There is still more Jazz at Münster

The 25th International Jazzfestival is over but there is a kind of Fringe Jazzfestival on the agenda.  Rose Hip meets Fritsche/Nebel/Camata aka Wayne Shorter was just the opener.

Stadt trifft Land – Vorhang auf für Rose Hip und Camatta & Co

Der Wahlmünsteraner und zugleich Chef des Ruhrgebietsmusikkollektivs „The Dorf“ Jan Klare und das Kulturamt laden in die Stadthausgalerie ein. „Dorfsplittergruppen“ aus dem Ruhrgebiet treffen interessante Jazzkünstler aus Münster, und das jammt. Das Internationale Jazzfestival Münster kümmert sich um die große weite Welt. Und welche Art Jazz ist hier vor Ort und in der Region zwischen Münsterland und Ruhrpott lebendig? Dazu geben die angesetzten Konzertabende in der Stadthausgalerie Münster einen Einblick. Dialog und Konfrontation ist das Motto.
Neues Hören ist angesagt. Das gilt besonders für die erste Gruppe des Abends: Der Essener Schlagzeuger Simon Camatta, der während des 25. Internationalen Jazzfestivals Münster sein Projekt „Camatta Monk“ vorstellte, nimmt sich für den heutigen Abend die Musik von Wayne Shorter vor. Wie Monk ist auch Shorter eine der Größen des us-amerikanischen Jazz. Von „Witch Hunt“ über „Juju“ führt uns das Trio Fritsche/Nebel/Camatta schließlich zu „Footprints“. Dabei steht das Prinzip Zufall, so hatte es den Anschein, im Vordergrund. Die Drei spielen Shorter nicht einfach mit wenigen Modulationen und Varianten, sondern im beinah endlos freien Spiel.

Fritsche/Nebel/Camatta plays Wayne Shorter reloaded!

Camatta-Fritsche-NebelDSC07904Bei der Begegnung von Stadt und Land machen sich Felix Carlos Fritsche (alto sax), Johannes Nebel (bass) und Simon Camatta (drums) von Essen auf nach Münster. Land sieht eigentlich anders aus, aber man braucht nun mal einen griffigen Titel, um ein derartiges „Fringe Festival“ aus der Taufe heben zu können.

Für einen gewöhnlichen Mittwochabend sind erstaunlich viele interessierte Besucher in die Stadthausgalerie gekommen. Etwa 70 Zuhörer wollen Wayne Shorter im neuen Gewand ebenso erleben wie „Rose Hip“, die sich eher dem Soul, Funk, Reggae mit kleinen Jazzhäppchen verschrieben haben. Das Essener Trio Fritsche/Nebel/Camatta hingegen nutzt die Kompositionen Wayne Shorters, um diese in eine recht freie Spielweise aufgehen zu lassen. Es gab kein Schema wie Thema-Solo-Bridges-Solo-Thema, sondern ein Miteinander mit allen Freiheiten, um irgendwann auch zum puren Shorter zu finden. Mithin gab es eine ausgiebige Frischzellenkur des Jazz – und das war eine Wohltat, trotz gewisser Höranstrengungen, die das Spiel von etwa 40 Minuten ohne Unterbrechungen mit sich brachte.

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Doch der Reihe nach: Aufmacher ist „Witch Hunt“ - man höre sich mal in Nachtrag die Einspielung von Shorter von 1964 an! Schnell wird man feststellen, dass im Trio Fritsche/Nebel/Camatta kein Pianist seine Synkopen und Sequenzen zum Besten gibt. Das scheint aber nicht von Nachteil zu sein, denn Camatta & Co. verstehen sich nicht als Epigonen. Sie schaffen Eigenes und stehen dabei bildlich auf Shorters Schultern, ohne Shorter kopieren zu wollen. Im Gegenteil: Felix Carlos Fritsche ist ein Tonkünstler in eigener Sache und setzt sein Altsaxofon völlig anders ein als Wayne Shorter, den viele sachkundige Jazzkenner mit John Coltrane und Sonny Rollins der „vordersten Linie“ der Saxofonisten im Modern Jazz zuordnen. Man vermisst beim Hören auch nicht McCoy Tyner, der bei „JuJu“ von Shorter mit von der Partie ist.

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Wer Fritsche/Nebel/Camatta hört, hört eh das Dreigespann und keine enge oder weniger enge Anlehnung an das Vorbild. Dabei werden Klangbilder und Klangwolken sichtbar, die man auch bei den genannten Shorter-Titeln findet; langsame und schnelle Passagen, starke und schwächere Akzentuierungen dank des Schlagzeugs und immer wieder Saxofonsolos oder Duette mit dem Bass. Beim Spiel verschmelzen „Witch Hunt“, „E.P.S., „JuJu“, „Nefertiti“ und „Fall“ zu einer Einheit, in der Höhen und Tiefen, Tempowechsel, Duette und Solos ihren Teil dazu beitragen, ein Ganzes zu schaffen.

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Zu Konzertbeginn streicht Camatta über die Becken seines Schlagzeugs, ehe ein verhalten gesetztes Altsaxofon das Wort nimmt. Dann flirrt und kreischt Felix Carlos Fritsche für wenige Momente. Danach traktiert dann Camatta mit voller Energie die Felle seiner Trommeln. Umspielt da nicht das Saxofon das fragmentierte Thema, ehe dann Fritsche unerwartet das Verhaltene aufgibt und die Lautstärke anschwellen lässt? Es klingt wie das An- und Abschwellen eines Klagegesangs, oder? Simon steuert dazu die notwendigen Beats bei, ohne vom Saxofon schnellere Wechsel zu fordern. Ohne Vorankündigung klingt dann das Saxofon überaus aufgeregt. Doch die Aufregung vergeht.

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Wer bis dahin nach den Shorter-Themen gesucht hat, muss ein sehr ausgewiesener Kenner und geschulter Hörer sein. Doch warum kann man nicht einfach das Spiel des Essener Dreigestirns genießen? Man muss sich bei den Dreien auf Überschläge, auf furioses Schlagwerk, auf nur gehauchte Luftströme im Mundstück des Saxofons, auf den Tieftöner mit dem runden Bauch genannt Kontrabass sowie auf Schnalzen und Kreischen des Saxofons einlassen. Mal gibt es Crescendo, mal nixht. Wenn der Tieftöner brummt und brummt, dann unterbricht das Brummen ein Glöckchenklang oder ein Trommelwirbel. Mal denkt man das Saxofon habe das letzte Wort, doch nein dann meldet sich entweder das Schlagzeug oder der Bass. Das ist spannend zu hören und gewiss muss man das live erleben.

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Zum Schluss können die doch recht zahlreich erschienen Jazzfreunde noch kurz den Takten von „Footprints“ folgen. Dieses Stück beginnt im Original mit einem Bassintro, gefolgt dann von Shorters unnachahmlichem Spiel, zu hören auf dem Album „Adam's Apple“ gemeinsam mit Herbie Hancock. Doch Camatta & Co. Verstehen es auch bei diesem Titel, ihre eigene Würzmischung zu servieren und das fand langen Beifall.

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„Ein bisschen Hagebutte gefällig“

Rose-Hip-A.Morsey-C.Hagedorn-C.HammerDSC07765... heißt es im zweiten Teil des Konzerts im Nachgang zum 25. Internationalen Jazzfestival Münster. Zu hören ist die Sängerin Christiane Hagedorn nebst dem Bassisten, Sousafonisten und Tubaisten Alex Morsey, dem Gitarristen Christian Hammer, dem Keyboarder, Melodica-Spieler, Trompeter sowie Flügelhornspieler Martin Scholz und dem Drummer Christian Schoenefeldt. Früchtetee gibt es nicht zum Schlürfen – Tee-Kenner schlürfen Tee! –, dafür aber eine Mischung aus Pop, Soul und Funk, gewürzt mit einer leichten Prise Jazz. Christiane Hagedorn setzt sich mit ihrer rauchig-souligen Stimme von den herkömmlichen (Jazz)sängerinnen ab, wobei die Frage im Raum steht, ob Rose Hip überhaupt Jazz spielt. Bisweilen meint man, bei Hagedorns Vortrag auch ein bisschen Tina Turner durchschimmern zu hören. Mit „Lonely“ beginnt Rose Hip ihr Programm, stellt „Mr. Right“ ins richtige Licht, unternimmt mit „Belalim“ einen Ausflug an den Bosporus und beendet das Konzert mit „This Girl“. Ganz am Schluss sind dann alle Musiker zusammen auf „Bühne“, um gemeinsam mit „Gee Baby“ die Begegnung von Stadt und Land zu „feiern“.

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Der hallende Raum verträgt keine stürmischen Klangkörper, das wird schon beim ersten Stück von Rose Hip klar. Das, was als Appetithäppchen gedacht ist, will nicht so recht munden. Nach „Lonely“ präsentiert die Combo „Die in Spring“ mit deutlichem Einschlag von Blues, wozu auch Martin Schulz an den Keyboards beitrug. Sind das Keyboards? Es klingt wie eine Hammond B3 im Stil von Jimmy Smith, so jedenfalls die Assoziation beim Klangbild, das sich im weiteren Verlauf sehr funkig entwickelt. Die Ventures mit ihren Instrumental-Hits der 1960er Jahre sind out, der Reggae auch nicht mehr das, was er einmal war, doch Rose Hip schwört auf beides, wenn „Little Song For You“ vorgetragen wird. Irgendwie vermisst man aber den Gleichlauf von Ska- und Reggae-Beats zum Gesang. Oder vermisst man das nur, wenn man bei Reggae zu sehr Bob Marley im Ohr hat? Gefolgt wird dieser Song, dessen Lyrik im Soundwirrwarr nicht zu verstehen ist, von „Just A Word“, gemünzt auf die Einsilbigkeit in Beziehungen oder auch im Umgang von Eltern mit pubertierenden Kindern, wie Christiane Hagedorn einleitend bemerkt.

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Irgendwie kommt einem „Fever“ in den Sinn, hört man eine Weile „Just A Word“, eine Komposition, die zwischen Blues und Soul anzusiedeln ist. Vielleicht ist das auch den Riffs von Christian Hammer geschuldet. Suchen nicht alle Frauen irgendwie ihren „Mr. Right“? So tut es zumindest gesanglich auch Christiane Hagedorn. Großartig sind bei diesem Titel die Sousafoneinlagen von Alex Morsey, der sich brummend Gehör verschafft. Als Mr. Right? Mit einem Song „This Girl“, den Christiane Hagedorn ihrer Tochter gewidmet hat, beendet Rose Hip ihren Auftritt, der eigentlich nur dann bei ruhigen, balladenhafte Passagen überzeugt.

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Welch ein Kontrastprogramm hatten die Veranstalter denn da zusammengestellt, muss man als Fazit des zweiten Konzertteils ziehen: hier Jazz eher in Richtung Free Jazz und dort Souliges und Blues sowie Pop, überwiegend abseits von Jazz. Noch eine Schlussbemerkung: Die Akustik der Stadthausgalerie schreit nach unplugged und nicht nach plugged! Außerdem: Muss Jazz eigentlich so wie in Münster im Halbdunkel stattfinden? Bar- oder Klubatmosphäre ist so eh nicht zu evozieren. Dann kann man sich auch voll ins richtige Rampenlicht stellen, was m. E. bei Jazz dringend angezeigt ist.
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Text und Fotos © ferdinand dupuis-panther

Informationen
Weitere Konzerte /additional concerts
21. Januar 2015: "Heulende Kurve" meets the saxofonistJan Klare
28. Januar 2015: Manfred Wex Quartet meets Wellness feat. Marie Daniels
4. Februar 2015: The Dorf meets!
Einlass / Door opens at 7.30 pm, all concerts start at 8 pm, tickets for 7 Euro only at the box office just before the concerts begin.

Bands
RoseHip
http://www.christianehagedorn.de/

Simon Camatta
http://simoncamatta.de/


Audio
Wayne Shorter
Witch Hunt
https://www.youtube.com/watch?v=njo1zvr216s

Footprints
https://www.youtube.com/watch?v=3XvJFW0DHbU

Fall
https://www.youtube.com/watch?v=r6nIdUtLggU
(keine Shorter Originaleinspielung!)

JuJu
https://www.youtube.com/watch?v=Wq4iU9ZeU-A

 


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