The Windwalkers: - La Guagua

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Lassen wir uns auf einen Spaziergang bei Wind ein und genießen den Latin Jazz, den uns die Band ‘The Windwalkers’ zu Gehör bringt. Das Sextett um den kolumbianischen Perkussionisten Mario Maradei entstand 2010 in Mannheim. Zu diesem Zeitpunkt hatten die sechs Musiker (Mario Maradei (perc), Les Artmann (p), Fabian Schöne (sax), Marc König (trp, flgh), Franz Eichberger (dr), Dominik Bornhorn (b) - sie stammen aus vier verschiedenen Ländern - längst ihre gemeinsame musikalische Leidenschaft für Funk, Fusion, Songo und Samba entdeckt. Heiße Rhythmen können wir erwarten, auch wenn wir nicht ins morbide Havanna fahren und mit einem alten VW-Bulli unterwegs sind. Diese Kulisse schmückt nur das Cover.
Ein musikalisches Feuerwerk zünden die „Windläufer“ von der ersten Note an. Sie nehmen uns in ihrem Bus (so die Übersetzung von la guagua!) auf eine Entdeckungsreise mit, auch wenn diese nicht ins Heimatland des Bandleaders Maradei führt. Er wie auch seine Bandkollegen haben für die sieben Eigengewächse und das Arrangement eines Hancock-Stücks gesorgt, die 2013 beim Mons-Label erschienen sind. Dass für Mario Maradei auch der Herbie-Hancock-Titel „Maiden Voyage“ eine zu meisternde Herausforderung darstellt, stellt er mit seinem 10/4-Drum’n-Bass-Arrangement ganz klar unter Beweis.

Doch beginnen wir erst einmal uns dem 'Sophisticated Chacha' zu widmen, der vor allem von den wuchtigen Bläsern der Band dominiert wird. Also hopp und auf, auf und den Wiegeschritt gewagt. Für’s richtige Taktgefühl sorgt neben dem perkussiven Klavierlauf auch Maradei mit prägnant gesetzten Beats. Derweil ergeht sich Fabian Schöne in wohlklingenden Saxofonphrasierungen, die unseren Alltag mit seinen Sorgen verfliegen lassen. Man verspürt „Happy Hour“ und ein Gefühl von lauer Sommernacht auf dem Kopfsteinpflaster der Altstadt von Havanna oder am Strand von Rio. An unser Ohr dringt der Gleichklang von Taktaktaktak - dank sei dem Mann am Schlagwerk Mario Maradei - und dazu führt Les Artmann seine flinken Finger über die Pianotasten. Dabei erzeugt Artmann nicht ein Soundeinerlei, sondern setzt gekonnt eindeutige, rhythmische Zäsuren. Von Havanna oder Cartagena in ‘Lazslo’s Sauna’ ist es ein weiter Schritt, aber auf der aktuellen Einspielung ist es der zweite Titel auf ‘La Guagua’. Was macht eine Sauna, diese urfinnische Institution, gerade in Ungarn und wieso besitzt Lazlo eine Sauna? Und der Songo, den wir hören, gehört doch nach Kuba, dem Mutterland dieses Latino-Rhythmus, oder? Wer sich jedoch auf lateinamerikanische Tänze einlässt, der kommt wie in der Sauna bald ins Schwitzen. Beinahe im Sound einer kleinen Brassband kommen einige Passagen des Stücks daher, ehe Schöne wie auch bei dem Eingangsstück Gelegenheit hat, sein Saxofon jubilieren zu lassen. Piano und Schlagwerk sorgen für den durchgehend schnellen Takt. Nach Schöne ist dann Artmann an der Reihe, um seine Komposition in die wohltemperierte (Klang)farbe zu tauchen. Durchgetanzt besteigen wir den ‘La Guagua’. Wohin bringt es uns wohl? Dorthin, wo nicht nur der Buena Vista Social Club etwas von Samba, Songo und Bossa Nova versteht. Also einsteigen und schön in Schwingung bleiben! Als verspielt-sanft und nicht gar so impulsiv wie „La Guagua’ entpuppt sich Franz Eichbergers Komposition ’5er’, ein Samba im 5/4-Takt. Von Eichberger stammt auch der Titel ‘Sinai’, wobei wir dann Lateinamerika gänzlich hinter uns lassen. Wahrlich als Multi-Kulti erweist sich die Band, wenn es ganz im Gewand des Funks der 1970er Jahre ’Ne Var’ heißt. Das ist Türkisch und bedeutet abseits des Duden: „Was geht?“ Songo, Samba, Chachacha und Latino-Rhythmen - gehen immer mit und ohne ‘Ne Var’. Zum Schluss ergeht die Aufforderung an alle: Nicht nur lauschen, sondern aufstehen, die Hüften schwingen und mit dem Hintern wackeln - it’s time for Songo and more dank sei ‘La Guagua’.
© Ferdinand Dupuis-Panther
Informationen
Label
www.monsrecords.de
Band-Homepage
http://www.windwalkers-music.com/index_de.html

 


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