Steven Delannoye New York Trio mit Frank Vanganée: Here Comes Tomorrow, De Werf Records, 2014, W.E.R.F. 116

here comes tomorrow

Die vorliegende CD ist die jüngste Veröffentlichung des Tenorsaxofonisten Steven Delannoye, der unter anderem Teil des renommierten Brussels Jazz Orchestra war und an der Manhattan School of Music in New York studierte. Augenblick ist er Artist in Residence an der Katholieke Universiteit Leuven.
Um sich scharte er für die aktuelle CD den Schlagzeuger Jesse Simpson und den Kontrabassisten Desmond White um sich. Das Piano – so klassisch für ein Jazz-Trio - fehlt in der New-York-Trio-Besetzung. Als Gast kam der Altsaxofonist Frank Vanganée – ein führender Kopf des Brussels Jazz Orchestra – für die Aufnahmen von „Here Comes Tomorrow“ hinzu.
Swingend beginnt die vorliegende Veröffentlichung mit „Pliny's Tune“ aus der Feder des Schlagzeugers Jesse Simpson. Hastende Fußgänger und Menschen beim Schaufensterbummel kann man sich bei den akzentuierten Saxofonläufen gut vorstellen. Mal bleiben sie stehen, abrupt drehen sie sich um, steuern ein Schaufenster an, hasten in die Metro oder winken einem Cab. Unterstützt wird die Vorstellung eines geschäftigen Stadtlebens durch das nervöse, wenn auch sachte Trommeln von Jesse Simpson. Der Nebel hebt sich, der New York einhüllt, die Stadt erwacht, die Menschen eilen zur Arbeit, auf überfüllten Straßen und in überfüllten Metros – zu solchen Bildern passt das melancholisch-getragene Spiel des Quartetts in „Here Comes Tomorrow“. Melodiös „umkreisen“ die beiden Saxofone die dumpfen Akzente des Basses in der Desmond White zu verdankenden Komposition „Wood“.
Nicht dem Hip-Hopper, aber dem Hopper widmet das Quartett ebenso die musikalische Aufmerksamkeit wie dem „Longest Day“. Bei „Hopper“ beispielsweise ist die Zeit des Big-Band- und Adderley-Sounds gegenwärtig, und „Round Midnight“ lässt grüßen.
An eine schwermütige Ballade erinnert mich schließlich „Nowhere“ aus der Feder von Steven Delannoye. Mit „Trio Story I“ findet die aktuelle Einspielung einen gelungenen Abschluss.
Avantgarde Jazz ist die Sache des New York Trio mit Gästen nicht – aber das ist kein Beinbruch, ganz im Gegenteil. Es ist m. E. wieder Zeit für konzertant-melodiösen Jazz!

© text Ferdinand Dupuis-Panther

Informationen
http://www.stevendelannoye.com/
http://www.stevendelannoye.com/bands/
https://www.youtube.com/watch?v=SU66KMNo_T8

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