Street Rag
https://www.youtube.com/watch?v=WgSrtU9U05E

 


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