Andrés Thor: Nordic Quartet

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Nordic Notes, Katalognummer: NN059, veröff. 2014

Wer ist denn Andrés Thor, wird man sich fragen müssen, denn hierzulande ist der isländische Gitarrist nur sehr wenigen bekannt. Andrés Thor begann seine musikalische Karriere im zarten Alter von 12 Jahren in seiner Heimatstadt Hafnarfjordur, einer kleinen Hafenstadt nahe von Reykjavík. Die Rockmusik von Led Zeppelin, The Doors, Jimi Hendrix und Bon Jovi war es, die ihn zunächst begeisterte. Als Teenager und auch später entdeckte er die Musik von John Coltrane und Pat Metheny für sich. Mehr und mehr fühlte er sich zur Jazzmusik hingezogen. Seine musikalische Hochschulausbildung begann er in Island, eher er dann an das Koninklijk Conservatorium in Den Haag wechselte, wo er auch seinen Master erwarb. Zu seinen Lehrern zählte unter anderem Hein v/d Geyn, zudem Michael Brecker, Kurt Rosenwinkel, John Abercrombie und Avishai Cohen.
Kaum bekannt ist aus seiner Zeit in den Niederlanden das Album “Wijnen, Winter & Thor”, zu dem er die Kompositionen beisteuerte. Weitere vier Alben folgten, ehe nun mit 'Nordic Quartet' auch beim deutschen Label Nordic Notes ein Album erschienen ist. Zum Quartett gehören der Isländer Andrés Thor (guitar, pedalsteel guitar), der Norweger Anders Lønne Grønseth (tenor & soprano saxophones, bass clarinet), der Däne Andreas Dreier (bass) und der schwedische Schlagzeuger Erik Nylander - eine gute skandinavische Mischung. 2012 hatten die vier Musiker erstmals gemeinsam auf dem Reykjavík Jazzfestival neues Material präsentiert, das nun als CD vorliegt. Das Cover der CD verwirrt ein wenig: Man sieht nicht etwa eine Stadtansicht der isländischen Hauptstadt oder von Oslo oder gar eine Collage der vier Hauptstädte der Länder, aus denen die Musiker stammen, sondern eine Ansicht von Haugesund. Warum bloß?

Neun Titel liegen nun frisch gepresst vor uns. Mit 'Butterfly' eröffnet das Quartett seinen nordischen Klangreigen. Lauscht man den Gitarrensprüngen von Thor, dann fühlt man sich an einige Einspielungen des nun 72-jährigen belgischen Jazz-Gitarristen Philip Catherine erinnert. Im „Gleichklang“ mit den Gitarrenpassagen bewegt sich Anders Lønne Grønseth in seinem wohltuend melodischen Spiel auf dem Saxofon, das durch ein Solo von Thor abgelöst wird. Gleicht das nicht ein wenig dem legendären Hummelflug in neuem Kleidchen? Hm, oder kommt da ein Schmetterling beim Nektarsammler einer Hummel in die Quere? Man beachte dazu das eingängige Basssolo, ehe dann das helle, leicht samtige Saxofon die musikalische Hauptrolle übernimmt.

Die Musik, die uns das Quartett vorstellt, mutet sehr konzertant an. Die Gleichsetzung von Jazz mit schrägen Tönen liegt dem Nordic Quartet sehr, sehr fern, wie man beim intensiven Hören aller Titel feststellt. Eine mäßig-getragene Einspielung folgt auf den schwirrenden Tanz des Schmetterlings. Wunderbar ist das Zusammenspiel von Bassklarinette – im Jazz ein selten gehörtes Instrument – und der Gitarre. Thors Gitarrenphrasierungen schweben leicht durch den Raum. Darunter liegt eine tieftönige Klangwolke der Bassklarinette, die Anders Lønne Grønseth mit Verve spielt. Da ist kein „Swing, Swing, Swing“ und kein Klezmersound zu hören, sondern ein kräftiges, volles Brummen, das Thors Wohlklangspiel unterstützt. Mit dem Stück 'Komodo' steht eine Reise nach Asien auf dem Programm. Aber wie sollte eigentlich Südostasien klingen? Nein, vier musikalische „Wikinger“ bleiben sich durch und durch treu und spielen ein Stück mit „Fjordsound“ nebst all seiner Eleganz, die wir ja bereits von Jan Gabarek gewöhnt sind. Von Weite muss man reden, hört man der Musik aufmerksam zu. Die ferne Insel im Archipel Indonesien drängt sich nicht auf, eher kommen uns beim Zuhören Geirangerfjord und Hardangervidda in den Sinne. Hören wir da nicht auch eine Pedalsteel-Gitarre? Auch dies ist im Jazz eher selten und wahrscheinlich der Liebe Thors zur Rockmusik geschuldet. Nach und nach stellt sich beim Hören von 'Komodo' ein Gefühl von Chill-out ein. Entspannung pur ist angesagt. Herrlich!

Vier weitere Titel auf der CD tragen nordische Namen wie 'Stuttlega' und 'Fjardarmani'. Leider gibt es dazu keine weitere Erläuterung, denn ein beiliegendes Booklet ist nicht produziert worden. Wenn meine Recherche korrekt ist, so bedeutet 'Stuttlega' kurz angebunden und unfreundschaftlich – ein eher überraschend anmutender Titel. Denn davon ist in der Musik gar nichts zu vernehmen. Im Übrigen hat man bei Thor hier und da den Eindruck, Joe Pass, Jim Hall, Atilla Zoller und nicht nur Pat Metheny hätte gehörigen Einfluss auf den isländischen Gitarristen genommen. Nein, er kopiert den Stil dieser legendären Jazzgitarristen nicht, sondern bleibt durch und durch eigenständig im Spiel, zumal das Spiel mit Pedalsteel ganz und gar ein Markenzeichen des Thorschen Jazz ist. Wer oder was ist bloß 'Squiek'? Nur eine Lautmalerei oder eine andere Form von 'Squeak'? Das würde dann quieken und knarren bedeuten. Egal, ein bisschen Bebop und Hard Bop reloaded erklingt bei dieser Komposition Thors, begleitet von sehr rockigen, teils sphärisch verzerrten Gitarrensounds. Also doch eher Fusion? Fazit: Das Nordische Quartett macht Lust auf mehr!

© ferdinand dupuis-panther


English summary
Andrés Thor's new album "Nordic Quartet" continues where "Mónókróm" left off but this time with a nordic collaboration and a different instrumentation. Andres Thor has put together a band of musicians from Iceland, Norway, Denmark and Sweden resulting in a quartet of four highly accomplished musicians that, although coming from different places and backgrounds, are united through this music and have a unique musical kinship and chemistry. The music is rooted in tradition but branches out with a broad spectrum of influences that flourish in the bands performance.

© ferdinand dupuis-panther

Label
http://nordic-notes.de/#tab3

Band
http://www.andresthor.com/index.php/en/

 


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