Das war das Internationale Jazzfestival Münster 2015

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Der rote Flügel hat die Bühne des Großen Hauses des Theaters in Münster verlassen. Für „Inbetween“ im nächsten Jahr wird er durch einen schwarzen Flügel ersetzt. Dem künstlerischen Leiter Fritz Schmücker ist es auch im Jubiläumsjahr gelungen, Klangfarben unterschiedlichster Art gegen- und nebeneinanderzusetzen. Doch wäre angesichts von 17 Konzerten weniger nicht eigentlich mehr gewesen?
Der Bogen des Festivals spannte sich von Stockholm bis nach Süditalien. Den Auftakt zum Festival machten ELG, die Elin Larsson Group mit ihrer Frontfrau Elin Larsson am Sopran- und Tenorsaxofon. Den fulminanten Schlussakkord sollte das gewaltige Minafric Orchestra setzen. Doch das gelang aus meiner Sicht nur unzureichend, wenn gar gänzlich nicht. Bei einem Projekt „For Mandela“ erwartet das Publikum afrikanische Beats und Sounds, auch wenn ein solches Projekt nicht den Fußstapfen von Abdullah Ibrahim und seiner Einspielung „African market Place“ folgt. Was das Minafric Orchestra bot war Big Band im klassischen Sinne und daran änderte auch die Einlage des Spiels mit den Glasharfen nichts. Immer wieder hieß es tutti und nur gelegentlich erhob sich ein Solist, sodass man die jeweiligen Musiker hinter den „Barrikaden“ von Notenständern überhaupt mal zu Gesicht bekam.
Nun gut, das Konzept des künstlerischen Leiters Fritz Schmücker ist für das Festival aufgegangen. Es gab Überraschendes und Konventionelles, es gab Ansätze von Free Music, aber auch „kompositorische Systeme“, die abgezirkelt und bis ins letzte I-Tüpfelchen ausgefeilt gespielt wurden. Stark vertreten war Skandinavien ebenso wie Frankreich. Allein drei Gruppen aus dem Hohen Norden unterstrichen mit ihrer Musik eine Tradition im modernen Jazz, die mit Jan Gabarek auch in den Rest der Welt und Europas gelangte.

Tag 1

Stockholm grüßt mit Jazz

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Vorhang auf für ELG! Nein mit dem Rentier hat das nicht zu tun, sondern mit sattem Sound aus Stockholm, wo die Bandmitglieder zuhause sind, ob Elin Larsson an den Saxofonen, Kristian Persson an der Posaune, Niklas Wennström am Bass, Hendrik Hallberg an der Gitarre und Johan Käck am Drums. Von Trollen und dem legendären Krebsessen zu Mittsommernacht erzählt Elin, die für die Komposition der Songs verantwortlich zeichnet, nicht, dafür aber von einem „Monster“, einem Titel, auf den sie beim Hören von „Radioheads“ kam und der sich damit beschäftigt, wie man mit den eigenen Seiten umgeht, die man so gar nicht mag. Dramatische Passagen wechseln sich bei den gespielten Songs aus den beiden letzten CDs mit ruhigen Sequenzen ab. Bisweilen kommt dank Henrik Hallberg auch ein bisschen der Geist von Free Jazz und Fusion auf. Schmatzen, Schnalzen, Quieken, Triller, Pfeifen – all das entlockt Elin ihrem Sopransaxofon, das sie ebenso beherrscht wie ihr Tenorsaxofon. Dagegen setzt Kristian Persson gekonnt weiche, epische Passagen auf seiner Posaune. „Dark Skies“, so erläutert es Elin kurz und knapp, habe nun nichts mit Herbststürmen zu tun, sondern beschreibe eher eine melancholische Stimmung. Wie dunkle, sich zusammenbrauende Stimmungswolken gerät dann auch der von Elin angestimmte Saxofonpart. Nicht nur in diesem Stück ist das zurückhaltende und dezente Drumming von Johan Käck wahrzunehmen. Endlich mal ein Schlagzeuger, der sein Instrument nicht als energiegeladene „Schießbude“ begreift. Wie in diesem Song kommen alle Bandmitglieder auch im weiteren Konzertverlauf zu kurzen Solos. Elin ist zwar die Frontfrau, aber eine dezente und fernab des Egomanischen eines Marius Neset, wie im Verlauf des Festivals festzustellen ist. Von der CD „Let you in“ gibt es „I surrender“ zu hören und von der letzten CD den Titel „Growing up“, ein Rückblick auf die eigene Kindheit und Jugend. Von Nils Landgren kennen wir den spezifischen skandinavischen Sound, der stets mit dem Begriff „Weite“ assoziiert wird. Dies vernimmt man auch bei ELG, insbesondere wenn Kristian Perssons Posaunensequenzen den Saal füllen. Unvermittelt assoziiert man mit dieser Art von Klang Bilder von der menschenleeren schwedischen High Coast nördlich von Sundsvall oder von Lappland. Mit „It's Gonna Be Ok“ verabschieden sich Elin und ihre Mannen vom Publikum.

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Schiefel/Friedman und ...

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Kontrastreich ist ja das Motto von Fritz Schmücker und das trifft unbedingt zu, als dann nach ELG der Vokalist und Professor für improvisierte Musik Michael Schiefel – in diesem Jahr der Gewinner des Westfalen Jazz Award – gemeinsam mit seinem einstigen Lehrer und Vibrafonisten David Friedman die Bühne betritt. Was machen die beiden da eigentlich auf der Bühne? Comedy, Vaudeville, Parodie, Satire, Jazz, Jazzstandards in buntem Gewand? Von allem ein bisschen und dabei wird deutlich, dass Jazz nicht verkopft sein muss, sondern durchaus seine spaßig-unterhaltsamen Seiten hat. Augenzwinkern und Ulk sind ja keine schlechten Begleiter für eine Musik, die mehr oder minder ein Nischendasein fristet. „Ich fange einfach an und David Friedman spielt dann mal die Quinte darüber.“ Schon sind wir mitten drin in dem Spiel eines Duos, das sich blind vertraut. „Ihhh, ahhha ...“ ist zu hören, während Friedman sanft seine Schlegel über die Metallstäbe gleiten lässt. Mit „Jalalala“ geht es weiter und dann kommt von Michael Schiefel noch ein „Umdudadumdum“ dazu. Schaut man dem auf der Bühne gestenreich agierenden Michael Schiefel zu, ja dann weiß man, einen Bass brauchen die beiden nicht, denn die Stimme und die begleitenden Handbewegungen reichen dazu. Auch das Schlagzeug vermisst keiner, denn das beherrscht Michael Schiefel vokal. Eigentlich fehlt nur noch „Hurz-hurz“, aber das ist ja schon abgegriffen.
„Imagination is funny ...“ so beginnt eine Lyrikzeile, die ans Ohr des Zuhörers flattert, und dann geht die Versform in Scat Vocal über. „Ima.., Ima.. Imagination ...“, noch so ein Wortfetzen, den man vernimmt. Es ist schon faszinierend zu erleben, was man aus einem bunten Allerlei an Standards so zaubern kann. Michael Schiefel ist ständig in Aktion. Gestik und Mimik begleiten die Songs, die bisweilen so angelegt sind, als wären sie Parodien auf Operettendiseusen – und das beinhaltet auch Schiefels Körpersprache. Bei dem Duo Friedman/Schiefel summt und brummt die Welt, nicht nur wenn Loops eingesetzt werden. Großes Theater mit viel Leichtigkeit!

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Liberetto und Liberetto II

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Bis ins I-Tüpfelchen ausgefeilt – das ist der Jazz, den der schwedische Bassist Lars Danielsson auf die Bühne bringt. Teile aus den Veröffentlichungen "Liberetto“ und "Liberetto II“ stehen auf dem Programm. An Danielssons Seite ist unter anderem der Schlagzeuger Magnus Öström zu hören, der einst zusammen mit dem auf tragisch Weise ums Leben gekommen Esbjörn Svensson auftrat. Er versteht es mit beinahe tänzerischer Leichtigkeit alles aus seinem Schlagzeug herauszuholen, was man sich wünscht. Eine rockige Note gibt der Gitarrist John Parricelli dem Klangkörper Lars Danielsson Group und so wird aus kammermusikalischem Jazz eben auch Fusion im besten Sinne.
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Balkan oder was?

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Das Finale des Tages, besser des frühen Morgens gehört dem Vasko Atanasovski Visions Ensemble, einer Multikulti-Jazzband. Besonders brillant sind die Solos, die der italienische Akkordeonist Simone Zanchini zum Besten gibt. Was man aus einem derartigen Tasteninstrument herausholen kann, das zeigt Zanchinii, und zwar mit vollem Körpereinsatz. Ungewöhnlich ist die Besetzung der Combo, denn neben einem Tubaisten gibt es mit der chinesischen Lauten- und Zitherharfenspielerin Xu Fengxia eine Instrumentalistin, die im Jazz wohl eine Exotin ist. Leider verzichtet Vasko Atanasovski vollständig darauf, auf Xu Fengxia einzugehen und wenigsten in kurzen Worten die Instrumentierung vorzustellen. Insgesamt drängt sich beim Zuhören auch der Eindruck auf, dass das Ensemble kein wirkliches Ensemble ist, also ein eine gelungene Melange, sondern dass man Puzzleteile erlebt, die noch zu einem wirklichen Ganzen zusammenzufügen sind.
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Tag 2

 

Open Heart

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Neben zwei Konzerten im Kleinen Haus sind wiederum vier Konzerte im Großen Haus zu erleben. Den Anfang macht die zierliche Baritonsaxofonspielerin Céline Bonacina, die ebenso wie Lars Danielsson ein ausgefeiltes Musikmenü – darunter auch „Open Heart“ von der gleichnamigen bei ACT erschienenen CD –serviert. Dass sie nicht nur einen schwergewichtigen Tieftöner beherrscht, sondern auch gesangliches Können besitzt, unterstreicht sie bei Vokalsequenzen mit ihrem Bassisten Olivier Carole, dem Vibrafonisten Illya Amar und der Sängerin Himiko Paganotti. Deren Stimmgewalt und variantenreiches Scat Vocal sind überaus beeindruckend. Immer wieder würzt Bonacina mit ihrem schmatzenden und schmetternden Tieftöner, aber auch mit dem Sopransaxofon das Klangbild. Hier und da scheinen auch Nat und Cannonball Adderley vorbeizuschauen oder südamerikanisches Flair der Musik Bonacinas beigemischt worden zu sein – jedenfalls in Momentaufnahmen. Über dem satten Baritonsaxofon schwebt an diesem Abend der Klangdunst des Vibrafons. Teilweise Sphärische gewebte Klangbilder erfreuen das überaus begeisterungsfähige Publikum.

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Jas, Jas, Jas, per, per, per ...

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Dann betritt ein Grande des europäischen Jazz die Bühne: Jasper van't Hof, der Mann, der Pili Pili und Hot Lips zum Leben erweckte und der nun gemeinsam mit Markus Stockhausen (Trompete und Flügelhorn) sowie dem aus Südfrankreich stammenden, aber Deutsch sprechenden (!!) Drummer Patrice Héral auftritt. Dieser entwickelt zum Schluss des Auftritts der Drei aus dem typischen „Beatboxrausch“ ein herrliches Slamming, sehr zur Freude auch von Jasper van't Hof, der dazu im Taktmaß über die Bühne „stolziert“. „Sommerluft im Januar“ hüllt die Zuhörer ein, und bei „Quiet American“ wird Ruhe und Stille zwar nicht umgesetzt, denn sonst hätte das Trio verstummen müssen, aber sehr zurückhaltend schlägt Héral auf Tromelfelle und Becken ein. Zart gesetzt sind dazu die Flügelhornpassagen von Markus Stockhausen. Es scheint, als solle im Kopf der Zuhörer das Bild von einem dahinplätschernden Bächlein in flirrender Sommerluft erzeugt werden – Idylle pur. Den Titel „Free“ kommentiert Jasper mit der Bemerkung, dass er den Titel nicht kenne, aber sein Name stehe darunter. Irgendwie vermisst dann Jasper van't Hof sein Mikrofon für eine Ansage. „Das Radio hat mir mein Mikrofon weggenommen, aber ich hoffe man kann mich auch so in Recklinghausen verstehen“, eine das Publikum erheiternde Zwischenansage während eines Livemitschnitts. „Free“ ist wirklich freie Musik, und Jasper brilliert beim Spiel von Piano und Keyboard zur gleichen Zeit. Der Ausklang ist dann das bereits angesprochene Slamming, unerwartet und überaus unterhaltsam: „Jas, Jas, Jas, per, per, per, van't, van' Hof …“ sind mir noch nach dem Konzert im Ohr geblieben und zudem den Münsteranern, die mit dem Festival in die Jahre gekommen sind und die Mehrzahl der Besucher an allen Festivaltagen bilden.

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Eine Einmannshow

Nach einem solch furiosen Auftritt hat es der noch junge, griechische Pianist Nikolas Anadolis mit seinem Trio sehr schwer, die Welle der Begeisterung weiterzutragen. Sein lyrisch-poetisches Spiel muss man mögen oder eben nicht. Bedauerlicherweise hat der ja hier eher unbekannte Pianist die Chance vertan, auch einige wenige Worte zu seinen Kompositionen zu verlieren.

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Das Ende des Abends gehört einem allseits umjubelten norwegischen Shootingstar, dem Saxofonisten Marius Neset. Auch er hat sich zahlreiche Musiker auf die Bühne geholt, um sein Septett zu präsentieren. Zu diesem gehört auch seine Schwester, die Flötistin Ingrid Neset, die ihre herausragende Spieltechnik bei wenigen Solos unter Beweis stellen darf. Doch das sind die kurzen Momente gewesen, in denen Neset nicht seine Einmannshow zelebriert. Wer einen Akkordeonisten und einen Pianisten in seine Combo aufnimmt und denen keine Chance zur Improvisation und Solos gibt, der kann auch auf beide Klangkörper verzichten. Insgesamt wirkt das Spiel von Neset wenig entspannt, gewollt kraftvoll und sehr angespannt. Ob ihm dabei nicht in der nahen Zukunft die Luft ausgehen wird, fragt man sich als Zuhörer?
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Tag 3

 

Kinder zum Jazz

Der Sonntag beginnt, wie in den Jahren zuvor, mit einem Kinderkonzert. Ein solches Modul ist bitter nötig, soll der Jazz überleben. Nur wenn der Nachwuchs mit Jazz, diesmal gespielt von der Big Band Dorsten, konfrontiert wird und Jazz in ein kindgerechtes literarisches Programm eingebettet ist, wird Jazz überleben. Ohne Nachwuchs, der die ergraute Hörerschaft von Jazzmusik ersetzt, wird diese Musik noch weiter in eine stille Nische gedrängt werden.

 

„Stilvolles mit Widerhaken“ …

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… präsentieren dann die „deutsch-französischen“ Jazzmusiker Airelle Besson (tp), Sebastian Sternal (piano) und Jonas Burgwinkel (drums), ehe schließlich im Kleinen Haus Camatta Monk auf dem Programmzettel steht. Nein, für Monk muss man keinen Pianisten haben. Das unterstreichen der Schlagzeuger Simon Camatta, der Trompeter Flavio Zanuttini, der Tenorsaxofonist Julius Gabriel und der Kontrabassklarinettist und Baritonsaxofonist Florian Walter an diesem Sonntagnachmittag in Münster.

Abseits der Musik fand Simon Camatta als einziger der auf dem Festival aufspielenden Musiker klare und deutliche Worte zu dem Massaker an den Journalisten von Hebdo Charlie und zu Pegida: „Münster ist ein Mekka des Jazz – zumindest im Januar.“ Dann schloss er einige Worte zum „Mekka in Dresden“ an und forderte zum Widerstand gegen Pegida und andere Gewächse fremdenfeindlicher Natur auf.

Doch nun zu Monk und Camatta Monk. Camatta Monk hat Monk in sich, aber eben auch Camatta. Die Themen Monks werden aufgegriffen, keine Frage, aber auch in der Art einer schrägen Blaskapelle und im Sinne von freier Musik – und das ist gut so. Camatta selbst hält sich bis auf ein kurzes Solo sehr zurück, und überlässt es dem Bläserdreigestirn, Monk revisited zu spielen. Es ist eine Wohltat zu hören, wie sich die Bläser in der Wiedergabe der verschiedenen Themen ablösen, sie auch fragmentieren und umspielen. Einen nachhaltigen Eindruck im Klang hinterlassen die Kontrabassklarinette und das Baritonsaxofon – beide brummende Tieftöner. Zwiegespräche zwischen Bläsern können wir verfolgen und eine zischende und schreiende Trompete erleben. „Misterioso“ ist ein Monk-Titel, der zu hören ist, und den Simon Camatta mit dem Hinweis, das sei das Motto von Camatta Monk, kommentiert. „Ugly Beauty“ steht ebenso auf dem Spielplan der Combo wie „Introspection“. Diesen Titel sagt Simon Camatta erst nach dem Verklingen des letzten Tons mit den Worten an: „Für die, die es nicht erkannt haben. Ich kenne ja auch nicht alles … bis auf zwei.“ Neben dem Spielwitz ist also auch ein gewisses Augenzwinkern vorhanden, als Camatta Monk die Bühne des Kleines Hauses gehört.

 

Weitergeht es im Großen Haus.

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Dabei will ich mich abschließend auf einen Auftritt konzentrieren, der für einen humorvoll präsentierten Jazz steht, so wie ihn schon Jasper van't Hof nebst Mitspielern und Michael Schiefel auf die Bühne des Großen Hause gebracht hatten. Bühne frei für Random/Control, für die Vorarlberger Jazzer David Hellbock, Johannes Bär und Andreas Borger. Alle sind sogenannte Multiinstrumentalisten und beherrschen eine Posaune mit dem Klangbild, das beinahe einer Trompete entspricht, Bassklarinette und Klarinette, Sousafon und Tuba, aber auch Alphorn und ein zum Didgeridoo mutiertes Alphorn, ganz zu schweigen von Flöten, Kinderklavier und Melodica. Musikalische Zaubereien werden vor dem erstaunten Publikum ausgebreitet, das aus dem Jubeln beinahe nicht mehr herauskommt, als Johannes Bär mit dem Alphorn die Bühne betritt. Auch David Helbock & Co haben sich Monk vorgenommen, aber auch Hermeto Pascoal und daraus ein Eigengewächs geschaffen. Monk und Pascoal beim Spiel der Drei zu entdecken, ist eine wahre Detektivarbeit für viele. Aber ist eine solche Anstrengung eigentlich notwendig, wenn doch Musik etwas Emotionales sein soll?
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Mit einem Vorarlberger Volkslied beginnt das Trio, ehe dann die Monk- und Pascoal-Variationen à la „Random/Control“, also Zufall und Vorhersagbarkeit, folgen. Helbock zeichnet ein sehr akzentuiertes Spiel aus, das durch das Spiel auf dem Kinderklavier und der Melodica immer wieder aufgelockert wird. Dazu gesellt sich das von Bär gespielte Alphorn, dem Klänge einer Posaune und Trompete entlockt werden. Herrlich die Duette zwischen David Helbock und Johannes Bär, der das Sousafon spielt und bisweilen auch während er noch das Sousafon verschlungen um den Hals trägt zwischen Flügelhorn und Trompete hin- und herwechselt. An die Zeiten von Roland Kirk erinnert Bärs gleichzeitiges sehr kurzes Spiel von Trompete und Flügelhorn. Wenn das nicht großes Kino ist, was dann?

„Round Midnight“ verschmilzt mit Zufall und gewollt mit Titeln von Pascoal, ohne dass der Zuhörer nun weiß, was nun was ist. Warum auch? Es ist halt „Random/Control“. Den Schlussakkord setzt das Dreigestirn von „Random/Control“ mit einer Mischung aus lautmalerischen Dada und Scat Vocal: „Dadada“ – oder war es ...? In diesem Sinne bis in zwei Jahren.

© fotos und text: ferdinand dupuis-panther

Informationen

www.jazzfestival-muenster.de

Audios
Freitag/Friday, 9.1.15
Lars Danielsson Group "Liberetto II" feat. Mathias Eick (S/GB/N) - https://www.actmusic.com/Kuenstler/Lars-Danielsson/%28media%29

Vasko Atanasovski Visions Ensemble (SLO/I/H/CHN/CRO) - http://www.vaskoatanasovski.com/vasko-atanasovski-visions-ensemble

Michael Schiefel/David Friedman (D/USA) - http://www.michaelschiefel.com/

ELG – Elin Larsson Group (S) - http://elinlarssongroup.com/

Samstag/Saturday, 10.1.15
Marius Neset Septett (N/GB/S) - http://www.mariusneset.info/

Nikolas Anadolis Trio (GR/F/D) - http://nikolasjazz.com/ - https://www.youtube.com/watch?v=gzs9E-5KH-k

Jasper van’t Hof/Markus Stockhausen/Patrice Héral (NL/D/F) - http://www.jaspervanthof.com/

Céline Bonacina "Réunion" (F)- http://www.celine-bonacina.com/reunion/ - http://www.celine-bonacina.com/reunion/live-au-new-morning/ - https://www.youtube.com/watch?v=z1_DuRbDtYM

Keith Tippett Solo (GB) - http://www.mindyourownmusic.co.uk/keith-tippett-biography.htm

Louis Moholo/Livio Minafra (ZA/I) - http://www.bbc.co.uk/music/artists/66ccfea3-a7da-4d70-8a79-e490efa28798 - https://www.youtube.com/watch?v=wgxxhYG8rWI

Sonntag/Sunday, 11.1.15
Minafric Orchestra "For Mandela" feat. Louis Moholo, Keith Tippett & Julie Tippetts (=Julie Driscoll well known as singer of the Brian Auger mob) (ZA/GB/I) - https://www.youtube.com/watch?v=usxvfIN_JRo -
http://www.minafrasprod.com/pinominafra/minafric/ - https://www.youtube.com/watch?v=HLJRHmg__JY

Laura Jurd Quartett (GB) - http://www.laurajurd.com/#!composition/cfvg - https://www.youtube.com/watch?v=KwYhpMoZrVM

David Helbock’s Random/Control (A) - http://www.davidhelbock.com/main.php?pid=2&x=59&l=0 - http://www.youtube.com/user/davidhelbock - http://www.youtube.com/watch?v=-HvD1MvP8oQ&list=PLk-bPACYNqQ94YxFRZ5GXrLdr9R9spFgW - https://www.youtube.com/watch?v=t0Z1MnJZ9Ts

Didier Levallet Quintett „Voix Croisées“ (F)- https://www.youtube.com/watch?v=tbUiMSIb3Ws

Camatta Monk (D/I) - http://simoncamatta.de/camatta-monk.php
Airelle Besson/Sebastian Sternal/Jonas Burgwinkel (F/D)- http://www.airellebesson.com/

CD Besprechungen
Céline Bonacina Trio
http://www.jazzhalo.be/index.php?option=com_content&view=article&id=209&Itemid=114

Lars Danielsson Group
http://www.jazzhalo.be/index.php?option=com_content&view=article&id=171&Itemid=61

Jasper van't Hof
http://www.jazzhalo.be/index.php?option=com_content&view=article&id=146&Itemid=27

 

 


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