'milestones' concert review + interview

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Text & Photos © ferdinand dupuis-panther 

'milestones' at Sendenhorst 

It is December and we are going to attend a concert at Sendenhorst . Sendenhorst is a small town close to the university city of Münster. Years ago a bunch of volunteers came together. With a lot of effort and passion they turned the farms stable and barn into an event venue. The Förderverein Sendenhorst and MUKO e.V. occasionally organise Jazz concerts since many years. Mid December Haus Siekmann saw the Jazz band ‘milestones’ on stage. It was a bit of surprise because a 4tet perfomed instead of the 'milestones' we used to know consisting of Julian Walleck (bass), Dominik Hahn (dr), Max Blumentrath (Wurlitzer & Fender Rhodes pianos), joined by guests like Philipp Sauer (saxofon), Thorsten Schwarz (guitar) plus the femal vocalists Mara Minjoli, Marie Daniels or Zola Mennenöh. 

milestones-05900This time Marie Daniels (voc), Max Bluemntrath (fender rhodes), Julian Walleck (b) and Leif Berger (dr) entered the stage of Haus Siekmann. Max and his band companions got their formal education at the ArtEZ Conservatorium Enschede and at The Folkwang Universität der Künste (Essen). The band ‘milestones’ plays in general Jazz Standards from the Great American Songbook and as well few of their own tunes. 'Mack The Knife' is normally on their agenda and a tune Louis Armstrong made famous: 'What A Wonderful World'. Tunes by Duke Ellington, Joe Henderson and the Brasilian singer, piano and guitar player Antônio Carlos Brasileiro de Almeida Jobim can be heard too when ‘milestones’is jamming. 

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Maria, Max, Julian and Leif selected other tunes when they entertained the hand picked audience at Sendenhorst. They started with 'What's goin on' and finished with 'Let it snow' but it didn't snow that night. The 4tet adapted as well Jazz Standards like 'A child is born' – Xmas is knocking on the door – and 'Never, never will I marry' in its own way. The later title was once performed by Nancy Wilson as a singer and the great brass musicians Nat and Cannonball Adderley. When 'milestones' performed the 'brassy timbre' was missing. What a pity but no wonder as there was no saxofonist on stage like the Adderleys or in the band of Buddy Rich who recorded an instrumental version of 'Never, never will I marry'. 

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I should not miss to mention 'Skylark' a well known Jazz Standard on the present agenda of 'milestones'. The lists of Jazz bands and singers who interpreted this song is long, starting with Anita O'Day and finishing with George Benson for his album 'Big Boss Band' or Keith Jarrett and his Standards Trio'. These famous  names were not an obstacle for Marie Daniels to let the 'Skylark' fly high into the almost wintry sky above Sendenhorst.
Apart from Jazz Standards from the 'Great American Songbook' the audience could listen to compositons by two band members. They presented 'Autum without you' (composer Marie Daniels) and 'Sheet Song' (composer Julian Walleck). 'milesstones' was able to put together a very versatile program, which also included Pop music like '50 ways to leave your lover'. This song originally sung by Paul Simon was touched up and performed with a special “jazzy flavour”. 

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Ray Charles with 'Hallelujah' was part ot the play list plus  a Justin Timberlake tune titled ' Mirrors'. The entertaining program served the taste of an open minded audience and was an unexpected mixture between the 'Great American Songbook', R&B – see Timberlakes tune – and Soul-Funk if you think of Ray Charles. Maybe one or the other missed a Miles composition when thinking thoroughly about the band name. Never mind.

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"Meilensteine“ in Sendenhorst

Was haben „What's going on“, „Skylark“ und „Let it snow“ gemeinsam? Diese Titel gehören zum Repertoire von 'milestones', einer Jazz-Formation aus Münster, Köln und Essen, die in unterschiedlicher Besetzung zu hören ist. Für ein Konzert im Haus Siekmann trat der Kern der Combo – Max Blumentrath (fender rhodes), sowie Juilan Wallek (b) – gemeinsam mit der an der Folkwang Universität der Künste in Essen ausgebildeten Jazzvokalistin Marie Daniels und Leif Berger (dr) auf. Marie war zeitweilig Mitglied im Landes-Jugend-Jazz-Orchester NRW und tritt neben 'milestones' auch mit anderen Formationen auf. Zu nennen sind dabei das Quintett „Namárie“, mit dem sie 2014 Eigenkompositionen einspielte. Zu hören ist sie zudem gemeinsam mit dem Essener Schlagzeuger Simon Camatta in der Combo 'The Dorf'.
Mit 'milestones' widmet sie sich dem 'Great American Songbook' auch jenseits von Ohrwürmern wie 'Mack the Knife' oder 'C'est Si bon' (Louis Armstrong). Max Blumentrath, der auch mit dem Gitarristen Ansgar Specht zu hören ist, wenn Woodpegg's Organ Lab auftritt, wandelt ebenso auf musikalischen „Abwegen“ jenseits von 'milestones' wie der in Münster lebende Bassist Julian Walleck, der einst mit „alternativen Rockbands“ (u. a. Exit Illusion, no more lund) seine ersten musikalischen „Meriten“ erwarb, ehe er den Jazz für sich entdeckte. Walleck gibt ganz unumwunden zu, dass ihn bis heute die zeitlose Musikkunst der Beatles und von Queen sehr fasziniert. Wichtig sei aber bezüglich des Jazz, dass man seine Zuhörer erreicht. Das klingt dann eher nach melodiösem und nicht verkopftem Jazz, wie ihn 'milestones' auf die Bühne bringt. Zurzeit gilt Wallecks Aufmerksamkeit aber auch der Folkband Sin Frontera und dem Far East Jazz Orchestra Enschede, wenn er nicht gerade Unterricht in Sendenhorst und anderswo erteilt.
Mit einem Titel des Soulsängers und Vertreters des Motown Sounds Marvin Gaye eröffnete das 4tet die abendliche „Show für die Freunde der gehobenen Unterhaltungsmusik“, ehe dann mit 'Tenderly' eine getragene Ballade zu hören war. Da der wahre Winter noch auf sich warten lässt, besang Marie anschließend in einer Eigenkomposition einen Herbst ohne dich. Dabei stand die volle Stimme von Marie wie auch bei den anderen Stücken des Abends im Zentrum der Aufmerksamkeit, auch wenn die übrigen Bandmitglieder in kurzen Soli hier und da ihr Können aufblitzen ließen.
milestones05769Marie Daniels stand im wahrsten Sinne im Mittelpunkt der Bühne, als sie, ohne „Vorbilder“ wie Billy Holiday und andere berühmte Vokalisten abzukupfern, beklagte „I miss you so ...“. Lauschte man den Tonfolgen, die Walleck auf seinem Bass zupfte, dann verspürte man die im Wind fallenden, verfärbten Blätter. Auch das dezente Schlagzeugspiel von Leif Berger unterstrich die herbstliche Stimmung. Wirbelte er nicht gerade Laub auf, das zu Boden gefallen war? Oder imitierte er nicht den Windzug, der durch die Straßen fegt? „Sometime I had to understand that ...“ sind Bruchstücke der Lyrik, die wir als Zuhörer aufnehmen, zugleich gefangen von der beinahe poetisch-lyrischen Spielweise der Instrumentalgruppe.
Ehe wir uns auf den Standard 'Skylark' einlassen konnten, verführten uns 'milestones' noch mit Joni Mitchells 'The Dry Cleaner From Des Moines' zum aufmerksamen Zuhören. Dabei schöpfte Marie – sie bekannte, dass sie diesen Titel schon immer mal singen wollte – aus dem gesamten Spektrum ihrer zwischen Alt und Sopran changierenden Stimme. Mit einem lautmalerischen Dam-dam-dam, Dam-dam-dam begann 'Skylark', eine eher getragen „Liebesweise“, die man sich gut und gerne auch als Hintergrundmusik einer Cocktailbar in Downtown Manhattan vorstellen kann. Doch Sendenhorst ist nicht Manhattan und schummrig war es im Haus Siekmann auch nicht. Ebenso wenig gab es „Sex on the Beach“, dafür aber eine Feldlerche, die sich dank der Phrasierungen von Max am Fender Rhodes schwerelos in den Himmel aufschwang. Mit „Skylark/I don't know if you can find these things/ But my heart is riding on your wings ...“ sind die letzten Zeilen, die Hoagy Carmichael geschrieben hat und Marie vortrug, ohne sich in den höchsten Stimmlagen zu verlieren.
Anschließend durften wir noch erfahren, dass es 50 Arten gibt, seinen Liebsten/seine Liebste zu verlassen. Hm, von wem stammt denn diese „Weisheit“? Keinem Geringeren als dem Barden Paul Simon vom legendären Duo Simon & Garfunkel ist der Titel ' 50 Ways To Leave Your Lover' zu verdanken, den die Combo an diesem Abend in ganz eigener Art und Weise interpretierte. Dabei durfte wie auch bei anderen Titeln des Repertoires Scat Vocal natürlich nicht fehlen.
Nicht der Song 'Halleluja' von Leonard Cohen, sondern von Ray Charles stand nach der Pause auf dem Programmzettel. Ein wenig funky, funky, funky und Soul war zu verspüren. Doch es war eben nicht der viel bekanntere Hit 'Hit the Road Jack', den sich 'milestones' ausgesucht hatten. Ehe wir in die Nacht entschwanden, gab es noch eine „Bettgeschichte“ von Julian Walleck zu hören, über die wir ein wenig mehr erfuhren, als 'Sheet Song' erklang. Angesichts der bevorstehenden Festtage kamen 'milestones' nicht umhin mit 'A Child Is Born' und „Let It Snow' der Jahreszeit entsprechende Songs in ihre Bühnenpräsentation aufzunehmen. Damit verabschiedeten sich 'milestones' von ihrem Publikum in die Festtage – bis zum nächsten Mal, oder?

 

INTERVIEW MIT MARIE DANIELS UND JULIAN WALLECK

Gibt es einen Grund für die Namenswahl der Band? Ihr bezieht Euch ja auf Miles Davis, warum?

Julian: Ja, unser Liebe zum Old School Jazz. Es ist halt außerdem ein schmissiger Name und man muss auch dazu sagen, dass es eine Band ist, mit der wir viel Mucken machen, also Hintergrundmusik. Wir sind eigentlich ein Trio, aber wir holen uns für Auftritte immer Gäste dazu, so auch Marie. Ich mag den Namen einfach.

Spielt Ihr überhaupt Miles-Titel?

Julian: Hm ja, 'So What' spielen wir immer mal wieder.

Marie: ... aber alte Klassiker, die aus der Zeit stammen …

Könnt Ihr mal ein paar Beispiele für derartige Klassiker nennen?

Marie: Na, zum Beispiel 'Tenderly'
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Für Euch ist also The Great American Songbook sehr wichtig, oder?

Julian/Marie: Ja, schon …

Wie kommt das? Ihr seid ja relativ jung. Ihr orientiert Euch an Musik der 40er, 50er und 60er Jahre. Das ist doch nicht naheliegend oder? Sprich Bebop, Hard Bop, Strayhorn, Ellington usf. stehen bei Euch hoch im Kurs?

Julian: Ich höre das halt gerne. Nicht jeden aus jener Zeit. Da gab es eine unheimliche Bandbreite an Künstlern, die es heute nicht mehr so gibt. Ich fühle mich dem sehr verbunden. Das kommt vielleicht auch durch die Schule, an der wir in Enschede studiert haben. In Holland legen sie schon wert auf Tradition. Das hat mich geprägt, auf jeden Fall. Mein Basslehrer hat mir sozusagen eher olle Kamellen zum Spielen gegeben. Es gibt superschöne moderne Sachen, die höre ich auch.
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War eher Charly Mingus als Eberhard Weber angesagt?

Julian: Ja, genau. Das trifft es genau.
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Marie, die Frage an dich: Waren die 40er bis 60er Jahre eine Art Blütezeit des Jazzgesangs und rührt daher deine Vorliebe für diese Musik her?

Marie: Ja, ich finde, das gehört schon zur Schulung als Jazzsängerin dazu. Auch Scat-Gesang, die gesamten Phrasierungen, Improvisation. Das lernt man schon von den Großen aus jener Zeit. Ella Fitzgerald, Sarah Vaughan, Billy Holiday – das habe ich mir jedenfalls gut angeeignet.

Wie nah am Standard bleibt Ihr und wie fern geht Ihr?
Julian: Aber was ist der Standard? Es gibt zig Versionen, und jeder hat eine andere davon im Ohr. Es ist nicht so, dass wir sagen: Habt Ihr Euch die oder die Version angehört. Jeder bringt seine eigenen Ideen ein und bringt seine Farben mit. Es entsteht vor allem etwas aus dem Moment. Wir wollen uns nicht an der einen oder anderen Version entlanghangeln. Wir wollen uns bewusst Freiheiten lassen.

Sind die Themen der Standards bei Euch erkennbar oder völlig fragmentiert?

Julian/Marie: Doch schon.

Ihr wundert Euch über die Frage?

Julian: Nein, überhaupt nicht. Ich kenne das Gefühl, wenn man denkt: Hm, wo war denn das Thema. Ein gelerntes Ohr erkennt, ob das Thema gespielt oder versteckt wird. Wenn es überhaupt nicht zu entdecken ist, dann bin ich kein Fan davon.

Marie: Es ist alles erkennbar, aber dennoch machen wir unser eigenes Ding daraus.

Julian: Ich finde, auch wenn man verständlich spielt, es trotzdem immer möglich ist, seine eigene Note einzubringen. Es ist nicht unmöglich, es so zu spielen, dass es jeder versteht, ohne dass es so klingt, als habe es Miles oder jemand anderes so gespielt. Ich spiele es so, wie ich es schön finde.
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Wie viel Raum gibt es für Improvisation?

Julian: Sehr viel. Ich mag es halt auch, wenn die Musik Ruhe ausstrahlt, und Marie im Vordergrund steht, das Thema klar und deutlich rüberkommt und in der Impro dann jeder machen kann, was er will. Jeder kennt aber auch seine Aufgabe.

Wie wichtig ist es im Verhältnis zum Publikum, Ohrwürmer wie 'Autumn Leaves' zu spielen?

Marie: Heute haben wir keine dabei. Wir machen aber ja auch Musik für Leute, wie soll man sagen, die gerne die alten Klassiker hören wollen; mal als Hintergrundmusik, mal konzertant – und dann kommen diese Songs mehr ins Spiel. Für uns ist es oftmals auch so, dass wir sagen, die haben wir ja schon tausendmal gehört und das muss jetzt nicht sein, aber 'Autumn Leaves' finde ich noch immer super.

Julian: Ich frage mich aber auch, wie es dazu gekommen ist, das solche Stücke wie 'My Funny Valentine' und 'All the Things you are' die Evergreens geworden sind. Ich war ja nicht dabei, als diese geschrieben und populär wurden. Es gibt aber zig Standards, die eine schönere Melodie haben als 'Fly Me To The Moon'. Das ist halt so ein Titel, den Frankie gesungen hat und dick orchestriert wurde. Dann kannte es jeder.

Ich danke Euch für das Gespräch.

Informationen
Homepage Max Blumentrath
http://www.maxblumentrath.com

Homepage milestones
www.milestones-jazz.com
http://www.milestones-jazz.com/sound/

Homepage Marie Daniels
www.mariedaniels.de
Homepage Julian Walleck

http://www.julianwalleck.de/Home.html

Audio milestones
http://www.milestones-jazz.com/sound/

Sendenhorst
MuKo e.V.
http://www.muko-sendenhorst.de/

Haus Siekmann
http://www.haussiekmann.de/

Never, never will I marry
by Nancy Wilson and Nat and Cannonball Adderley
https://www.youtube.com/watch?v=NT8Ul1vDYUY

by Buddy Rich
https://www.youtube.com/watch?v=VGRL4DdU9GE

Skylark
https://www.youtube.com/watch?v=2Ej6Wr7i6C8

The Dry Cleaner from Des Moines
by Joni Mitchell and Band (Jaco Pastorius, Don Alias, Michael Brecker)
https://www.youtube.com/watch?v=JnpyCEUESEw

 

 


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