Stadt meets Dorf – Metropolis meets the Countryside or Jan Klare meets Heulende Kurve ('Howlin' Bend')!

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Zahlreich waren sie gekommen, die Jazzliebhaber aus Münster. Jedenfalls reichte die vorhandene Bestuhlung wie beim ersten Konzert nicht aus, um jedem einen Sitzplatz anbieten zu können. Jazz aus der Region stand auf dem Programm, wie der stellvertretende Kulturamtsleiter in seinen einleitenden Worten hervorhub. Dann hieß es: Jan Klare solo.

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Das Basssaxofon bestimmte die Linie

Nicht etwa mit seinem Altsaxofon saß Jan Klare auf der Bühne, sondern mit einem gewaltigen Tieftöner. Nein, er spielte kein Baritonsaxofon wie Céline Bonacina bei ihrem Münsterauftritt, sondern ein Basssaxofon mit beeindruckenden Maßen. Eine schwere Last hatte sich Jan Klare da aufgebürdet, im wahrsten Sinne des Wortes. Begleitet wurde er von zwei Maschinen namens „Yamaha Brothers“, die nicht nur für genaue Beats und Drives sorgten, sondern hin und wieder auch für eine zweite Saxofonstimme. Eigentlich hatte sich der eine oder andere Anwesende unter „allerlei Krimskrams“ – so war Jan Klares Auftritt nämlich im Programmflyer angekündigt worden – etwas anderes vorgestellt. Doch vielerlei perkussive Instrumente waren nicht im Einsatz. 

Der „Ortsvorsteher der Dorfsplittergruppe“ namens „The Dorf“ vertraute im ersten Teil des Abends ganz auf sich und seine beiden Maschinenkollegen, die aber nur das taten, was Jan Klare wollte. Mit Sinn für Witz und Humor kommentierte der Saxofonist aus Münster und Bandleader von „The Dorf“ - dieses Ensemble bestreitet am 4. Februar 2015 das Abschlusskonzert -, dass er heute erstmals im Trio auftrete. Allerdings habe es mit Yamaha PSR 350 Nr.1 und Yamaha PSR 350 Nr. 2 einige Probleme gegeben. Beide hätte ihm menschliches Versagen vorgeworfen. Das bezog sich wohl auf das richtige Gemisch von Beats und Saxofonsound. Zudem machte Klare deutlich, dass er vorwiegend spielen und wenig sagen werde. Also war man in der diesmal besser ausgeleuchteten Stadthausgalerie gespannt, was der Abend wohl bringen sollte.

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Rade und Gegenrede?

Klare ließ sein Instrument brummen, aber auch mit hellerer Stimme sprechen, bisweilen auch Säuseln. Er stimmte Rede und Widerrede an, indem er mit den Tonhöhen jonglierte. Auch ein hohes „Nee, aber“ konnte man vernehmen, wenn man als Zuhörer mit viel Fantasie ausgestattet war. Melodische Passagen und schnelle Rhythmen präsentierte uns Jan Klare, hier und da auch Triller und „knurrendes Tongelage“. Schrie da nicht jemand „Attacke“? Und war da nicht auch ein „Halt, Halt!“ zu vernehmen? Einige der tieftönigen Sequenzen erinnerten an Schiffssirenen, die sich im dichten Nebel Gehör verschaffen. Gleichförmig und gänzlich unbeeindruckt vom Brummen, Schnalzen, Säuseln, Knurren und Knarren waren die „Yamaha Brothers“. Sie blieben bei gleichförmigen Beats, wie wir sie von einschlägiger Rave- oder Techno-Musik kennen.

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Was macht das Maschinen-Duo eigentlich?

War da nicht ein bekanntes Thema, das gerade eben anklang? Doch, um welches handelte es sich denn? Man müsste ein enzyklopädisches Wissen haben, wollte man darauf eine Antwort geben. Die Antwort war eigentlich auch nebensächlich, kam es doch auf den tonalen Teppich an, den Jan Klare vor uns ausbreitete. Gezeter, Geschrei, Tumult, Aufstand – das sind auch Stichworte, die dem Zuhörer während der Vorstellung spontan in den Sinn kamen. Gleichform in den Saxofonpassagen war vernehmbar, ohne dass je Langeweile auftrat. Mal dominierte das Saxofon und ließ die „Yamaha-Brothers“ schweigen, mal gab es heftige Rhythmusschläge im Doppelpack.

Nun spielte Klare nicht, wie in so vielen Free-Jazz-Darbietungen, ununterbrochen, sondern machte schon kurze Pausen und Zäsuren, sodass man sich als Zuhörer auch ein wenig erholen und auf Neues orientieren konnte. Freie Musik im besten Sinne war das, was Jan Klare zur Debatte stellte. Meinte man in einem Moment noch, man vernehme einen auffliegenden Vogelschwarm, dann glaubte man im nächsten Moment, das Vibrieren schwerer Maschinen zu vernehmen. Jan Klare verwies in seinen wenigen Zwischentexten darauf, dass es sich bei den „Maschinenbrüdern“ um handelsübliche Geräte handele, die aber ein wenig Geduld im Umgang verlangten. Dem Maschinen-Duo entlockte der Münsteraner Musiker auch einige tiefe Tastentöne, als er zum zweiten Stück ansetzte. In diesem Stück fühlte man sich in einigen Passagen an die legendäre Einspielung „Before the Great Flood“ im leeren, unterirdischen Wasserreservoir in Köln erinnert. Auch Paul Horns konzeptuelle Musik schien nicht fern zu sein.

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„Moderne Zeiten“ im 21. Jahrhundert?

Beats im Akkord prasselten auf unsere Ohren nieder. Beinnahe infernalisch waren die Geräusche aus der Maschinenwelt, die zu „Modern Times“ passt, aber nicht mehr in unsere High-Tech-Welt mit all dem technologischen Zipp und Zapp. Klares Jazz war nicht geräuscharm, aber auch nicht perfekt und ausgefeilt bis zum letzten Takt. Aussetzer waren Teil des Programms. Daran hatten allerdings die Brüder Yamaha schuld, so der Musiker. Mit einem „Abstieg“ beendete Jan Klare sein Konzert, für das er auch recht zahlreiche Rufe nach einer Zugabe erhielt. Doch die „Heulende Kurve“ wartete schon auf ihren Gig.

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Die Heulende Kurve zwischen 'December Song' und 'Alone together'
Auf der Bühne standen Jazzmusiker verschiedene Musiker-Generation. Das war auch von Schlagzeuger Robert Weitkamp so gewollt. Dieser Münsteraner Musiker ist im Übrigen der Initiator einer weiteren Jazzreihe in Münster. Sie heißt „Heulende Kurve“ und ist in der Pension Schmidt zuhause.

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Mit der Winterruhe eingestimmt

Robert Weitkamp hatte sich den Altsaxofonisten Ansgar Elsner, den Kontrabassisten Jens Heisterhagen und den noch sehr jungen, überaus spielfreudigen Pianisten Julian Bohn in seine Combo geholt. Gespielt wurden zum Auftakt zwei Titel aus der Feder von Ansgar Elsner, „December Song“ und „All the things you can eat“. Wer dabei an den Standard „All the things you are“ dachte, lag gar nicht falsch, handelt es sich doch um eine freie Bearbeitung dieses sehr häufig gespielten Songs. Zunächst entführten uns Ansgar Elsner und Co. in den Dezember, den wir ja schon hinter uns gelassen hatten. Wer meinte, nun würden verjazzte Weihnachtslieder zu hören sein, der konnte beruhigt sein. Sie gab es nicht. Windsäuseln aus dem Saxofon traf auf zarte Pianoklänge und behutsames Bassgezupfe. Ruhe und Winterschlaf strahlte der Anfang der Komposition aus. Doch auch ein eher aufgeregt wirkendes Saxofon war zu vernehmen. Hatte da jemand die Winterruhe gestört? Im weiteren Verlauf setzte Ansgar Elsner seine „Duftmarken“ und ließ seinem Spiel freien Lauf, auch wenn der Bass und das Piano sich hier und da noch regten. Insbesondere Julian Bohn überzeugte dabei immer wieder durch seine fein gestimmten und gut gesetzten Pianopassagen, die aufgrund des bespielten Keyboards immer auch ein wenig nach Vibrafon klangen.

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Wie tief ist das Meer …?

Auch das nachfolgende Stück wurde von einem Saxofonsolo eröffnet. Leicht war das Spiel von Ansgar Elsner. Hier tanzte kein Iggy Pop des Jazz auf der Bühne so wie Marius Neset bei seinem jüngsten Münsterauftritt. Das war sehr wohltuend. So konnte man sich gänzlich dem wohltemperierten Klang hingeben. Die letzten Stücke, die wir hörten, waren alle bearbeitete Standards, ob „How Deep Is the Ocean“ oder „Alone Together“. Der erste Titel stammt von Irving Berlin, einem russischen Immigranten jüdischen Glaubens, der über Antwerpen in die USA ausgewandert und dort ganz wesentlich an der Entwicklung der Unterhaltungsmusik der 1930er Jahre beteiligt war.

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Der Bass durfte sich bei diesem Titel frei entfalten und solo agieren, ehe der samtige Klang des Saxofons sich dazugesellte. Insbesondere das Duett zwischen Ansgar Elsner und Jens Heisterhagen war ein Ohrschmeichler vom Feinsten. Dass angesichts der besonderen Akustik auch Ansgar Elsner wie Jan Klare unplugged spielten, war eine Wohltat gegenüber der verstärkten, allzu verstärkten Musik von Rose Hip am ersten Konzertabend. Leise Töne sind oftmals die besseren Töne.

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Noch ein Wort zu „Polka Dots and Moonbeams“, ebenfalls ein Standard im Programm der „Heulenden Kurve“: Julian Bohn konnte sich bei diesem Standard mit seinem versierten Spiel am Keyboard dem Publikum erneut präsentieren, ehe das Altsaxofon ins Geschehen eingriff. Auch im Duett von Bass und Piano, in den Klangfarben und Sequenzen an Barmusik um Mitternacht erinnernd, kam Julian Bohn mit seinem sensiblen Spiel voll zur Geltung.

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Alles tutti bei „Oleo“

Mit „Oleo“ von Sonny Rollins ließen alle Musiker, die an diesem Abend in der Stadthausgalerie zugegen waren, den Abend ausklingen. Auch wenn es keine Zugabe gab, war der Abend eine wahre musikalische Bereicherung. Man darf mit Fug und Recht auf die nächsten Konzerte gespannt sein, die Jan Klare organisiert hat. Stay tuned and let's jazz it.

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© text und fotos ferdinand dupuis-panther

Informationen
Jan Klare
http://www.janklare.de/klare/wordpress/

Heulende Kurve
Standards they played

How Deep Is The Ocean by Irving Berlin (1932)
http://de.wikipedia.org/wiki/Irving_Berlin

Alone together (1932)
"Alone Together" is a song composed by Arthur Schwartz with lyrics by Howard Dietz. It was introduced in the Broadway musical 'Flying Colors' in 1932 by Jean Sargen.

Polka Dots and Moonbeams (M: Jimmy Van Heusen, T: Johnny Burke, 1940)
http://de.wikipedia.org/wiki/Jimmy_Van_Heusen

Audio
Sonny Rollins: Oleo
https://www.youtube.com/watch?v=Pse9wHphsPI


Next concerts / Nächste Konzerte
28. Januar 2015: Manfred Wex Quartet meets Wellness feat. Marie Daniels

4. Februar 2015: The Dorf meets!
Einlass / Door opens at 7.30 pm, all concerts start at 8 pm, tickets for 7 Euro only at the box office just before the concerts begin.

 


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